Aktualisiert 13.09.2017 14:44

«Völlig daneben»Mieter bittet um tieferen Zins – und kommt dran

Ein Portugiese beantragt bei seiner Hausverwaltung eine Mietzins-Reduktion. Diese lehnt sein Begehren ab – und vergreift sich im Ton.

von
sul
Für seine Wohnung an der Sandstrasse in Neuenhof AG bezahlt Paulo Alves künftig wohl nicht weniger Miete.

Für seine Wohnung an der Sandstrasse in Neuenhof AG bezahlt Paulo Alves künftig wohl nicht weniger Miete.

Google Streetview

Wegen des Rückgangs des Referenzzinses im vergangenen Juni von 1,75 auf 1,5 Prozent beantragte Paulo Alves aus Neuenhof AG bei seiner Immobilienverwaltung, der Verwaltung Sandacker mit Sitz in Freienbach SZ, eine Mietzinsreduktion für seine 1,5-Zimmer-Wohnung. «Ich ersuche Sie höflich, meine Nettomiete auf den nächsten Kündigungstermin entsprechend zu reduzieren», schreibt er in seinem Brief, der 20 Minuten vorliegt. Der gebürtige Portugiese bittet um eine «schriftliche Bestätigung innert 30 Tagen». Weiter heisst es: «Sollten Sie meinem Herabsetzungsbegehren nicht oder nur teilweise entsprechen können, bitte ich Sie, mir Ihre Gründe innert der gleichen Frist mitzuteilen.»

Vor wenigen Tagen erhielt Alves nun Post von der Verwaltung. «Mit Befremden» habe man zur Kenntnis genommen, wie er «in einem unhöflichen Ton» eine Mietzinsherabsetzung begehre, steht gleich zu Beginn des Briefes, in den die Redaktion ebenfalls Einsicht hat. Weiter schreibt die Vermieterin der Liegenschaft: «Es wurde immer geglaubt, Portugiesen seien anständige Leute, welche einen Aufenthalt in der Schweiz zu schätzen wüssten.»

Strafrechtlich nicht relevant

Alves kann die Reaktion nicht verstehen. «Solche Äusserungen sind schlimm und einfach nur rassistisch», ärgert sich der 41-Jährige, der seit 17 Jahren in der Schweiz lebt. Den Brief der Verwaltung habe er seinem Chef gezeigt. Dieser habe ihm geraten, sich unbedingt zu wehren. Das hat Alves nun getan. «Ich habe bereits den Rechtsschutz eingeschaltet», sagt er.

Rassimus-Experte Daniel Kettiger stuft die Aussagen seitens der Verwaltung zwar als «völlig daneben» ein. «Rassendiskriminierung liegt aber keine vor, weil die Ethnie der Portugiesen nicht herabgesetzt wird», stellt der Anwalt klar. Die Äusserungen würden implizieren, dass Portugiesen grundsätzlich anständige Menschen seien, und nicht umgekehrt. Kettiger: «Der Fall ist somit strafrechlich nicht relevant.»

«Unnötig und unprofessionell»

Die Mietzinsabschläge täten zwar manch einem Vermieter weh, sagt Monika Rohrer, Präsidentin des Hauseigentümerverbandes Schwyz und Umgebung. «Sich in einem Verwaltungsschreiben derart im Ton zu vergreifen, ist aber unnötig und unprofessionell», sagt sie. Sie rät daher der Vermieterin, sich bei Herrn Alves zu entschuldigen.

Die Verwaltung Sandacker wollte sich zum vorliegenden Fall nicht äussern. Dem Herabsetzungsbegehren des 41-Jährigen hat sie im Übrigen nicht stattgegeben. Weil der Landesindex der Konsumentenpreise inzwischen gestiegen und zudem eine Kostensteigerung eingetreten sei, könne ihm «keine Mietzinsreduktion von dem eher bescheidenen monatlichen Nettozins von 760 Franken gewährt» werden, heisst es im Antwortschreiben.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.