16.06.2020 13:09

RomanshornMieter künden wegen Autoposern ihre Wohnung und ziehen weg

Autoposer sind den Anwohnern in Romanshorn TG schon länger ein Dorn im Auge. Eine Schranke könnte Abhilfe schaffen. Bereits 2009 wollte man die Idee durchsetzen, sie scheiterte jedoch.

von
Jil Rietmann
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Romanshorn will mit einer Schranke gegen Autoposer vorgehen. Vor allem die Zufahrt zum See ist bei Protzern beliebt.

Romanshorn will mit einer Schranke gegen Autoposer vorgehen. Vor allem die Zufahrt zum See ist bei Protzern beliebt.

Wikipedia/Kecko
Vor dem Coop Pronto wurde eine Frau schon einmal angefahren, weil ein Autoposer direkt vor dem Eingang parkiert hatte.

Vor dem Coop Pronto wurde eine Frau schon einmal angefahren, weil ein Autoposer direkt vor dem Eingang parkiert hatte.

Google/ThoR
Ein Anwohner der Bahnhofstrasse erzählt: «Junge Männer, die ihre Autos zeigen wollen, hat es schon immer gegeben, das bringt man nicht aus der Welt.»

Ein Anwohner der Bahnhofstrasse erzählt: «Junge Männer, die ihre Autos zeigen wollen, hat es schon immer gegeben, das bringt man nicht aus der Welt.»

Google Maps

Darum gehts

  • Romanshorn will mit einer Schranke gegen Autoposer vorgehen.
  • Die Idee ist nicht neu, sie scheiterte zuletzt im Jahr 2009.
  • Die Anwohner in Romanshorn stören sich am Lärm und an Tempoüberschreitungen.
  • Es werden weitere Massnahmen geprüft, wie man gegen die Autoposer vorgeht.

Die Zufahrt zum See in Romanshorn ist eine Verlockung für viele Autoposer. Via Hafen- und Bahnhofstrasse fahren sie um den See herum, um ihre Autos zu präsentieren – sehr zum Missfallen der anderen Verkehrsteilnehmer sowie der Anwohner. «Seit der Einbahnverkehr vor unserer Wohnung in der Bodanüberbauung an der Bankstrasse aufgehoben worden ist, hat die Lärmbelastung stark zugenommen», äussert sich ein Romanshorner Paar in einem Brief an den zuständigen Stadtrat, wie die «Thurgauer Zeitung» am Dienstag berichtet. Sie sei sogar schon angefahren worden, berichtet die Frau. Dies, weil die Autoposer vor dem Eingang des Coop-Pronto parkiert hätten, wo es aber gar keine offiziellen Parkplätze gibt. Es gehe ihnen nur darum, ihre Kollegen zu grüssen. Sie wisse gar von Mietern, die wegen der Lärmbelastung der Poser weggezogen sind.

Ein Anwohner der Bahnhofstrasse erzählt gegenüber 20 Minuten: «Junge Männer, die ihre Autos zeigen wollen, hat es schon immer gegeben, das bringt man nicht mehr aus der Welt.» Er selbst sieht es aber etwas entspannter als das Paar. «Nur weil es kurz laut ist, ist das doch nichts Schlimmes.» Mühsam werde es dann, wenn die gleichen Autofahrer immer wieder im Kreis fahren, weil sie nichts anderes zu tun haben. Ein Anwohner der Reckholdnerstrasse kann die Poser auf eine gewisse Art verstehen, aber die Lärmbelastung nehme immer mehr zu und sei inzwischen eine Belästigung für die Bevölkerung geworden. «Dieser Zustand ist unerträglich», sagt er.

Mit Schranke gegen Autoposer

Auch die Seestadt Arbon muss sich immer wieder mit Autoposern herumschlagen. Arbon versucht deshalb, mit einer Schranke dagegen vorzugehen. Sie steht beim Hafendamm und verhindert das Wenden und unnötige Zufahren. Roger Martin, Stadtpräsident von Romanshorn, schlägt nun die gleiche Idee für Romanshorn vor. Wo genau diese Schranke hinkommen solle, sei aber noch unklar. Auch andere Massnahmen seien denkbar. Martin sagt: «Eine Schranke ist eine Möglichkeit von vielen, ebenso wie 30er-Zonen, Bodenschwellen oder andere Massnahmen.» Die Idee mit der Schranke findet jedoch nicht bei allen Anwohnern Zuspruch. «Eine Schranke ist nicht nötig. Wenn die Schranke zu ist, müssen die Autoposer ja wieder wenden, so entsteht ein weiterer Kreisverkehr. Man muss die Parkplätze am See einfach schliessen, denn es hat genug in der Nähe, das würde das Problem eher lösen», sagt ein Anwohner zu 20 Minuten.

Den Wendeplatz beim Seehof hat man schon vor Jahren aufgehoben. Das Problem wurde dadurch aber nicht gelöst. Die Idee mit der Schranke hatte man ebenfalls schon vor ein paar Jahren. Diese jedoch durchzusetzen, ist offenbar nicht ganz einfach. 2009 gab es zuletzt einen konkreten Bauplan für eine Schranke. 160’000 Franken waren damals für den Bau eingeplant. Das Projekt scheiterte schlussendlich.

2012 wurde im Gemeinderat Romanshorn ausserdem darüber diskutiert, 36 Parkplätze an der Romanshorner Seepromenade aufzulösen. Damals wurde jedoch befürchtet, dass der Verkehr durch die wenigen Parkplätze zunehmen würde, anstatt abzunehmen. Dieses Problem konnte man in der Zwischenzeit aber lösen, denn seit 2018 stehen in der Tiefgarage der Bodan-Überbauung in der Nähe des Bahnhofs und des Hafens 50 öffentliche Parkplätze zur freien Verfügung. Diese würden bis dato aber kaum genutzt, heisst es.

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