Aktualisiert 25.09.2014 08:53

Richterswil

Mieter randaliert monatelang in Wohnung

Fritz S. aus Richterswil ZH hatte in seinem Haus einen Mieter, der sämtliches Mobiliar zertrümmerte. Trotzdem brauchte er ein Jahr, um ihn rauszuwerfen. Das ist kein Einzelfall.

von
som

Der Albtraum von Fritz S. (Name bekannt) begann im August vor einem Jahr. Damals schrieb er in seinem Zweifamilienhaus in Richterswil ZH, in dem er selbst lebt, eine Wohnung aus. Der 53-jährige Toni M. (Name geändert) erzählte ihm bei der Besichtigung zwar, dass er Sozialhilfe beziehe und deshalb keine Wohnung finde, doch Fritz S. beschloss, ihm trotzdem eine Chance zu geben.

Das sollte der Pensionär bald bereuen. Denn schon kurz nach dem Einzug warf sein Mieter Gegenstände aus dem Fenster, ein paar Tage später fand er ein aus der Küche herausgerissenes Gewürzkästchen im Warteraum des Bahnhofs Richterswil. «Als er auch noch den Kochherd mit einem grossen Hammer zertrümmerte, reichte es mir», so S. Er habe M. auf Ende Oktober 2013 fristlos gekündigt.

«Er zerstörte alles, was nicht niet- und nagelfest war»

Doch so leicht liess sich dieser nicht vertreiben. Er focht die fristlose Kündigung bei der Schlichtungsbehörde an. Dort fand man aber selbst nach mehreren Verhandlungsterminen keine Einigung. «Das Ganze zog sich über Monate hin», so S. Schliesslich konnte er seinem Mieter im Februar kündigen, allerdings musste er erst am offiziellen Kündigungstermin Ende Juni 2014 ausziehen. «Nur - M. weigerte sich auch dann noch, die Wohnung zu verlassen.» S. schaltete einen Anwalt ein, der ein Ausschaffungsbegehren beim Gericht stellte. «Dieses gab mir recht, Ende August dieses Jahres zog M. endlich aus.»

S. ist zwar erleichtert, aber auch unendlich wütend. Denn seit seinem ersten Kündigungsversuch habe M. munter weiterrandaliert: «Er zerstörte alles, was nicht niet- und nagelfest war und richtete in meiner Wohnung einen Sachschaden von mehreren 1000 Franken an.» So habe er unter anderem Fensterläden, Türen, Lampen, Schlösser und WC-Deckel herausgerissen sowie Telefon- und Fernsehkabel durchgeschnitten: «Mein kaputtes Mobiliar entsorgte er im Garten oder in den Bahnhof-Abfallkübeln.» Ebenfalls glaubt S., dass er in der Nachbarschaft und im ganzen Dorf Briefkästen, Blumenbeete und Scheiben zertrümmert hat.

Vermieter ist am kürzeren Hebel

Mehrmals hat S. die Gemeinde Richterswil um Hilfe gebeten: «Ich verstehe nicht, warum sie nicht eingeschritten ist - schliesslich zahlte sie seine Miete.» Laut Gemeindeschreiber Roger Nauer ist dies rechtlich nicht möglich: «Über eine Ausweisung müssen die Gerichte oder die Polizei entscheiden.» Die Gemeinde könne nur vermitteln.

Dass dies wie im Fall T. nicht selten monatelang dauert, bestätigt Albert Leiser, Direktor des Zürcher Hauseigentümerverbandes: «Das Problem ist, dass die Mieter durch Fristenerstreckungen eine Kündigung hinauszögern können.» Ebenfalls müsse man bei Gerichtsverhandlungen lange Wartezeiten in Kauf nehmen, da die Richter überlastet seien. Der Vermieter trage letztlich den Schaden: «Er müsste mehr Möglichkeiten haben, um solche Mieter rasch aus der Wohnung zu bekommen.»

Fritz S. hofft nun, dass wenigstens die Versicherung für den Schaden in seiner Wohnung aufkommt: Inzwischen hat er M. wegen Sachbeschädigung und Nötigung angezeigt.

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