Überbauung Züri50: Mieter wehren sich gegen Massenkündigung
Aktualisiert

Überbauung Züri50Mieter wehren sich gegen Massenkündigung

In der Wohnsiedlung Züri 50 in Zürich erhielten 83 Mieter die Kündigung – angeblich wegen maroder Gipsdecken. Bewohner und der Mieterverband vermuten «Profitgier» und wehren sich.

von
Hannes von Wyl

Die Mieter der Überbauung Züri 50 in Neu-Oerlikon sind erbost: 83 der insgesamt 102 Parteien sollen ihre Wohnungen per Ende September verlassen. Darunter viele Familien mit kleinen Kindern. Der Grund: eine «dringende Sanierung der Gipsdecken in sämtlichen Wohnungen der Überbauung Züri50, die nicht in Anwesenheit von Mietparteien durchgeführt werden kann», wie die Verwalterin Wincasa AG schreibt.

Das ist für den Zürcher Mieterverband nicht akzeptabel: Seit 2008 würden die bekannten Baumängel der erst 14 Jahre alten Wohnungen in bewohntem Zustand laufend behoben, erklärte Geschäftsleiterin Felicitas Huggenberger am Donnerstag an einer Medienorientierung vor Ort. «Warum sollte das nun nicht mehr möglich sein?» In Vertretung aller betroffenen Parteien hat der Mieterverband nun ein Schlichtungsverfahren angestrengt. Damit soll die Kündigung aufgehoben werden.

Nach dem Sanierungstermin die Kündigung

Vom Rauswurf betroffen ist beispielsweise Mieterin Petra Buller. Sie zog 2006 mit ihrem Mann in eine 4,5-Zimmer-Wohnung, vor kurzem kam der Nachwuchs. «Wir fühlen uns wohl hier», sagt Buller, «unsere Tochter hat im Quartier viele Freunde gefunden und besucht die Krippe gleich gegenüber». Im Herbst 2013 führte die Wincasa in allen Wohnungen der Liegenschaft eine Deckeninspektion durch. Bei Buller, wie auch bei vielen anderen Mietern, wurden Schäden an der Gipsdecke festgestellt.

Das betroffene Stück in der Wohnung von Buller, ein etwa 50 Zentimeter langer Fleck an der Küchendecke, wurde im November entfernt. Im Dezember unterrichtete die Verwaltung die Mieterin über den Termin für die Instandstellungsarbeiten. Diese sollten während zweier Wochen Ende Juli und Anfang August stattfinden. Mitte Februar dann der Schock: Entgegen der angekündigten Sanierung im bewohnten Zustand soll Buller mit ihrer Familie die Wohnung auf Ende September verlassen.

Bad erst vor einem Jahr saniert

Auch Roger Leuch muss sich nach einer neuen Bleibe für sich und seine Familie umsehen. Zu einer dringend notwendigen Gesamtsanierung gehörten ebenfalls die Sanierung der Nasszellen sowie Dachreparaturen, teilte ihm die Wincasa mit. Dies könne nur geschehen, wenn das Haus für 15 Monate leerstehe. Nur: Das Bad in seiner Wohnung wurde bereits vor einem Jahr saniert, die Inspektion der Gipsdecke im Herbst 2013 stellte keinen Sanierungsbedarf fest und die Dachreparaturen betreffen die Familie Leuch nicht – sie wohnt im Parterre.

Was die Verwaltung der Liegenschaft zum Kurswechsel bewogen hat, bleibt im Dunkeln. Zur vom Mieterverband angestrebten Aussprache mit dem CEO Oliver Hofmann kam es nicht. Anstelle des CEOs erschien eine leitende Angestellte mit dem Firmenanwalt. «Mehr, als im Kündigungsschreiben schon steht, haben sie uns nicht mitgeteilt», sagt Huggenberger vom Mieterverband. Das Erscheinen Hofmanns sei nie versprochen worden, diese Behauptung sei unwahr, schreibt die Wincasa-Pressestelle dazu. «Der Mieterverband wurde vor dem Gespräch informiert, wer seitens Wincasa an dem Treffen teilnehmen wird.»

Wie teuer sind die Wohnungen künftig?

Die Mieter sind sich aber einig, was der Grund für die Massenkündigung sei: «Profitgier.» Die Mieten seien verhältnismässig tief, für eine 4,5-Zimmer-Wohnung mit 113 Quadratmetern bezahle man ungefähr 2500 Franken. Wie der «Tages-Anzeiger» im März berichtete, teilweise auch deutlich weniger. Der Marktwert liege aber bei rund 3000 Franken. Mit der Kündigung versuche die Besitzerin der Liegenschaft, die Credit-Suisse-Pensionskasse, die Mietzinse zu erhöhen.

Wie hoch diese nach der Sanierung liegen könnten, lässt die Verwaltung offen: «Zu den Mietpreisen nach der Sanierung können wir seitens Wincasa derzeit keine Angaben machen.»

Den Kündigungsentscheid erklärt Wincasa auf Anfrage von 20 Minuten folgendermassen: «Erst die Analyse der Resultate der Expertise haben den vollen Umfang der nötigen Sanierungsarbeiten aufgezeigt. Diese lagen Wincasa im Februar 2014 vor.» Der Inhalt des Gutachtens bleibe aber geheim.

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