Lieber Phil Geld: Mietzins-Erhöhung wegen neuem Boden?
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Lieber Phil GeldMietzins-Erhöhung wegen neuem Boden?

Sven (34) ist in eine neue Wohnung gezogen. Durch den geplanten Teppichersatz soll die Miete nun steigen. Ist das erlaubt?

Entsteht durch das Auswechseln des Bodenbelags ein Mehrwert, darf der Vermieter diesen auf den Mieter überwälzen. (Bild: Colourbox)

Entsteht durch das Auswechseln des Bodenbelags ein Mehrwert, darf der Vermieter diesen auf den Mieter überwälzen. (Bild: Colourbox)

Lieber Phil Geld

Darf mein Vermieter tatsächlich den Mietzins erhöhen, wenn er anstelle eines Teppichs einen Parkett verlegen lässt? Der Teppich in meiner Wohnung ist von Flecken übersät und kaputt. Als ich vor drei Monaten einzog, habe ich den Erneuerungsbedarf angesprochen. Mein Vermieter hat dem auch zugestimmt. Jedoch war nie die Rede von einer Mietzinserhöhung. Darf er tatsächlich eine Mietzinserhöhung vornehmen?

Lieber Sven

Ob eine Mietzinserhöhung zulässig ist, bestimmt sich nach Art der vorgenommenen Arbeiten. Zu berücksichtigen ist, ob der Vermieter die Mietwohnung umfassend saniert oder ob er nur einzelne Bestandteile erneuert.

Grundsätzlich gilt, dass der Mietzins nur dann erhöht werden darf, wenn der Mieter nach den Umbauarbeiten über zusätzlichen Komfort verfügt. Zusätzlicher Komfort ist in der Regel gegeben durch Einbau eines grösseren Kühlschranks, Ersetzen des alten Teppichs durch einen Parkettboden, eine besser isolierende Hausfassade oder beim Einbau von Fenstern besserer Qualität. Beim Ausführen von Reparaturen oder Ersetzen von Geräten in gleicher Qualität handelt es sich um Instandhaltungsarbeiten, die nicht auf den Mieter überwälzt werden dürfen und den Vermieter somit nicht berechtigen, eine Mietzinserhöhung vorzunehmen. Schon beim Ersatz einzelner Einrichtungen ist es oft schwierig zu bestimmen, welcher Anteil wertvermehrend ist und somit zu einer Mietzinserhöhung berechtigt.

Der Vermieter kann den Mietzins immer erst auf den nächsten Kündigungstermin anheben. Die Mietzinserhöhung muss der Vermieter dem Mieter auf einem amtlichen Formular und mindestens zehn Tage vor Beginn der ordentlichen Kündigungsfrist mitteilen. Auf dem Formular muss aufgeführt werden, aus welchem Grund eine Mietzinserhöhung erfolgen soll. Ob die Mietzinserhöhung betragsmässig gerechtfertigt ist, kann der Mieter mit Hilfe des Mietzinsrechners ermitteln. Auch kann er die Mietzinserhöhung durch den Mieterverband oder durch die Schlichtungsbehörde überprüfen lassen.

Wenn du mit der Mietzinserhöhung nicht einverstanden bist, musst du sie innert 30 Tagen ab Erhalt bei der Schlichtungsbehörde deines Wohnorts anfechten. Den Brief müssen alle Personen unterzeichnen, die im Mietvertrag aufgeführt sind. Dem Brief ist eine Kopie des ursprünglichen Mietvertrags und der vergangenen Mietzinsänderungen inklusive der letzten Erhöhung beizulegen. Verpasst du als Mieter die Frist zur Anfechtung, musst du die neue höhere Miete bezahlen, auch wenn die Erhöhung nicht gerechtfertigt ist.

In deinem Fall ist aber eine Erhöhung des Mietzinses durchaus gerechtfertigt. Denn der Parkettboden stellt einen Mehrwert dar. Würde der Vermieter den alten Teppich durch einen neuen ersetzen, wäre grundsätzlich von einer reinen Instandhaltungsarbeit auszugehen. In diesem Fall wäre eine Erhöhung des Mietzinses nicht zulässig. Wird jedoch, wie in deinem Fall, ein Parkett verlegt, so gilt die Preisdifferenz zwischen diesem und einem neuen Teppich als Mehrwert, den der Vermieter auf den Mieter überwälzen darf.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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