Italienischer Bürgermeister: Migranten Ticket bezahlt, damit sie abreisen
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Italienischer BürgermeisterMigranten Ticket bezahlt, damit sie abreisen

Nach der Schliessung einer Asylunterkunft zahlt der Bürgermeister von Gallarate zwölf Migranten das Ticket nach Mailand. Politiker-Kollegen sind empört.

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Der Bürgermeister von Gallarate, Andrea Cassani, gab am 20. März 2018 zwölf Asylbewerbern insgesamt 90 Euro aus seiner eigenen Tasche, damit sie nach Mailand fahren sollten.

Der Bürgermeister von Gallarate, Andrea Cassani, gab am 20. März 2018 zwölf Asylbewerbern insgesamt 90 Euro aus seiner eigenen Tasche, damit sie nach Mailand fahren sollten.

Screenshot Youtube
Nachdem eine Asylunterkunft in Gallarate geschlossen wurde, reisten 60 Asylbewerber nach Bresso, einem Vorort von Mailand, in ein neues Zentrum. Zwölf Männer blieben zurück. Ihr Asylantrag war abgelehnt worden.

Nachdem eine Asylunterkunft in Gallarate geschlossen wurde, reisten 60 Asylbewerber nach Bresso, einem Vorort von Mailand, in ein neues Zentrum. Zwölf Männer blieben zurück. Ihr Asylantrag war abgelehnt worden.

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Auf Facebook übertrug Cassani seine Aktion live.

Auf Facebook übertrug Cassani seine Aktion live.

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Andrea Cassani, Bürgermeister von Gallarate in Norditalien und Mitglied der rechtsradikalen Partei Lega, sorgt mit einer Aktion für Diskussionen. Nachdem eine Asylunterkunft in Gallarate geschlossen wurde, reisten am Dienstag 60 Asylbewerber nach Bresso, einem Vorort von Mailand, in ein neues Zentrum. Zwölf Männer blieben zurück. Ihr Asylantrag war abgelehnt worden. Bürgermeister Cassani griff am Mittwoch in die eigene Tasche und gab den Männern insgesamt 90 Euro. Damit sollten sie nach Mailand fahren.

Auf Facebook übertrug Cassani seine Aktion live: Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie er den Gambiern Geld gibt und sie dann zum Bahnhof begleitet – um sicherzustellen, dass sie die Stadt verlassen. «Wir sind froh, dass dieses Quartier wieder bewohnbar ist», meint er im Video. «Das ist eine Erleichterung», fügt er am Schluss an.

«Sie wollten nicht hier bleiben»

Die Kritik seiner politischen Gegner folgte prompt. Cassani ziehe sich aus der Verantwortung und habe die Männer einfach «loswerden» wollen. Samuele Astuti, Sekretär der Provinz Varese und Mitglied der Demokratischen Partei, hält Cassanis Aktion für «inakzeptabel». Damit zeige der Bürgermeister nur, dass er «unfähig ist, die Probleme in seiner Gemeinde in den Griff zu bekommen».

Gegenüber 20 Minuten sagte der Bürgermeister, die abgewiesenen Asylbewerber hätten nicht bleiben wollen, sie seien freiwillig nach Mailand gereist, weil sie sich «dort bessere Chancen erhoffen».

Die Gambier sind Cassani zufolge «jetzt völlig auf sich gestellt», sagt er. Gibt er das Problem so nicht einfach weiter? Dass sie womöglich untertauchen, sei zwar ein echtes Problem – doch nicht seines, sagt Cassani. Die Verantwortung liege beim Staat. Als Politiker nicht auch bei ihm? Davon will er nichts wissen: «Diesen Männern wurde noch kein Asyl gewährt, die Anträge werden überprüft. Aber sie dürfen in Italien bleiben.»

«Würde ihm am liebsten 2000 Flüchtlinge schicken»

Cassanis Aktion sorgte unter den Bürgermeistern der benachbarten Regionen für Ärger. «Das ist eine Provokation», sagte etwa der Mailänder Bürgermeister und Sozialdemokrat Beppe Sala dem Sender TG 24. «Ich würde jetzt am liebsten 2000 Flüchtlingen ein Ticket bezahlen und sie nach Gallarate schicken. Mal schauen, was Cassani dazu meint», sagte der Mailänder Stadtrat für Sozialpolitik Pierfrancesco Majorino zu «La Repubblica».

Die Kritik beeindruckt den Bürgermeister von Gallarate nicht: «Die Asylbewerber würden sowieso sofort wieder Richtung Grossstadt abreisen.» Auch wenn er den zwölf Gambiern das Zugbillett nicht bezahlt hätte, «wären sie ohne Ticket nach Mailand gegangen», ist Cassani überzeugt.

(Quelle: Youtube/La Repubblica)

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