14.09.2020 02:44

600 Produkte werden günstigerMigros attackiert Aldi und Lidl mit Preissenkungen

Die Detailhändlerin senkt die Preise von 600 Produkten dauerhaft. Durchschnittlich werden die Artikel rund 10 Prozent günstiger. Die Migros steht wohl wegen des harten Preiskampfs der Discounter unter Zugzwang.

von
Dominic Benz, Barbara Scherer
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Bei der Migros werden 600 Produkte günstiger.

Bei der Migros werden 600 Produkte günstiger.

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Dabei sind drei Viertel der vergünstigten Artikel aus dem Food-Bereich und  ein Viertel Non-Food-Artikel.

Dabei sind drei Viertel der vergünstigten Artikel aus dem Food-Bereich und ein Viertel Non-Food-Artikel.

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Ziel der Preissenkung sei es, dass nach dem Einkauf in der Migros mehr Geld im Portemonnaie übrig bleibt.

Ziel der Preissenkung sei es, dass nach dem Einkauf in der Migros mehr Geld im Portemonnaie übrig bleibt.

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Darum gehts

  • Die Migros startet die grösste Preisoffensive der letzten Jahre.
  • 600 Produkte sind davon betroffen.
  • Drei Viertel sind aus dem Food- und ein Viertel aus dem Non-Food-Bereich.
  • Laut Detailhandelsexperte ist das eine Reaktion auf die tiefen Preise der Harddiscounter.

Der Einkauf bei der Migros soll günstiger werden: Darum senkt die Detailhändlerin die Preise von 600 Produkten dauerhaft. So kosten rote Peperoni pro Kilo statt 3.80 nur noch 3.30 Franken. Das entspricht einem Preisabschlag von über 13 Prozent.

M-Classic-Butterwaffeln werden sogar über 18 Prozent günstiger und kosten statt 2.70 nur noch 2.20 Franken. Dabei sind drei Viertel der vergünstigten Artikel aus dem Food-Bereich und ein Viertel Non-Food-Artikel. So wird beispielsweise der Preis des M-Classic-Essigreinigers Eco von 2 auf 1.75 Franken gesenkt. Über alle 600 Artikel sinken die Preise bis Ende Jahr im Schnitt rund 10 Prozent.

Migros steht unter Zugzwang

Laut Migros ist das Ziel der Preissenkung, dass nach dem Einkauf mehr Geld im Portemonnaie übrig bleibt. «Die neuen Preisabschläge sollen die Leute in ihrem Entscheid bekräftigen, dass sie zuerst an die Migros denken, wenn sie ihren Einkauf planen», sagte ein Migros-Sprecher zu 20 Minuten. War die Migros bisher also zu teuer? Davon will die Detailhändlerin nichts wissen: «Wir haben bereits letztes Jahr die Preise von zahlreichen beliebten Produkten dauerhaft gesenkt und gehen regelmässig über die Bücher», so der Sprecher.

Dass die Preise gesenkt werden, überrascht den Verhaltensökonomen Tilman Slembeck von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) nicht: Die Detailhändlerin stehe wegen des harten Preiskampfs mit Lidl und Aldi unter Zugzwang.

Mit M-Budget gegen Harddiscounter

«Die Migros muss sich wegen der Discounter immer wieder etwas anderes einfallen lassen», sagt Slembeck zu 20 Minuten. Denn die grossen Händler hätten gerade bei den Produkten für den täglichen Bedarf Marktanteile verloren. «Von den Discountern geht ein permanenter Druck aus.»

Die Migros sieht sich nicht im Nachteil gegenüber den Discountern: Das breite Sortiment der M-Budget-Linie befinde sich preislich bereits auf Harddiscounter-Niveau. Zudem werde das Sortiment der M-Budget-Produkte weiter ausgebaut. Preissenkungen sind bei der Billig-Linie zurzeit aber nicht angedacht.

Preissenkung soll aufmerksam machen

Durchschnittlich werden die Preise der 600 Produkte nun um gut 10 Prozent gesenkt. Der grösste Preisabschlag erlebt das Optigal Poulet Coquerl mit über 28 Prozent. Für Slembeck ist klar, die Migros wolle damit Aufmerksamkeit bei den Kunden erzeugen. «Eine solche Senkungsrunde soll signalisieren, dass die Migros etwas für ihre Kunden macht.»

Um Neukunden zu gewinnen, müsse die Migros breitflächig Produkte billiger machen. «Mit vereinzelten kleinen Preissenkungen kann man die Kunden, die normalerweise bei der Konkurrenz einkaufen, nicht dauerhaft in die Geschäfte locken», so Slembeck.

Umsatzstarke Produkte werden günstiger

Die Zahl an Produkten, die nun günstiger werden, dürfe man laut dem Experten nicht überbewerten. Denn in einer Migros-Filiale stehen schnell mal mehrere 10’000 Produkte in den Gestellen. «Dann sind 600 auch nicht mehr so viel», sagt Slembeck.

Es spiele vor allem eine Rolle, bei welchen Produkten die Preise fallen. Bei Gütern des Grundbedarfs seien Konsumenten prinzipiell weniger Preissensibel. Effektiv seien die Senkungen erst dann, wenn viele und umsatzstarke Produkte betroffen sind, so Slembeck.

Laut Migros gehe es nicht um Ladenhüter: «Wir fokussieren uns auf umsatzstarke Produkte, die oft und viel gekauft werden», erklärt ein Sprecher.

Mitarbeit: Sandro Spaeth

Das wird günstiger

Die Preissenkung findet laut Migros in allen Produktbereichen statt. Alle Labels seien davon betroffen – ausgenommen von M-Budget. Es handle sich dabei um den grössten Preisabschlag der letzten Jahre. Ermöglicht werde die Preissenkung in erster Linie durch interne Effizienzprogramme, heisst es auf Anfrage. Auch hätten die Ergebnisse aus den jüngeren Lieferantenverhandlungen dazu beigetragen, dass die Preise gesenkt werden konnten. Hier einige Produkte, die bis spätestens Ende Jahr günstiger werden:

Migros

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511 Kommentare
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Eugen

15.09.2020, 17:49

Die Migros verkauft kein Alkohol, das kostet Kunden. Sonst sind die Migros Eigenmarken qualitativ einiges besser, als die von der Konkurrenz.

Bilanz

15.09.2020, 07:13

Diese vorher- nachher-Preise sind doch Augenauswischerei. Hier wird nicht mit dem Preis, sondern mit einer Pseudoersparnis geworben. Und wenn der Preis runter geht, dann nicht auf Kosten des Gewinnes, den Preisdruck dürfen dann die Produzenten ausbaden. Kostendruck sollte auf die oberen Etagen ausgeübt werden, damit diese merken, dass sich nicht jeder die Gewinnangereicherten Preise leisten kann.

miker

15.09.2020, 06:34

Es geht hier um Preiserrosion, jede dieser Erosionen verursacht wieder eine Spsrmassnahme in der Löhnen, BVG oder beim Produzent. Es ist einfach eine Blechhütte wie Aldi oder Lidl hinzustellen und sich ausschliesslich um günstige Preise zu kümmern. Die meisten Produkte werden im Ausland hergestellt oder eingekauft. Die Migros und Coop probieren dies zu verhindern und angagieren sich für kulturelle uns soziale Projekte. Ich möchte auf jedenfall kein mitarbeiter oder Lieferant von diesen beiden Discounter sein.