Einkaufen 4.0: Migros bringt Produkte-Bewertung in die Läden
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Einkaufen 4.0Migros bringt Produkte-Bewertung in die Läden

Digitaloffensive bei der Migros: Nach einem Produktescan und zwei Klicks können Kunden neu sehen, wie ein Produkt bewertet wurde. Ist so viel Transparenz nicht schädlich?

von
S. Spaeth
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Die Discover-Funktion in der Migros-App erkennt das Produkt sowohl in echt als auch ab Fotos aus Aktionsinseraten. In Sekundenschnelle ist das Produkt gescannt. Dann lässt sich auswählen zwischen Bewertungen, Rezepten, Nährwerten oder sonstigen Produktehinweisen.

Die Discover-Funktion in der Migros-App erkennt das Produkt sowohl in echt als auch ab Fotos aus Aktionsinseraten. In Sekundenschnelle ist das Produkt gescannt. Dann lässt sich auswählen zwischen Bewertungen, Rezepten, Nährwerten oder sonstigen Produktehinweisen.

Die App zeigt die Anzahl Sterne sowie die  letzte Bewertung an. Wer klickt, kann auch die weiteren Beurteilungen sehen.

Die App zeigt die Anzahl Sterne sowie die letzte Bewertung an. Wer klickt, kann auch die weiteren Beurteilungen sehen.

Über die Discover-Funktion in der Migros-App gibt es auch Informationen zu Nährwerten und Allergien.

Über die Discover-Funktion in der Migros-App gibt es auch Informationen zu Nährwerten und Allergien.

Im Supermarkt hat man oft die Qual der Wahl: Genügt einzig die Edelpasta des italienischen Markenherstellers oder reicht auch das Produkt der Günstiglinie? Diese Frage stellt sich bei einer ganzen Reihe von Produkten – vom Abwaschmittel bis hin zum Toilettenpapier. Abhilfe schafft nun die neue Discover-Funktion in der Migros-App. Wer am Regal steht und sich bei den zig Sorten Schwarztee nicht entscheiden kann, öffnet die App, scannt mit der Kamera für einen Sekundenbruchteil ein Produkt und erhält dann die Bewertung in Sternen und als Text angezeigt. Die Software erkennt das Produkt sowohl in echt als auch ab Fotos aus Aktionsinseraten.

In der App sind zum Start 5000 Produkte und rund 80'000 Produktebewertungen der Migros-Dialogplattform-Migipedia hinterlegt. Zudem lassen sich Nährwertinformationen, Allergiehinweise und 2500 Rezeptvorschläge abrufen. Die Rezepte stammen von der Migros-Kochplattform Migusto, die der Detailhändler erst Mitte Februar in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Rivalen Coop lanciert hat. «Kunden müssen sich nun nicht mehr mühsam die Angaben auf den verschiedenen Migros-Plattformen zusammensuchen», sagt Migros-Marketing-Kommunikations-Chef Roman Reichelt.

Kochideen für Aktionsartikel

«Die Konsumenten haben darauf gewartet, dass die Produktebewertung auf einfache Art und Weise auch im Laden angezeigt werden kann», sagt E-Commerce-Experte und Dozent Malte Polzin. Die App sei eine gute Lösung. Aus Kundensicht sei diese Transparenz sehr wünschenswert. «Wir haben nichts zu verbergen», heisst es bei der Migros. Auch kritische Bewertungen und hohe Kalorienanzahl seien ersichtlich.

Aus Händlersicht sieht Polzin aber auch Gefahren: «Wenn die Eigenmarke massiv schlechter abschneidet als das Markenprodukt, wird es heikel», so Polzin. Weil sich das längerfristig aber ohnehin in den Verkaufszahlen niederschlage, könne der Händler schneller reagieren. Zudem begrüsst Polzin den Inspirationsaspekt der App: Man könne so beispielsweise einen Aktionsartikel aus der Werbung scannen und sich dann von Rezepten inspirieren lassen.

Kommen die Bewertungssterne ins Preisschild?

Technisch gesehen funktioniert die App über eine Bilderkennung der Produkteverpackungen. Dazu wurden die Artikel aus verschiedenen Perspektiven fotografiert. Zu den aktuellen 5000 erfassten Produkten zählen Migros-Eigenmarken, aber auch Fremdmarken. «Ziel ist es, alle 17'000 auf Migipedia bewertbaren Produkte in die App zu bringen», sagt Reichelt. Die Idee für die App – die Migros bezeichnet sie als einzigartig, hatte der Detailhändler vor rund sechs Monaten. Das ursprüngliche Ziel: Die Migipedia-Bewertungen im Laden anzeigen.

Die Discover-Funktion in der bereits 2,3 Millionen Mal heruntergeladenen Migros-App kann genutzt werden, sofern alle Updates gemacht worden sind. Ein Login ist nicht notwendig, ausser man will auf Migipedia eine Bewertung abgeben. Ist die neue Funktion in der App dennoch ein Instrument zum Datensammeln? Man zeichne zwar Daten auf, wie sich die Nutzer in der App bewegten, könne dies aber keiner Person zuordnen, heisst es auf Anfrage von 20 Minuten. Konkret gehe es drum zu erkennen, wie oft Produkte falsch erkannt wurden und daraus zu lernen.

Der E-Commerce-Experte Polzin denkt bereits über die Zukunft von Produkteerkennungs- und Bewertungsapps nach: «Smart wäre es, wenn man gleich alle Zutaten eines Rezeptes mit den richtigen Mengen für eine spezifische Personenanzahl bestellen könnte.» Zudem geht Polzin davon aus, dass Detailhändler künftig die Bewertungssterne nicht nur in einer App, sondern im elektronischen Preisschild integrieren werden.

Fotoverbot im Laden

In einigen Migros-Filialen gilt per Hausordnung ein Fotoverbot. Dieses bleibt laut Migros-Sprecher Luzi Weber «zum Schutz der anderen Kunden» auch nach der Lancierung der Discover-Fuktion in der Migros App bestehen. Das Personal würde aber dahingehend geschult, dass das Scannen von Produkten erlaubt sei. (sas)

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