20 Minuten macht den Test: Migros eröffnet schweizweit erste Filiale ohne jegliches Personal
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20 Minuten macht den TestMigros eröffnet schweizweit erste Filiale ohne jegliches Personal

In Grenchen eröffnet der erste Voi Cube der Migros – ein Laden, der ganz ohne Angestellte funktioniert. Via App können sich Kundinnen und Kunden registrieren, einkaufen und danach mittels Handsensor selbstständig auschecken. Doch wie gut funktioniert das Konzept? 20 Minuten macht den Test.

von
Lara Hofer

Der erste Voi Cube der Migros im Test.

Video: 20 Minuten

Darum gehts

  • Seit Montag kann in Grenchen SO von A bis Z selbstständig eingekauft werden.

  • Der neue Voi Cube der Migros bietet rund 500 Artikel an und funktioniert ganz ohne Personal. Er ist schweizweit der erste seiner Art.

  • Die Migros zelebriert die Neueröffnung und präsentiert ihr Konzept.

  • Bei der Gewerkschaft Unia hingegen zeigt man sich zurückhaltend. Die neusten Entwicklungen würden auch Nachteile mit sich bringen.

Das erste Migros-Geschäft, das ganz ohne Personal funktioniert, eröffnete am Montag, 1. Februar seine Tore. Zutritt zum neuen Voi Cube erhalten die Kundinnen und Kunden über einen persönlichen QR-Code, den ihnen eine App generiert. Drinnen können die Kunden ohne jegliche Personalaufsicht einkaufen und anschliessend an der Self-Checkout-Kasse bezahlen. «Über einen Handsensor innerhalb des Warenautomaten wird am Schluss die Schiebetür zum Ausgang wieder geöffnet», erklärt Andrea Bauer, Sprecherin von Migros Aare.

Der Voi Cube funktioniere demnach wie ein begehbarer Warenautomat. Er soll das Bedürfnis nach flexiblen Öffnungszeiten abdecken: «Der Laden wird rund um die Uhr geöffnet sein, auch an Feiertagen», so Bauer. Dies sei heutzutage wichtig: «Die Leute möchten ihren Alltag nicht nach Ladenöffnungszeiten ausrichten und verlangen vermehrt nach der Flexibilität, die sie bereits aus dem Online-Handel kennen.» Und genau diese Flexibilität soll ihnen das neue Konzept bieten.

Der Cube soll ergänzen statt ersetzen

Der Laden ist sehr zukunftsorientiert – braucht es da überhaupt noch gewöhnliche Filialen? Ja, sagt Andrea Bauer. «Der Voi Cube ist kein Ersatz für eine Filiale, sondern lediglich eine Ergänzung.» Die Verkaufsfläche von rund 18 Quadratmetern biete nur Platz für das Nötigste und werde keine bestehenden Filialen ersetzen können. Mit der Erst-Eröffnung in Grenchen möchte die Migros vorerst Erfahrungen zur Technologie und Funktionsweise gewinnen. «Mit diesen Erkenntnissen und dem Feedback der Kundinnen und Kunden wird der Voi Cube dann konstant verbessert.» So wird es ihn vermutlich schon bald auch an diversen anderen Standorten geben.

«Investitionen in Menschen, nicht nur in Maschinen»

Etwas kritischer eingestellt gegenüber dem neuen Konzept der Migros zeigt man sich bei der Gewerkschaft Unia, die sich branchenübergreifend für Arbeitnehmende einsetzt (siehe Box). Dass die Digitalisierung auch im Detailhandel voranschreitet, bringe zwar interessante Möglichkeiten mit sich. Dennoch gebe es auch Nachteile, so Sprecherin Leena Schmitter. «Qualifizierte Stellen im Detailhandel werden ersetzt, es werden nur noch Aushilfen zu prekären Arbeitsbedingungen beschäftigt, die die Regale auffüllen müssen, und Techniker, welche den IT-Unterhalt machen. Tiefe Löhne und zerstückelte Arbeitszeiten gehören da zum Alltag.»

Es sei deshalb wichtig, das Personal durch regelmässige Schulungen und Weiterbildungen auf die neusten Entwicklungen vorzubereiten. «Die neuen Aufgaben der Detailhändler und Detailhändlerinnen fordern ein breiteres Know-How im Bereich Informatik und Technologie sowie auch in der Kommunikation», so Schmitter. Insbesondere langjährige Mitarbeitende müssten deshalb unterstützt werden. «Es braucht Investitionen in Menschen, nicht nur in Maschinen.»

Wie gut das Konzept der Migros bei der Bevölkerung ankommen wird, sei schwer einzuschätzen. «Valora hat bereits letztes Jahr versucht, automatisierte Läden zu lancieren, doch das hat sich damals offenbar nicht bewährt», so Schmitter. Dem widerspricht Valora: Die kassenlose avec box auf dem ETH Campus Hönggerberg habe gerade während der Coronakrise grossen Kundenzuspruch erfahren, sagt Sprecherin Christina Wahlstrand: «Wir konnten die Vertragslaufzeit um ein weiteres Mal bis ins Frühjahr 2021 verlängern. Zudem hat Valora am vergangenen Wochenende am Zürcher Hardplatz einen avec 24/7 Store lanciert, der am Sonntag autonom funktioniert.»

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Der Voi Cube sieht von aussen aus wie ein grosser Container.

Der Voi Cube sieht von aussen aus wie ein grosser Container.

20min/Simon Glauser
Er ist rund um die Uhr geöffnet. Auch an den Feiertagen.

Er ist rund um die Uhr geöffnet. Auch an den Feiertagen.

20min/Simon Glauser
Um in den Shop zu gelangen, muss man sich zuerst bei der Voi Cube App registrieren. Dazu benötigt es zwingend eine ID oder einen Reisepass. Ansonsten kann die Registration nicht abgeschlossen werden.

Um in den Shop zu gelangen, muss man sich zuerst bei der Voi Cube App registrieren. Dazu benötigt es zwingend eine ID oder einen Reisepass. Ansonsten kann die Registration nicht abgeschlossen werden.

20min/Simon Glauser

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