Starker Franken: Migros-Gewinn bricht um 22 Prozent ein
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Starker FrankenMigros-Gewinn bricht um 22 Prozent ein

Wenig Freude bei Migros-Chef Herbert Bolliger: Der orange Riese musste 2011 einen Gewinneinbruch von 22 Prozent hinnehmen. Grund dafür sind Preisabschläge, Einkaufstourismus und Umsatzrückgänge im Reisegeschäft.

Schwierige Zeiten für Migros-Chef Herbert Bolliger.

Schwierige Zeiten für Migros-Chef Herbert Bolliger.

Der starke Franken und der Einkaufstourismus macht auch der Migros zu schaffen. Der orange Riese hat 2011 eine massive Gewinneinbusse hinnehmen müssen und das schlechteste Ergebnis seit sieben Jahren realisiert. Der Betriebsgewinn (EBIT) ging im Vergleich zum Vorjahr um knapp 17 Prozent auf 979 Millionen Franken zurück. Der Reingewinn der Migros-Gruppe blieb mit 659 Millionen Franken sogar rund 22 Prozent hinter dem Rekordergebnis des Vorjahres zurück, wie der Grossverteiler am Mittwoch in Zürich bekannt gab. Grund fürs schlechte Abschneiden sind unter anderem Preisabschläge, verstärkter Einkaufstourismus und währungsbedingte Umsatzrückgänge im Reisegeschäft.

Trotz unerfreulichem Resultat klopft sich der orange Riese in einem Communiqué auf die Schulter: Das Ergebnis bezeichnet der Detailhandelsgigant als «solide» und verweist auf die grossen Herausforderungen im vergangenen Jahr. Der Konzern sei den Schwierigkeiten mit Effizienzsteigerungen, Innovationen und Preissenkungen begegnet.

Der Umsatz der Migros-Gruppe verringerte sich 2011 – wie bereits im Januar bekannt gegeben – um 0,9 Prozent auf 24,9 Mrd. Franken. Im Detailhandel verzeichnete der orange Riese im Vergleich zu 2010 ein Umsatzminus von 0,7 Prozent. Da allerdings vergangenes Jahr das Preisniveau gesunken ist, errechnete die Migros ein preisbereinigtes Wachstum von 2,1 Prozent.

Umsatzeinbusse im Reisegeschäft und bei Ex Libris

Die zehn Genossenschaften als wichtigstes Standbein der Migros setzten 14,661 Milliarden Franken um, 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Umsatzeinbussen erlitten auch die Migros-Reisetochter Hotelplan (- 6,6 Prozent), die Warenhauskette Globus (-3,7 Prozent), die Interio- Möbelhäuser und -Boutiquen (-5,4 Prozent), der Buch- und CD-Händler Ex Libris (-12,0 Prozent) sowie der Internetladen LeShop.ch (-1,3 Prozent).

Die Discount-Tochter Denner verzeichnete einen stagnierenden Umsatz, derweil der Bürozubehör-Händler Office World ( 20,0 Prozent), die Mineralölgesellschaft Migrol ( 3,7 Prozent) und die deutsche Handelskette Depot ( 21,4 Prozent) Umsatzzunahmen verzeichneten.

Konkurrent Coop, der dank der Übernahme der europaweit tätigen Transgourmet die Migros umsatzmässig überholt hat, verdiente 2011 432 Millionen Franken. Das sind 8,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

$$VIDEO$$Migros-Chef Herbert Bolliger über die Machtlosigkeit gegen den Einkaufstourismus und weshalb der Detailhändler auch in Zukunft keinen Alkohol verkaufen wird. (sda)

Kein Sklave der Ratingagentur

Im Februar hat Migros der internationalen Ratingagentur Standard & Poor's gekündigt und bekannt gegeben, fortan auf deren Kreditrating zu verzichten. Offiziell begründet wurde der Schritt damals damit, dass die Migros kein internationales Rating benötige.Die wahre Begründung für die Kündigung lieferte Migros-Finanzchef Jörg Zulauf am Mittwoch nach. Die Migros lasse sich nicht zum Sklaven oder Bittgänger einer Agentur degradieren. «Es erstaunt doch sehr, wenn eine Agentur einerseits ihren Zwischenbericht im Herbst nicht macht und andererseits im Frühling nicht einmal die aktuellen Zahlen abwarten will, bis sie ein Urteil über ein Unternehmen bildet», sagte Zulauf. Ein solches Geschäftsgebaren werfe zumindest Fragen auf. Die Kreditfähigkeit der Migros wird weiterhin von vier Schweizer Banken beurteilt.

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