29.05.2015 05:27

Modernes EinkaufenMigros kombiniert Online-Shopping mit Abholstellen

Die Migros reagiert auf die neuen Einkaufsgewohnheiten: Bald können Online-Bestellungen in Läden, an Tankstellen und im Fitnesscenter abgeholt werden.

von
S. Spaeth
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Die Kanäle verschmelzen: Kunden der grossen Migros-Online-Shops wie Digitec, Ex Libris oder Le Shop können sich die bestellten Waren an insgesamt 25 Abholstellen in den Regionen Zürich und Neuenburg/Waadt liefern lassen.

Die Kanäle verschmelzen: Kunden der grossen Migros-Online-Shops wie Digitec, Ex Libris oder Le Shop können sich die bestellten Waren an insgesamt 25 Abholstellen in den Regionen Zürich und Neuenburg/Waadt liefern lassen.

Online bestellen und im Laden abholen entspricht einem Bedürfnis der Konsumenten. «Für die Kunden ist es ein Vorteil, für die Händler hingegen eine logistische Herausforderung», sagt GfK-Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener.

Online bestellen und im Laden abholen entspricht einem Bedürfnis der Konsumenten. «Für die Kunden ist es ein Vorteil, für die Händler hingegen eine logistische Herausforderung», sagt GfK-Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener.

Gaetan Bally
Bei der Migros-Elektronik-Tochter Digitec holen aktuell rund ein Drittel der Kunden die Online-Bestellungen in einer Digitec-Filiale ab. Im Bild: Digitec-Mitgründer Florian Teuteberg.

Bei der Migros-Elektronik-Tochter Digitec holen aktuell rund ein Drittel der Kunden die Online-Bestellungen in einer Digitec-Filiale ab. Im Bild: Digitec-Mitgründer Florian Teuteberg.

Gaetan Bally

Längst sind die traditionellen Händler zu Multichannel-Anbietern geworden. Will heissen: Nicht nur in den herkömmlichen Supermärkten werden die Waren verkauft, sondern auch in Online-Shops und nach Hause geliefert. Die beiden Kanäle wachsen zudem immer stärker zusammen. Waren werden online bestellt und in Verkaufsstellen des gleichen Anbieters abgeholt oder retourniert.

Weil sich die Gewohnheiten der Kunden verändern, geht die Migros in die Offensive und lanciert im Rahmen eines Pilotprojekts das Angebot PickMup (von «Pick me up» – hol mich ab). Ab kommender Woche können sich Kunden der grossen Migros-Online-Shops wie Digitec, Ex Libris oder Le Shop die bestellten Waren an insgesamt 25 Abholstellen in den Regionen Zürich und Neuenburg/Waadt liefern lassen.

Dass es sich beim Zauberwort Cross Channel Retailing um einen Trend der ganzen Branche handelt, beschreibt die Credit Suisse in einer Detailhandelsstudie so: «Die zunehmende Verknüpfung und die konzeptionelle Verschmelzung von stationären und virtuellen Einkaufskanälen fordern den Handel und treiben ihn an.»

Lieferung ins Fitnesscenter

Mit dem neuen Migros-Konzept wird es beispielsweise möglich, bei Digitec eine Kamera zu bestellen und sie sich in die nächste Migros-Filiale, den Migrolino-Tankstellenshop oder eines von zwei am Pilotprojekt teilnehmenden Migros-Fitnesscenter liefern zu lassen. Sobald die Ware am gewählten Standort eingetroffen ist, wird der Kunde per SMS oder E-Mail informiert. Bezahlt wird die Ware weiterhin im Online-Shop. Zudem ist es beispielsweise möglich, die bei SportXX zu gross bestellten Laufschuhe über einen PickMup-Standort kostenlos zu retournieren.

«Online bestellen und im Laden abholen entspricht einem Bedürfnis der Konsumenten. Für die Kunden ist es ein Vorteil, für die Händler hingegen eine logistische Herausforderung», sagt GfK-Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener zu 20 Minuten. Bei der Migros-Elektronik-Tochter Digitec holen aktuell rund ein Drittel der Kunden die Online-Bestellungen in einer Filiale ab. Verläuft die PickMUp-Testphase erfolgreich, ist es denkbar, dass die Migros das Konzept auf die ganze Schweiz ausdehnt. Rein theoretisch stehen der Migros-Gruppe rund 2000 potenzielle Abholstandorte zur Verfügung.

Für die Zustellung der Bestellung vom Lager zum PickMup-Standort arbeitet die Migros mit der Post zusammen. «Da den Kunden von den meisten Online-Shops der Migros-Gruppe eine Gratis-Heimlieferung angeboten wird, entstehen in der Logistik keine zusätzlichen Kosten», sagt Migros-Sprecher Luzi Weber. Die Lieferfristen sind je nach Online-Shop unterschiedlich – gewöhnlich aber gleich lang wie bei den Heimlieferungen.

Wie profitabel sind die Drive-in-Abholstellen?

Auch Konkurrent Coop hat sich zum sogenannten Multichannel-Anbieter entwickelt. Der Basler Detailhändler betreibt neben dcoop@home elf weitere Online-Formate, darunter jene von Interdiscount und Bau+Hobby. Vielerorts haben die Kunden die Möglichkeit, online bestellte Waren in den jeweiligen Ladenformaten abzuholen. «Wir bieten nicht nur verschiedene Distributionskanäle an, sondern verknüpfen diese auch miteinander», sagt Coop-Sprecher Urs Meier. So wird etwa über die Weinplattform Mondovino die Verfügbarkeit der einzelnen Tropfen in den Verkaufsstellen angezeigt.

Eine Kombination von Online und Offline sind auch die sogenannten Drive-in-Abholstellen, wovon Coop derzeit sechs und die Migros-Tochter Le Shop zwei betreibt. Das Konzept: Im Netz bestellen und nach zwei bis drei Stunden mit dem Auto vorfahren und die Waren einladen. Während Coop lediglich sagt, man sei mit den Drive-in-Stellen zufrieden, gibt die Migros zu, bei den Drive-Formaten noch nicht profitabel zu sein. «Es geht darum, nachzuweisen, dass in der Schweiz das Bedürfnis für ein solches Abholkonzept besteht», sagt Sprecher Weber.

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