Vorwürfe von Sprachschule : «Migros liess uns wie eine heisse Kartoffel fallen»
Publiziert

Vorwürfe von Sprachschule «Migros liess uns wie eine heisse Kartoffel fallen»

Die Migros ergatterte sich mit einer kleinen Sprachschule einen Millionenauftrag. Doch nach der öffentlichen Ausschreibung liess der Grosshändler diese fallen.

von
som
Logo der Migros-Klubschule: Wegen eines Sprachtests gibt es nun Streit.

Logo der Migros-Klubschule: Wegen eines Sprachtests gibt es nun Streit.

Digitalzh

Deutschtests für fremdsprachige Stellensuchende, damit sie im Kanton eine Arbeitsbewilligung erhalten: Das Zürcher Amt für Wirtschaft (AWA) hatte ab 2018 diesen Grossauftrag zu vergeben – mit einer Laufzeit von mindestens fünf Jahren. Gemeinsam mit der Migros-Klubschule bewarb sich die Badener Sprachschule Social Input (SI) Anfang 2017 um den Auftrag mit einem Volumen von rund 2,5 Millionen Franken.

Die kleine Sprachschule wollte der Migros als Subunternehmen ihr Fachwissen zur Verfügung stellen, die Räumlichkeiten und Lehrkräfte sollten von der Migros kommen. Nach dem Zuschlag steckte die SI einen grossen Teil ihrer Ressourcen in die Ausarbeitung des Sprachtests. Mitte 2017 teilte der Kanton aber plötzlich mit, dass das Konzept der SI den Anforderungen nicht mehr genüge und pochte auf eine Anpassung der inhaltsreichen Bedingungen. Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, konnte die SI diese aber unmöglich in der gesetzten Frist erfüllen.

Rund 100'000 Franken Schaden

Trotzdem wollten Kanton und Migros am bisherigen Kosten- und Zeitplan festhalten. Mitte Oktober erhielt die SI ein Schreiben für die gegenseitige vorzeitige Vertragsauflösung von der Migros. Für die Aargauer Schule entstand dadurch ein Schaden von rund 100'000 Franken. Zudem musste sie Personal entlassen. Der Geschäftsleiter fühlt sich hintergangen, wie er der Zeitung sagt: Der Grossverteiler habe die Sprachschule wie eine heisse Kartoffel fallen lassen.

Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, ist der AWA-Experte, der die SI-Methodik kritisierte, Professor an der Universität Leipzig. Gemäss Sitzungsprotokollen berief er sich bei seiner Kritik mehrheitlich auf deutsche Studien. Zudem habe die Migros nach der Vertragsauflösung der SI telefonisch mitgeteilt, dass sie nun mit der Uni Leipzig zusammenarbeite, sagt der SI-Geschäftsführer: Die Uni profitiere also vom Auftrag, ohne dass sie sich der öffentlichen Ausschreibung habe stellen müssen.

Weder bei der Migros noch beim AWA möchte man zu diesen Vorwürfen Stellung nehmen. Der Grossverteiler teilt nur mit, dass die Zusammenarbeit zwischen der Klubschule und der SI «einvernehmlich» erfolgt sei. Beim AWA heisst es, dass allein die Migros als Generalunternehmer für die Erfüllung hafte. Vertraglichen Verpflichtungen des AWA mit Subunternehmen von Vertragspartnern gebe es keine.

Deine Meinung