Aktualisiert 11.11.2011 11:05

Schwere Körperverletzung

Migros-Security schlägt Kunden spitalreif

Ein ehemaliger Sicherheitsangestellter der Migros wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Er hatte auf einen Kunden eingeprügelt, der vergessen hatte, einen Sack Gemüse zu wägen.

von
Attila Szenogrady

Vor dem Zürcher Bezirksgericht standen zwei Wahrheiten zur Debatte. Die erste Version lieferte die Staatsanwaltschaft, die sich auf die Darstellungen des verletzten Migros-Besuchers sowie mehrerer Augenzeugen abstützte. Fest steht, dass der Kunde aus Wallisellen am 12. Februar 2010 in den Abendstunden die Zürcher Migros-Filiale am Limmat-Platz aufsuchte und bereits nach kurzer Zeit vor der Kasse stand. Dort lud er seine Waren auf das Laufband. Abgesehen von einem Sack Gemüse, welches er vorher vergessen hatte zu wägen.

Die Nase schief geprügelt

Ein heute 30-jähriger Sicherheitsbeamter der Migros wurde auf den Sack aufmerksam und erblickte im Kunden sogleich einen mutmasslichen Dieb. Er sprach den Geschädigten an und forderte ihn auf, ihm zu folgen. Der Kunde verstand die Welt nicht mehr und protestierte dagegen. Mit massiven Folgen. So rastete der Wachmann plötzlich aus und riss den Käufer zu Boden. Dann schlug er dem wehrlos am Boden liegenden Opfer zwei Mal wuchtig ins Gesicht. Es war ein anderer Migros-Mitarbeiter, der seinen wütenden Arbeitskollegen wegriss und den Geschädigten vor weiteren erheblichen Blessuren bewahrte. Dieser hatte massive Verletzungen erlitten. Unter anderem leidet er heute noch unter seiner schief geprügelten Nase.

Notwehr geltend gemacht

Der frühere Sicherheitsangestellte aus Oberglatt musste sich am Donnerstag wegen Körperverletzung vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Wegen des Zukunftstages waren zahlreiche Kinder im Gerichtsaal anwesend. Sie wurden Zeugen, wie der Angeschuldigte zugab, dass er den Kunden geschlagen und verletzt hatte. Trotzdem verlangte er für sich einen vollen Freispruch und tischte seine Version der Ereignisse auf. Demnach habe der Kunde zuerst zugeschlagen. Er habe bloss in Notwehr gehandelt und sei völlig geschockt gewesen, sagte er aus. Zudem habe er seine Stelle nicht wegen dieses Vorfalls verloren.

Neun Monate Freiheitsstrafe gefordert

Der Rechtsanwalt des Kunden stellte sich hinter die Staatsanwaltschaft und verlangte für den bereits einschlägig vorbestraften Ex-Security eine bedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten. Zudem forderte er einen grundsätzlichen Schadenersatz sowie 8000 Franken Schmerzensgeld. Sein Mandant fühle sich seit dem Angriff immer wieder niedergeschlagen, plädierte er. «Der Beschuldigte wollte dagegen nur seinen Frust abreagieren und seine Macht auskosten», schloss er seinen Vortrag.

Nicht mehr leichtes Verschulden

Der zuständige Einzelrichter Pierre Dienst kam zu einem Schuldspruch und stützte sich dabei auf drei Zeugen ab. Keiner von ihnen habe Schläge des Kunden gegen den Wachmann wahrgenommen, sagte Dienst und schloss damit auch eine Notwehrlage aus. Er sprach von einem nicht mehr leichten Verschulden und setzte eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 80 Franken fest. Auf ein von der Anklage verlangtes Berufsverbot für die Dauer der zweijährigen Probezeit ging das Gericht allerdings nicht ein. Dafür verpflichtete es den heutigen Lageristen, dem Geschädigten ein Schmerzensgeld von 2000 Franken zu bezahlen.

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