Aktualisiert 16.06.2020 01:46

Wegen Sexismus

Migros stampft 60’000 Tragtaschen ein

Eine extra gestaltete Corona-Tasche wird der Zürcher Migros zu heiss. Dabei stecken hinter den Illustrationen drei bekannte Künstlerinnen.

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Von der Migros zurückgezogen und vernichtet: Tragtaschen mit Motiven des Ateliers Mickry 3.

Von der Migros zurückgezogen und vernichtet: Tragtaschen mit Motiven des Ateliers Mickry 3.

Mickry 3
Die Tragtaschen mit einer Frau und ihrer Katze kommen bei der Migros nicht in den Verkauf.

Die Tragtaschen mit einer Frau und ihrer Katze kommen bei der Migros nicht in den Verkauf.

Keystone/Alexandra Wey
Um in der Zeit nach dem Lockdowns die Kundschaft aufzuheitern, sollten die  Papiertaschen lustig sein.

Um in der Zeit nach dem Lockdowns die Kundschaft aufzuheitern, sollten die Papiertaschen lustig sein.

Keystone/Salvatore Di Nolfi

Darum gehts

  • Die Migros Zürich hat 60’000 Tragtaschen mit Motiven des Ateliers Mickry 3 vernichtet.
  • Die Motive seien «sexistisch», heisst es von der Migros, die die Motive zuerst gutgeheissen hat.
  • Die drei Künstlerinnen sind sauer.

Lustig sollen die Säcke sein, hiess der Auftrag der Migros an die Künstlerinnen des bekannten Trios Mickry 3. Der Auftrag flatterte zu Beginn des Lockdown ins Atelier der Zürcherinnen. Sie entwarfen eine Reihe von Zeichnungen mit einer nackten Frau und einer Katze.

Die Katze und ihr Frauchen spielten unschuldige Spiele, tranken gemeinsam Kaffee, assen Pizza und tollten herum. Nichts deutete auf das Debakel hin, das nun aber perfekt zu sein scheint: Nachdem die fertig produzierten Säcke am 25. Mai in die Migros-Filialen ausgeliefert worden waren, erfolgte bei der Migros eine jähe Kursänderung. Die Säcke wurden zurückgezogen und vernichtet, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Die Motive seien «sexistisch», beschied man den drei Künstlerinnen am Telefon.

Künstlerinnen sind sauer

Die Migros-Genossenschaft Zürich bestätigt den Vorgang. «Die von der Gruppe Mickry 3 im Auftrag gestaltete Tragtasche wurde produziert, ist jedoch nie in den Verkauf gelangt», schreibt die Presseabteilung. Das Ziel der Tragtasche sei gewesen, das Thema Covid-19 mit einem Augenzwinkern aufzugreifen. Dieses Ziel sei mit der Tasche nicht erfüllt, stellt die Migros fest – allerdings erst nach der Produktion der Taschen, schreibt der «Tagi» weiter.

Laut den der Redaktion der Zeitung vorliegenden Informationen wurden 60’000 Stück produziert. Bestätigt wird, dass die Künstlerinnen nicht in die Diskussion involviert und ihr Honorar bezahlt wurde. Zu seiner Höhe wird keine Auskunft erteilt.

«Wir sind sauer», kommentieren Mickry 3 das Vorgehen der Migros, «die Entscheidung der Kulturprozent-Chefin Gabriela Ursprung befremdet uns».

Update 16.06.2020, 11.20 Uhr: Die Migros hält fest, dass es sich um 60’000 Taschen handele. In einer ersten Version des Artikels war von 120’000 Taschen die Rede.

(chk)

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