«Heilandsack»: Migros-Tasche löst Shitstorm aus
Aktualisiert

«Heilandsack»Migros-Tasche löst Shitstorm aus

Das Fluchwort «Heilandsack» ziert zurzeit die Migros-Taschen der Regionen Zürich und Ausserschwyz – und erregt damit die Gemüter einiger Gläubiger.

von
Vroni Fehlmann

Als Werbekampagne für das Einsiedler Welttheater sind bei der Genossenschaft Migros im Raum Zürich und Ausserschwyz Tragtaschen mit dem Aufdruck «Heilandsack» im Umlauf. Das passt aber nicht allen: Eine Gruppe von Gläubigen hat eine Protestpostkarte kreiert und verteilt, wie der «Bote der Urschweiz» berichtet.

Die unbekannten Verfasser stören sich am Fluchwort «Heilandsack» und schreiben auf dieser Karte: «Als Christen werden wir dadurch aufs Tiefste in unseren religiösen Gefühlen verletzt und können eine solch empörende Art und Weise der Entehrung und Beschimpfung des allerhöchsten Namens unseres Herrn und Erlösers auf keine Weise hinnehmen. Wir fordern Sie dringend auf, dieses Projekt sofort zu stoppen. Ansonsten müssten wir wohl andere Verkaufsketten für unsere Einkäufe bevorzugen.» Die Gläubigen verteilten die Protestkarten an Bekannte, verbunden mit der Aufforderung, diese an die Migros zu schicken.

Zitate waren abgesegnet

Laut Christoph Frei, Leiter Migros-Kulturprozent Zürich, das das Welttheater sponsert, sind bereits 258 Postkarten eingegangen. Vom Protest ist er überrascht: «Die Werbe-Tragtaschen wurden vom Kloster Einsiedeln und vom Vorstand des Welttheaters abgesegnet.» Der Begriff «Heilandsack» ist eines von 17 Zitaten aus dem Theatertext, die für die Kampagne ausgewählt wurden und nun Plakatwände und Migros-Taschen zieren.

Für den Luzerner Marketingexperten Simon Albisser ist die Sache klar: «Wo provoziert wird, kann auch negative Resonanz entstehen.»

Keine Gotteslästerung

Gemäss Pater Urban Federer von der Klosterkirche Einsiedeln kommt der Begriff «Heilandsack» ursprünglich vom Ausdruck «Heiland Sakrament». Damit wandten sich früher Christen in ihrer Not an den Heiland und seine Sakramente. Ein Ursprung, der nichts mit Blasphemie zu tun habe. Deshalb sei der «Heilandsack»-Werbe-Sack auch vom Kloster abgesegnet worden.

Die Migros Zürich werde nun laut Frei jedem Beschwerdeführer einen persönlichen Brief mit einer Stellungnahme zukommen lassen, sofern die Protestkarten einen Absender haben. «Die meisten kommen von ausserhalb des Gebietes, in dem die Tragtasche verkauft wird. Die Urheberschaft des Protestes ist uns unbekannt und leider nicht eruierbar», erklärt Frei. Ein Rückzug der Taschen seitens der Genossenschaft Migros Zürich sei jedoch nicht geplant.

Deine Meinung