Brasilien will Abholzung gesetzlich fördern - Migros und Coop drohen mit Boykott
Publiziert

Regenwald-AbholzungMigros und Coop drohen Brasilien mit Boykott

In Brasilien soll ein Gesetz angenommen werden, das die Abholzung des Regenwalds weiter fördert. 40 Unternehmen warnen in einem offenen Brief – darunter auch Migros und Coop.

von
Lucas Orellano
1 / 5
Unter Jair Bolsonaro wird der Regenwald in Brasilien stark abgeholzt.

Unter Jair Bolsonaro wird der Regenwald in Brasilien stark abgeholzt.

Getty Images
Nun steht ein neues Gesetz zur Debatte.

Nun steht ein neues Gesetz zur Debatte.

REUTERS
Es wird befürchtet, dass das Gesetz zu weiteren Abholzungen führt. 

Es wird befürchtet, dass das Gesetz zu weiteren Abholzungen führt.

REUTERS

Darum gehts

  • Im brasilianischen Parlament wird bald über ein Gesetz abgestimmt, das die Abholzung des Regenwalds verstärken könnte.

  • Verschiedene europäische Firmen drohen Brasilien nun damit, in Zukunft auf brasilianische Produkte verzichten zu wollen.

  • Migros und Coop haben den offenen Brief mitunterzeichnet.

40 grosse europäische Firmen sagen Jair Bolsonaro den Kampf an: Sie publizierten am Mittwoch einen offenen Brief an die brasilianische Politik. Darunter sind international tätige Unternehmen, wie beispielsweise Tesco, Aldi und Lidl. Aber auch die Schweizer Detailhändler Migros und Coop.

Auf Anfrage von 20 Minuten sagt Coop: «Als Mitglied der Retail Soy Group engagieren wir uns seit vielen Jahren für den nachhaltigen Anbau von Soja und gegen die Abholzung sowie Umwandlung von Primärvegetation. Im Rahmen dieser Mitgliedschaft haben wir uns an dem offenen Brief beteiligt.»

Migros äussert sich wie folgt: «Der Brief entstand aus der Initiative der Organisation «Retail Soy Group», welche ja auch der Absender ist. Die Migros selber engagiert sich als Gründungsmitglied im Sojanetzwerk Schweiz bereits seit 10 Jahren für eine nachhaltig zertifizierte und abholzungsfreie Sojaversorgung der Schweiz.»

Gesetz könnte zu weiteren Abholzungen führen

«Im vergangenen Jahr haben wir eine Serie von Umständen gesehen, die zu einer extrem hohen Anzahl von Waldbränden und Abholzung in Brasilien geführt haben», heisst es im Brief, der sich an den nationalen Kongress richtet. Gleichzeitig habe man festgestellt, dass die Ziele, dies zu vermeiden, immer stärker abgeschwächt würden. Auslöser für das Schreiben ist ein Gesetz, das nachträglich die Inbesitznahme von öffentlichem Land ab 2012 legalisieren soll. Es wird befürchtet, dass das Gesetz zu weiteren Abholzungen führt.

«Wir möchten betonen, dass wir den Amazonas für einen zentralen Teil des globalen Ökosystems halten, das für die Sicherheit unseres Planeten essenziell ist, ebenso, wie ein kritischer Teil einer prosperierenden Zukunft von Brasilianerinnen und Brasilianern und der ganzen Gesellschaft», heisst es im Brief weiter.

«Müssten Zusammenarbeit überdenken»

Die Türen für eine Zusammenarbeit stünden weiterhin offen, schreiben die Unternehmen, warnen aber: «Wenn diese Massnahme verabschiedet wird, haben wir keine Wahl als unsere Unterstützung und Verwendung der landwirtschaftlichen Produktionslinie Brasiliens zu überdenken.» Sprich: Wird das Gesetz oder ein ähnliches angenommen, droht Brasilien ein Boykott von 40 europäischen Gross-Unternehmen. Die Abstimmung über das Gesetz wird für Mittwoch oder Donnerstag erwartet.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

452 Kommentare