19.03.2020 17:25

DetailhandelMigros und Coop versetzen Mitarbeiter an die Front

Die Mitarbeiter von Melectronics, Interdiscount und Co. helfen in den Supermärkten aus. Wer Angst vor Ansteckungen hat, kann sich kaum gegen die Versetzung wehren.

von
F. Pöschl
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Die Mitarbeiter von Interdiscount, Melectronics und Co. sollen in den Supermärkten von Coop und Migros aushelfen.

Die Mitarbeiter von Interdiscount, Melectronics und Co. sollen in den Supermärkten von Coop und Migros aushelfen.

Keystone/Marcel Bieri
Wegen der Zutrittsbeschränkungen müssen die Leute vor Lebensmittelgeschäften und Apotheken derzeit anstehen.

Wegen der Zutrittsbeschränkungen müssen die Leute vor Lebensmittelgeschäften und Apotheken derzeit anstehen.

SRF/Screenshot
Das musste etwa eine Leser-Reporterin aus Bern feststellen. Im Migros im Berner Lorraine-Quartier werden Kunden seit Donnerstag nur noch im Tröpfchensystem eingelassen: «Die Wartezeit war nicht besonders lang. Aber es macht einem irgendwie Angst», so die Bernerin.

Das musste etwa eine Leser-Reporterin aus Bern feststellen. Im Migros im Berner Lorraine-Quartier werden Kunden seit Donnerstag nur noch im Tröpfchensystem eingelassen: «Die Wartezeit war nicht besonders lang. Aber es macht einem irgendwie Angst», so die Bernerin.

cho

Bis 19. April bleiben wegen der Corona-Krise alle nicht versorgungsnotwendigen Läden geschlossen. Die Migros machte rund 250 Fachmärkte und Coop 700 Non-Food-Läden dicht, wie es auf Anfrage heisst.

Diese Mitarbeiter von Melectronics, Interdiscount und Co. sowie weitere Mitarbeiter aus den Büros von Migros und Coop sollen nun vor allem in den Supermärkten aushelfen, um den Ansturm zu bewältigen. Auch bei Lidl Schweiz sind es unter anderem Büromitarbeiter, die nun in den Läden tätig sind. Aldi Suisse prüft solche Massnahmen, wie es auf Anfrage heisst.

Angst vor Ansteckungen

Das passt nicht allen. Ein Lidl-Mitarbeiter sagt zu 20 Minuten, dass er sich wegen der vielen Kunden in den Läden vor Ansteckungen fürchtet. Er habe eine Familienangehörige, die zur Risikogruppe gehöre. Kadermitarbeiter könnten hingegen ins Homeoffice. Lidl schreibt 20 Minuten aber, die Unterstützung in den Filialen erfolge freiwillig und sei auch ans Kader gerichtet worden.

Was können Mitarbeiter tun, die aus Angst vor Ansteckungen auf keinen Fall im Laden arbeiten möchten? Wer zur Risikogruppe gehört, kann sich weigern, im Laden zu arbeiten, wie Thomas Geiser, Professor für Privat- und Handelsrecht an der Universität St. Gallen, zu 20 Minuten sagt. In einem solchen Fall gilt nach Ansicht von Geiser die gesetzliche Sperrfrist, die den Mitarbeiter vor Kündigungen schützt. Nachdem die Pandemie vorbei ist, könne der Arbeitgeber ihm aber kündigen.

Möglich wäre aber auch die Aushilfe in einem anderen Bereich, bei Coop ist das etwa in der Logistik oder in den Produktionsbetrieben möglich. Ist aber keine Versetzung in andere Bereiche möglich, müssen die Mitarbeiter im Laden aushelfen.

Eine Arbeitsverweigerung wäre laut Unia-Sprecherin Leena Schmitter nur erlaubt, wenn der Arbeitgeber die BAG-Hygienemassnahmen verletzt oder bei behördlichen Anweisungen.

Bei Arbeitsverweigerung droht Lohnausfall

Verletzt der Arbeitgeber Massnahmen und Anweisungen, empfiehlt Schmitter eine Dokumentation der Fälle sowie eine Benachrichtigung an die Gewerkschaft und schriftlich an den Arbeitgeber. Der Mitarbeiter soll seinem Arbeitgeber eine Frist bis zur Erledigung setzen und könne auch das Recht in Anspruch nehmen, nicht zur Arbeit zu gehen.

Wer sich der Versetzung in den Laden verweigert, hat keinen Lohnanspruch, wie Unia-Sprecherin Schmitter sagt. «Der Arbeitgeber kann die Person nach einer Verwarnung auch fristlos entlassen und sogar eine Entschädigung bis zu einem Viertel des Monatslohnes fordern», sagt sie.

Das Gespräch suchen

Der Arbeitgeber ist laut Geiser aber auch daran gehalten, auf die Angst des Mitarbeiters Rücksicht zu nehmen. «Insofern sollte der Arbeitgeber keine Disziplinarmassnahmen ergreifen, wenn der Arbeitnehmer nun aus Angst zu Hause bleibt», empfiehlt Geiser.

Er rät verängstigten Arbeitnehmern, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen und gemeinsam zu prüfen, ob Homeoffice möglich ist, ob alle Schutzvorkehrungen getroffen wurden, ob Ferien oder Überstunden in dieser Zeit bezogen werden können, oder ob die Fehlzeiten später nachgeholt werden können. Falls alles nicht möglich ist, solle der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ermöglichen, ohne Lohn zu Hause zu bleiben.

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