Aktualisiert 28.02.2020 15:44

Hamsterkäufe

Migros und Coop kämpfen online mit Lieferengpässen

Egal ob Ravioli, Tampons oder Spinat – Konsumenten räumen derzeit die Gestelle in Supermärkten leer. Auch in den Onlineshops sind viele Artikel nicht mehr verfügbar.

von
Dominic Benz
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Schweizer tätigen Hamsterkäufe, um sich auf die Ausbreitung des Coronavirus vorzubereiten (Bild: Gestelle im Coop im Seewenmarkt, Kanton Schwyz).

Schweizer tätigen Hamsterkäufe, um sich auf die Ausbreitung des Coronavirus vorzubereiten (Bild: Gestelle im Coop im Seewenmarkt, Kanton Schwyz).

Leser-Reporter
Auch bei den Onlineshops schlagen die Konsumenten mehr als sonst zu. So etwa im Leshop von Migros.

Auch bei den Onlineshops schlagen die Konsumenten mehr als sonst zu. So etwa im Leshop von Migros.

Keystone/Peter Klaunzer
Viele Produkte sind derzeit nicht mehr verfügbar.

Viele Produkte sind derzeit nicht mehr verfügbar.

Keystone/Gaetan Bally

Die Ausbreitung des Coronavirus in der Schweiz verängstigt die Bevölkerung. Bei Migros und Coop kommt es zu Hamsterkäufen. In den entsprechenden Onlineshops sind daher etliche Produkte derzeit nicht mehr verfügbar. Warnmeldungen auf den Websites weisen auf Lieferengpässe und ausgebuchte Liefertermine hin.

Die Migros ist in ihrem Onlineshop Leshop vor allem bei Büchsenravioli, Tiefkühlgemüse wie Spinat und Desinfektionsmittel ausgeschossen. Auch einzelne Reiswaffeln, Zwieback-Marken, Reissorten und Tampons gibts nicht mehr zu kaufen. Bei Coop sieht es ähnlich aus. Viele Ravioli aus der Dose sind auf Coop-at-home ausverkauft. Auch viele Frischback-Brote sind weg (siehe Bildstrecke oben).

Warnhinweise in Webshops

Auf den Webshops haben die Detailhändler Warnhinweise angebracht. So schreibt die Migros: «Aufgrund eines unerwarteten Anstiegs der Bestellungen sind bestimmte Produkte und Lieferzeiten vorübergehend nicht verfügbar.» In einem weiteren Hinweis steht: «Aufgrund vieler Bestellungen stehen nicht mehr alle Lieferdaten zur Verfügung.» Auch Coop teilt in einem Hinweis auf Coop-at-home mit: «Aufgrund von Lieferengpässen sind zurzeit überdurchschnittlich viele Produkte nicht verfügbar.»

Welche Produkte allgemein nicht mehr lieferbar sind – also auch in den Gestellen der Supermärkte fehlen – wollen die Grossisten nicht sagen. «Wir äussern uns nicht im Detail», sagt etwa Coop-Sprecherin Andrea Bergmann zu 20 Minuten. Sie betont aber, dass generelle Engpässe zurzeit kein Thema seien.

Längere Arbeitsschichten

«Vereinzelt nimmt die Nachfrage nach bestimmten Produkten zwar zu, wie beispielsweise bei Desinfektionsmitteln oder länger haltbaren Lebensmitteln», erklärt Bergmann. Man habe aber Massnahmen getroffen, um die Warenverfügbarkeit sicherzustellen. «Coop hat einen Versorgungsauftrag, den nehmen wir so wahr.» Als Konsumgenossenschaft habe Coop statutengemäss den Auftrag, die Versorgung ihrer rund 2,5 Millionen Kunden mit Gütern sicherzustellen.

Ein 20-Minuten-Leser berichtet zudem, dass wegen Hamsterkäufen in einigen Coop-Filialen der Ausnahmezustand herrscht. «In Verteilzentren von Coop wurden jetzt die Schichten verlängert, da den Filialen gewisse Produkte ausgehen», sagt er. Teilzeitkräfte müssten sich ausserdem für Einsätze am Wochenende melden. Coop wollte dies nicht kommentieren.

«Lage verlangt Sondereffort»

Die Migros hingegen bestätigt: «Die aktuelle Lage verlangt von vielen Mitarbeitenden der Migros-Gruppe einen Sondereffort ab. In unseren Verteilzentren werden die personellen Kapazitäten erhöht, um dem erhöhten Warenfluss Rechnung zu tragen», sagt Sprecher Marcel Schlatter auf Anfrage.

Die Migros verzeichne seit Anfang Woche «eine augenfällig erhöhte Nachfrage nach Gütern des täglichen Bedarfs – sowohl bei Leshop als auch in den Supermärkten». Der Zuwachs sei schweizweit feststellbar, so Schlatter. «Zuoberst auf dem Einkaufszettel stehen Konserven, Eier, Käse und Babynahrung.» Von einem Engpass könne aber noch keine Rede sein.

Definierter Notvorrat

Die Migros hat laut Schatter ein Basissortiment definiert. Dieses priorisiere man fortan bei den eigenen Produktionsbetrieben sowie in der Logistik . «Damit wollen wir eine Grundversorgung sicherstellen», erklärt der Sprecher. Es handle sich dabei um Güter des täglichen Bedarfs, die in etwa jenen des vom Bund definierten Notvorrats entsprechen (siehe Box). «Die Massnahme ist mit dem Bundesamt für die wirtschaftliche Landesversorgung abgesprochen.»

Das gehört in den Notvorrat:

Der Bund hat definiert, was in den Notvorrat gehört. Dazu gehörten in erster Linie lagerfähige Lebensmittel für rund eine Woche und 9 Liter Wasser pro Person sowie weitere Getränke. Zu den Lebensmitteln sollten etwa Reis, Teigwaren, Öl, Fertiggerichte, Salz, Zucker, Kaffee, Tee, Dörrfrüchte, Müesli, Zwieback, Schokolade, UHT-Milch, Hartkäse, Trockenfleisch und Konserven gehören. Grundsätzlich sollten die Nahrungsmittel nach den Essgewohnheiten zusammengesetzt sein. Wichtig ist auch, dass man auf Stromausfälle vorbereitet ist. Daher empfiehlt der Bund, sich Batterien, eine Taschenlampe, Kerzen, Zündhölzer und einen Gaskocher zuzulegen. Auch WC-Papier, weitere Hygieneartikel sowie persönliche Medikamente, etwas Bargeld und Futter für die Haustiere sollten auf Vorrat gekauft werden.

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