M-Budget-Plakate und -Videos: Migros verärgert Konsumentinnen und Konsumenten mit Füdli-Werbung
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M-Budget-Plakate und -VideosMigros verärgert Konsumentinnen und Konsumenten mit Füdli-Werbung

Die neue M-Budget-Werbung zeigt eine Füdlispalte. Manchen Konsumentinnen und Konsumenten geht das zu weit. Andere finden es witzig.

von
Raphael Knecht

So wirbt die Migros neuerdings für Putzmittel.

Migros

Darum gehts

  • Im neuen Werbeclip der Migros ist ein Füdli zu sehen.

  • Eine Konsumentin findet, dass das zu weit geht.

  • Die Migros ist überzeugt, dass die meisten die Werbung lustig finden.

Das Motto von M-Budget lautet: «Tiefpreis garantiert. Alles andere nicht.» Dazu hat die Migros nun eine neue Werbekampagne lanciert. Die geht einigen Konsumenten und Konsumentinnen aber zu weit: Zu sehen ist eine Füdlispalte.

Im Werbeclip (s. Video oben) werden die Preise verschiedener Reinigungsartikel eingeblendet. Auch der erste Teil des Slogans, «Tiefpreis garantiert», ist zu lesen. Dann ist zu sehen, wie ein Fenster mit dem Putzmittel gereinigt wird – das gibt den Blick frei auf eine Person, die sich im Garten nach vorne bückt, wodurch die Füdlispalte zu sehen ist. «Schöne Aussicht» sei hingegen nicht garantiert, lautet der Clou des Spots.

«Schämt euch»

Besagte Füdlispalte ist auch auf Plakaten zu sehen. News-Scout Corinne ärgert sich über den Anblick: «Irgendwann hörts doch einfach auf», sagt sie zu 20 Minuten. Auch auf Youtube gibt es einige negative Rückmeldungen: «Schämt euch», schreibt jemand.

Weniger kritisch sieht es Reputationsexperte Bernhard Bauhofer von Sparringpartners. Er empfindet die Werbung nicht als anzüglich oder beleidigend, sondern als witzig und clever. «Sie heitert auf, was gerade in der aktuell düsteren Zeit gut tut.» Zudem komme der Spot passend zum Frühjahrsputz.

News-Scout Stefan fiel die Werbung ebenfalls auf. Er findet zwar nicht, dass die Plakate zu weit gehen, fragt sich aber, ob so etwas noch zu Migros passe: «Dass von allen Schweizer Detailhändler ausgerechnet die Migros mir ein Füdli zeigt, hätte ich nicht erwartet», sagt er zu 20 Minuten.

Selbstverständlich dürfe auch die Migros freche Werbung machen, findet Marketing-Expertin Adrienne Suvada von der ZHAW. Trotzdem findet sie den Clip riskant: «Die Migros wird nicht gleich ihre Reputation verlieren, aber sie riskiert natürlich einen Shitstorm.» Die Werbung könne nicht nur negative Reaktionen auslösen, weil er die Leute peinlich berührt – ein Problem sei auch, dass man das Attribut «billig» bei den Preisen hier auch mit der dargestellten Person assoziieren könnte.

«Ein entblösster Hintern muss nicht unlauter sein»

Auf Anfrage heisst es bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission, man könne diese Werbung nicht direkt kommentieren. «Die Darstellung eines teilweise entblössten Hinterns an sich muss noch nicht unlauter sein», hält Sprecher Thomas Meier fest. Problematisch werde es erst, wenn kein natürlicher Zusammenhang mit dem beworbenen Produkt besteht, es eine unangemessene Darstellung von Sexualität ist oder die Darstellung rein dekorativ ist und nur als Blickfang dient.

Ironie und Parodie seien allerdings erlaubt und Werbung dürfe ein wenig zuspitzen. Wie es sich mit dem konkreten Werbespot von Migros verhält, müsste gemäss Meier im Einzelfall durch die Lauterkeitskommission beurteilt werden – dies würde geschehen, sofern die Kommission eine Beschwerde erhält.

Migros musste mit negativen Reaktionen rechnen

Die Migros bleibt ruhig: Der Spot spiele natürlich mit dem Überraschungselement und zeige eine Situation, «die den allermeisten von uns wohl bekannt vorkommt und ein Schmunzeln entlockt», so Sprecher Patrick Stöpper. Eine Häufung von negativen Kommentaren gebe es nicht. «Dass man nicht immer den Geschmack von allen Menschen treffen kann, ist ja bekannt.»

Suvada von der ZHAW ist allerdings überzeugt, dass man mit negativen Reaktionen rechnen musste. «Gerade in der heutigen Zeit, wo sehr viele extrem sensibel reagieren, kann das durchaus problematisch sein», so die Marketing-Expertin. Grundsätzlich liege es aber in der Natur der Sache, dass Werbung auffallen muss und auch mit negativen Emotionen spielt.

Dieses Video gehört zur gleichen M-Budget-Kampagne, ist aber weniger kontrovers.

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M-Budget

Seit 1996 grün-weisse Billig-Produkte

M-Budget ist das Discount-Label der Migros. Es wurde 1996 lanciert – auf der Website von Migros sind mittlerweile 470 Produkte unter M-Budget gelistet, von Tomaten bis zu Bratpfannen. Die kultige Billigmarke erkennt man am grün-weissen Design, das unter anderem auch auf Kleidungsstücken zu finden ist.

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