Aktualisiert 06.02.2019 08:41

Kritik auf Twitter

Migros verteidigt ihre Erdbeeren im Winter

Auch im Winter bietet die Migros Erdbeeren an. Dafür erntet der Grossverteiler im Netz viel Kritik – und schlägt zurück.

von
B. Zanni
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Als Twitter-Userin «Frau Joller» das Erdbeerangebot am Montag entdeckte, fiel sie aus allen Wolken. «Ich musste heute kurz prüfen, ob ich den Winter verpennt habe», twitterte sie.

Als Twitter-Userin «Frau Joller» das Erdbeerangebot am Montag entdeckte, fiel sie aus allen Wolken. «Ich musste heute kurz prüfen, ob ich den Winter verpennt habe», twitterte sie.

Screenshot/Twitter
Auch Familienbloggerin Rita Angelone kritisiert den Erdbeersegen im Winter.

Auch Familienbloggerin Rita Angelone kritisiert den Erdbeersegen im Winter.

Die Migros bietet von Januar bis Oktober Erdbeeren zum Verkauf an. Derzeit stammen sie laut Migros-Sprecherin Cristina Maurer aus Spanien. Zwischen Mai und August würden ausschliesslich Schweizer Erdbeeren angeboten. «Die Migros fördert eine gesunde Ernährung, und viele unserer Kunden schätzen im Winter die Abwechslung bei Früchten», begründet sie das sommerliche Angebot.

Die Migros bietet von Januar bis Oktober Erdbeeren zum Verkauf an. Derzeit stammen sie laut Migros-Sprecherin Cristina Maurer aus Spanien. Zwischen Mai und August würden ausschliesslich Schweizer Erdbeeren angeboten. «Die Migros fördert eine gesunde Ernährung, und viele unserer Kunden schätzen im Winter die Abwechslung bei Früchten», begründet sie das sommerliche Angebot.

John Shepherd

Bei Schnee und Temperaturen um den Gefrierpunkt stehen in einigen Migros-Filialen frisch geschnittene Erdbeerstücke zum Degustieren bereit. Damit preist der Grossverteiler seine «marktfrischen Erdbeeren» für 3.60 Franken an. Als Twitter-Userin «Frau Joller» das Angebot am Montag entdeckte, reagierte sie verärgert. «Ich musste heute kurz prüfen, ob ich den Winter verpennt habe. Erdbeeren? WTF? ...», macht die Kundin ihrem Unmut auf Twitter Luft. «Ein Unternehmen trägt verdammt nochmal Verantwortung! Es ist Februar! (Ja, so etwas macht mich wütend!)»

Wünsche kämen von «anderen Kunden»

Dann schaltete sich die Migros in die Diskussion ein.

Andere User leisten dem Grossverteiler Schützenhilfe. «Die Erdbeeren schmecken ausgezeichnet, hab grad kürzlich ein Birchermüesli damit gemacht. Gesunde Sache. Danke Migros», schreibt Alain Morand und wirft in die Runde: «Gibt es jemanden unter den Moralaposteln, der ausschliesslich heimische Produkte konsumiert? Eben.» Andre Seiler schätzt sich derweil glücklich über die freie Gesellschaft, in der jeder über sein Essen frei entscheiden kann.

«Nur minim schlechtere Ökobilanz»

Die Migros bietet von Januar bis Oktober Erdbeeren zum Verkauf an. Derzeit stammen sie laut Migros-Sprecherin Cristina Maurer aus Spanien. Zwischen Mai und August würden ausschliesslich Schweizer Erdbeeren angeboten. «Die Migros fördert eine gesunde Ernährung und viele unserer Kunden schätzen im Winter die Abwechslung bei Früchten», begründet sie.

Schliesslich gebe es gerade in den Wintermonaten sehr wenige einheimische Früchte. Die spanischen Erdbeeren würden ohne fossile Energien angebaut und mit dem LKW statt dem Flugzeug transportiert. «Dadurch fällt die Ökobilanz von spanischen Erdbeeren im Winter nur minim schlechter aus als jene von Schweizer Erdbeeren im Sommer.»

«Kaum jemand hat die Idee, Erdbeerkuchen zu backen»

Auch Coop hat das Angebot seit einigen Tagen im Sortiment. Mit den Erdbeeren verhalte es sich genauso wie mit Tomaten oder Zucchetti, sagt Coop-Sprecherin Andrea Bergmann. «Viele Kunden wünschen sich Abwechslung und kaufen gern auch Früchte und Gemüse, die in der Schweiz zurzeit nicht Saison haben.» Zwar erhalte Coop vereinzelt Rückmeldungen von Kunden, die das Erdbeerangebot aus Spanien als unangemessen betrachteten. «Insgesamt ist die Nachfrage nach Erdbeeren jedoch gestiegen.»

Wirtschaftspsychologe Christian Fichter zweifelt an der Nachfrage. «Im Winter hat kaum jemand gezielt die Idee, einen Erdbeerkuchen zu backen, oder wahnsinnig Lust auf frische Erdbeeren», sagt Fichter. Mit dem Angebot verlockten die Grossverteiler zu Gelegenheitskäufen. Vor allem Kunden, die sich wenig um den Klimaschutz scherten, reagierten darauf. «Sie freuen sich über die Erdbeeren im Winter und denken, dass diese auch gegessen werden müssen.» Laut Fichter haben Grossverteiler demnach ein künstliches Kundenbedürfnis geschaffen. «Sollten die Grossverteiler nächsten Winter plötzlich keine Erdbeeren mehr im Angebot haben, würde es gar niemandem auffallen.»

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