Seitenlinien-Spektakel: Miguel Herrera - der geilste Trainer der WM
Aktualisiert

Seitenlinien-SpektakelMiguel Herrera - der geilste Trainer der WM

Wenn Mexikos Coach Miguel Herrera sich aufregt, sorgt man sich um sein Herz. Wenn er jubelt, hat man Angst, dass er keine Luft mehr bekommt. Sein Lachen besitzt Schalk und Wärme.

von
Marcel Allemann

Mexikos Auftritte bereiten viel Freude. Dies liegt primär an der Mannschaft, die tollen Fussball zeigt und völlig verdient in den Achtelfinals steht. Aber für ein Spektakel sorgt auch jedes Mal ihr Trainer. Miguel Herrera geht an der Seitenlinie ab wie ein Zäpfchen, seine Gesichtsfarbe ist permament rot.

Im Vergleich zu ihm sind Challandes und Del Curto Chorknaben

Keiner kann sich derart massiv empören wie der 46-Jährige. So wie beispielsweise bei den beiden regulären Toren, die Mexiko im Startspiel gegen Kamerun (1:0) aberkannt wurden. In solchen Momenten würde man jeweils aus Sorge am liebsten zu ihm hinuntereilen und ihm ein Glas Wasser mit Herztropfen verabreichen. Aber es gibt auch keinen anderen WM-Trainer, der so enthusiastisch jubelt wie der 14-fache frühere mexikanische Nationalspieler. Diese Emotionen, denen er in solchen Momenten freien Lauf gibt - einfach wunderbar!

Beim entscheidenden 3:1-Sieg gegen Kroatien wurde er nach einem Tor im ganzen Freudentaumel sogar von Spieler Paul Aguilar zu Boden gerissen und kaum hatte sich der 168 Zentimeter kleine Trainer, der deswegen die Laus genannt wird, wieder hochgerappelt, kam schon Goalie Guillermo Ochoa angerannt und sprang ihm in die Arme. Im Vergleich zum feurigen Latino wirken die ausgeprägtesten Schweizer Trainer-Vulkane wie der frühere Super-League-Trainer Bernard Challandes oder Eishockey-Energiebündel Arno Del Curto fast wie Chorknaben.

«Hab wenigstens die Eier, es den Leuten ins Gesicht zu sagen»

«Das ist einer der glücklichsten Tage meines Lebens», erklärte Herrera am Montag nach dem Erfolg über Kroatien. «Aber es kommt noch mehr, jetzt nehmen wir Holland in den Fokus», erklärt Mexikos Nationaltrainer vor dem Duell in der K.-o.-Runde am Sonntag gegen die bislang verlustpunktlosen Niederländer. Als Spieler hatte er es nicht immer einfach. Der frühere Aussenverteidiger war umstritten und es mangelte ihm an Disziplin. Legendär ist sein Aussetzer, als er einmal einen Fotografen geschlagen hatte.

Seine grösste Enttäuschung erlebte Herrera vor der WM 1994 in den USA. Der damalige Nationaltrainer Miguel Mejia Baron gab ihm die mündliche Zusage, dass er dabei ist. Doch dann stand Herrera trotzdem nicht im Kader. Der damals 26-Jährige kochte vor Wut - aber lernte dafür fürs Leben: «Wenn du etwas zu sagen hast, dann reiss dich zusammen und hab wenigstens die Eier, Leuten ins Gesicht zu sagen, dass du deine Meinung geändert hast.» Es sind Werte der Ehrlichkeit, die Herrera auch als Trainer vorlebt. Über die Aufstellung informiert er seine Spieler stets einen Tag vor dem Match und informiert danach auch gerne die Öffentlichkeit - über Twitter. Er brachte seinen Spielern auch eine offensivere Ausrichtung bei. Sie begeistert mittlerweile nicht mehr nur in Mexiko.

Vom Interimscoach zur Dauerlösung

Trainer seines Heimatlandes ist Herrera erst seit November 2013. Damals übernahm er als Interimscoach für zwei Spiele anstelle des geschassten Victor Manuel Vucetich. Auf souveräne Weise schaffte El Tri unter ihm in den Playoffs gegen Neuseeland (5:1 und 4:2) doch noch die WM-Qualifikation und der neue Mann bekam den nächsten grossen Auftrag: die WM. Inzwischen ist man beim mexikanischen Verband von Herrera derart überzeugt, dass man schon vor dem entscheidenden Spiel gegen Kroatien verkündete, dass er in jedem Fall Nationaltrainer bleibe. Zum Glück. Denn diesen verrückten Kerl möchte man wieder sehen.

So jubelt Herrera mit seinen Spielern. (Quelle: Youtube)

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