FCL-Präsi geht: Mike Hauser: «Einmal FCL, immer FCL»
Aktualisiert

FCL-Präsi gehtMike Hauser: «Einmal FCL, immer FCL»

Am Samstag spielt der FCL das letzte Mal unter Präsident Mike Hauser. Im Abschiedsinterview zieht er Bilanz über seine Amtszeit.

von
Martin Messmer
FCL-Präsident Mike Hauser tritt ab.

FCL-Präsident Mike Hauser tritt ab.

Als bekannt wurde, dass Sie durch einen vollamtlichen Präsidenten ersetzt werden sollen, liefen die Fans Sturm – unter dem Motto «Mike muess bliibe». Warum sind Sie so populär?

Mike Hauser (42): Das müssen die Fans beurteilen. Ich habe stets den Kontakt zu verschiedenen Gruppen im Stadion gepflegt, von den Fans bis zu den VIPs. Nichts ist so heterogen wie das Publikum in einem Fussballstadion. In den zwölf Jahren hatte ich viel mit den Fans zu tun, auch als Sicherheitschef. Da ist ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis entstanden. Wenn wir mit den Fans etwas abgemacht haben, haben sich beide Parteien daran gehalten.

An Ihrem letzten Heimspiel war im Stadion ein Spruchband zu lesen: «Mike Hauser: bodeschtändig & loyal». Im Hotel Schweizerhof arbeiten Sie im Luxussegment. Warum gelten Sie dennoch als bodenständig?

Mike Hauser: Ich bin bodenständig. Auch in meinem Hotelbetrieb, wir haben überhaupt nicht das Gefühl, dass man dort nur mit Krawatte aufkreuzen sollte. Wir sind im Schweizerhof nahe am Puls der Luzerner, mit unseren Fasnachtsveranstaltungen oder dem Blue Balls. Und früher habe ich Rockmusik gemacht. Ich bin nicht von einem anderen Planeten.

Zu lesen war auch ein Transparent «Mike Hauser stark am Glas». Was hat es damit auf sich?

Mike Hauser: Nach den diversen Sitzungen mit den Fangruppierungen habe ich mit ihnen meistens auch noch ein Bier getrunken. Ich habe dieses Transparent mit einem Schmunzeln zur Kenntnis genommen.

Am letzten Sonntag wurden Sie bei Ihrem letzten Heimspiel gefeiert. Wie erlebten Sie diesen Sonntag?

Mike Hauser: Das war sehr speziell. Seit zwölf Jahren nun bin ich beim FCL. Es ist speziell, wenn man so gehen kann. Ich schätze es sehr, dass der ganze Verein an einem Strick zieht. Die Fans haben also eigentlich nicht mich, sondern uns alle im Verein gefeiert.

Bedauern Sie, bald nicht mehr Präsident des FCL zu sein?

Mike Hauser: Für mich war klar, dass ich nicht Präsident bleiben wollte, nachdem feststand, dass der Präsident hauptamtlich angestellt werden soll. Ich führe mit dem Schweizerhof einen Familienbetrieb mit einer 150-jährigen Tradition, das wollte ich nicht aufgeben.

Am Anfang Ihrer Präsidialzeit gabs für Sie etliche Baustellen. Illegale Pyros, sportliche Talfahrt, zwei Trainerentlassungen. Jetzt läufts beim FCL rund. Wie führten Sie den Turnaround herbei?

Mike Hauser: Den habe nicht ich alleine geschafft. Jeder einzelne im Verein hat mitgeholfen. Ich habe jeden einzelnen ins Boot geholt. Klar, die Trainerentlassungen waren nicht schön. Aber jetzt sind wir mit Trainer Carlos Bernegger und Sportchef Frei gut aufgestellt.

FCL-Legende Roger Wehrli bezeichnete Sie als Marionette von Walter Stierli und Bernhard Alpstaeg. Wie nahmen Sie das zur Kenntnis?

Mike Hauser: In meiner Zeit als Präsident wurde ich immer gelassener. Mit Wehrli habe ich kein Problem. Er hat mir übrigens ein schönes Abschiedsgeschenk überreicht. Als Marionette sah ich mich aber nie. Vielleicht wurde das von aussen so wahrgenommen, weil ich vieles nur intern ansprach.

Was würden Sie als Ihr grösstes Verdienst für den FCL bezeichnen?

Mike Hauser: Ich lobe mich nicht selbst. Stolz macht mich aber, dass ich schon am ersten Tag gesagt habe, dass wir alle zusammen ein starkes Team sein wollen. Und ein solches sind wir jetzt.

Was war der grösste Fehler ihrer Amstzeit?

Mike Hauser: Es gab sicher Fehler. Das gibts überall, wo gearbeitet wird. Wichtig ist, wie man aus Fehlern herauskommt. Der aktuelle Erfolg zeigt, dass wir richtig darauf reagiert haben.

Welches war für Sie der schönste Sieg, welches die bitterste Niederlage in Ihrer Präsidialzeit?

Mike Hauser: Das Aus in der Europa League gegen Genk mit den ganzen damaligen Begleitumständen. Mit einem Weiterkommen hätte der FCL anders Fahrt aufnehmen können. Ein Highlight war unser 3:0 Sieg in Basel. Aber jeder Sieg ist schön.

Unter ihrer Leitung wurden mit Yakin und Komorniki zwei Trainer entlassen. Die Entlassung der beiden Trainer kostete viel Geld. In welchem finanziellen Zustand übergeben sie den Verein an Ihren Nachfolger?

Mike Hauser: Wir haben ein schwieriges Jahr hinter uns, das Zuschaueraufkommen etwa war enttäuschend. Wichtig ist: Unsere Investoren wurden immer über den finanziellen Zustand informiert. Das Fundament aber ist da für einen nachhaltig erfolgreichen FCL.

Die «Neue LZ» berichtete, der FCL mache in diesem Kalenderjahr ein Defizit von 1,8 Millionen Franken. Können Sie das bestätigen?

Mike Hauser: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es ein Defizit geben wird. Über die Höhe zu spekulieren wäre aber hypothetisch. Es war uns bewusst, dass wir in einer Übergangssaison sind. Wir hatten viele Wechsel in leitenden Positionen, dazu sinkende Zuschauerzahlen.

Welche finanzielle und sportliche Entwicklung für die nächsten paar Jahre prognostizieren Sie dem FCL?

Mike Hauser: Wenn es der FCL schafft, innert fünf Jahren drei Mal europäisch zu spielen, wäre das genial. Vermessen wäre, jedes Jahr den FC Basel angreifen zu wollen.

Derzeit läufts sportlich rund: Der FCL kann noch Wintermeister werden und ist auch im Cup noch dabei. Wie siehts Ende Saison aus?

Mike Hauser: Ich hoffe, dass wir die aktuelle Ausgangslage nutzen. Für mich ist ein Glas immer halbvoll, nicht halbleer. Im Cupfinal haben wir gegen Basel zweimal verloren, deshalb ist es gut, dass wir nun gegen sie schon im Halbfinal spielen können. Die Rolle des Underdogs liegt uns. In der Meisterschaft wollen wir den Schwung und unseren Spirit ins neue Jahr mitnehmen. Ein Rang unter den ersten fünf liegt drin.

Der FCL hat nun seit 21 Jahren keinen Titel mehr geholt. Gibts in Ihrem Schweizerhof eine Freinacht, wenn der FCL endlich wieder mal einen Kübel holt?

Mike Hauser: Wir haben auch schon Feste geplant und sie dann nicht feiern können. Das machen wir nicht mehr. Aber logisch wird in Luzern gefestet werden, sollte der FCL wieder mal einen Titel holen.

Wie bleiben Sie dem FCL in Zukunft verbunden? Als normaler Fan?

Mike Hauser: Den Kontakt mit der FCL-Crew werde ich weiterhin pflegen. An der kommenden GV am Montag aber gebe ich alle meine Funktionen ab. Dann werde ich auf der Tribüne sitzen und die Spiele geniessen. Einmal FCL, immer FCL.

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