Aktualisiert

«Giacobbo/Müller»Mike Müller nennt Erdogan «Ziegenf***er»

Am Sonntag schossen Viktor Giacobbo und Mike Müller scharf gegen den türkischen Präsidenten. Gehen sie damit zu weit?

von
Martin Fischer

Mike Müller und Viktor Giacobbo haben längst bewiesen, dass sie in ihrer Sendung gern auch dorthin gehen, wo es ein bisschen weh tut. Auch am Sonntag wieder, gleich in den ersten Minuten der neusten Folge von «Giacobbo/Müller», in denen die beiden die Causa Böhmermann/Erdogan/Merkel noch einmal aufrollten und einordneten.

Obwohl sie grundsätzlich ja lieber über Inland-Themen reden würden, sei es doch gut, dass Erdogan nun merken müsse, das Politik und Gerichte in einer modernen Demokratie unabhängig funktionierten, das kenne er aus seiner Heimat nicht als – Zitat Müller – «Ziegenvö**er». Darauf betont Giacobbo, dass in einem laufenden Verfahren natürlich nach wie vor die Unschuldsvermutung gälte. Was Müller zur Schlussfolgerung führt: «Nur weil einer aussieht wie ein Geissenf***er, heisst das noch lange nicht, dass er ein Geissenf***er ist. Da müssen wir wirklich sauber sein.»

«Das schleckt keine Geiss weg»

Dass Böhmermann angeklagt werde, sei nun aber ein Fakt. Das schlecke keine Geiss weg, sagt Müller, «auch nicht Erdogans, und die schleckt gut.» Ein Spruch, der sitzt. Giacobbo fragt, rhetorisch: «Ist das jetzt noch Satire?»

Seit dem Fall Böhmermann ist weitläufig bekannt, dass die Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter strafrechtlich verfolgt werden kann. Giacobbo und Müller weisen in der Sendung selbst darauf hin, dass dies auch in der Schweiz der Fall ist und blenden Artikel 296 des Strafgesetzbuches auf dem Bildschirm ein, in dem dies festgelegt ist.

«Giacobbo und Müller haben freie Hand»

Machen sich die beiden SRF-Aushängeschilder mit ihren Äusserungen strafbar? Und haben die Sendungsverantwortlichen diesen Wortlaut vor der Ausstrahlung abgesegnet? Mike Müller sagt auf Anfrage von 20 Minuten: «Wir haben für unsere Sendung freie Hand.» Rolf Tschäppät, Bereichsleiter Comedy und Quiz bei SRF, bestätigt dies und ergänzt: «Natürlich war klar, dass ‹Giacobbo/Müller› dieses Thema aufgreifen würde.»

Rechtsanwalt David Gibor sagt: «Falls Erdogan oder die türkische Regierung um Strafverfolgung ersuchen, müsste der Bundesrat entscheiden, ob er der zuständigen Strafverfolgungsbehörde eine Ermächtigung zur Untersuchung erteilt.» Wie im Fall Böhmermann müsste also die Regierung eine Genehmigung erteilen. Die Chancen, dass die türkische Regierung von der SRF-Sendung erstens überhaupt etwas mitbekommen hat und zweitens rechtliche Schritte einleiten wird, kann man wohl getrost als gering einstufen.

Artikel 296 abschaffen?

In der Schweiz fordern derweil verschiedene Exponenten die Abschaffung von Artikel 296. Gibor findet das falsch: Denn der Artikel schütze die Beziehungen der Schweiz zu anderen Staaten. Es gehe in dieser Norm nicht um die Interessen des fremden Staates, sondern allein «um die Sicherheit der Schweiz, um eigene aussenpolitische Interessen, die durch die Beleidigung des fremden Staates gefährdet werden können. Ungestörte Beziehungen zum Ausland gehören zu den wichtigsten Anliegen der schweizerischen Aussen- und Neutralitätspolitik», sagt Gibor.

Hier die neuste Folge von «Giacobbo/Müller», die expliziten Worte fallen bei 1:18 und 1:46.

Deine Meinung