09.07.2014 14:07

Internet der Dinge

Mikro-Etikette soll jeden Gegenstand vernetzen

Alltagsgegenstände werden zunehmend intelligent: Bis ins Jahr 2020 werden 50 Milliarden «Dinge» online sein. Eine neue Erfindung aus Schweden könnte selbst eine Orange vernetzen.

von
tob

Vernetzte Toaster, intelligente Kühlschränke, plappernde Zahnbürsten und gar mitdenkende Häuser: Das Internet der Dinge ist auf dem Vormarsch und vernetzt immer mehr Gegenstände aus dem Alltag.

«Bis in zwei Jahren werden 75 Prozent der Menschen online und gleichzeitig etwa 6,5 Milliarden Dinge mit dem Internet verbunden sein», schreibt Stefan Ferber, Mitglied im Europäischen Internet of Things Council in einem Bericht von Bosch. Beim Internet der Dinge geht es um die Kommunikation zwischen TV und Kühlschrank, Türglocke und Stubenlampe oder den Austausch zwischen Zahnbürste und Wecker. Diese Dinge ins Internet zu bringen, ist einfach. Doch wie vernetzt man ein T-Shirt, gedruckte Magazine oder gar eine Orange?

Strom aus der Luft

Diese Objekte brauchen Bauteile, die flexibel sind und zudem ihren Strom aus der Umgebung beziehen. Schwedische Wissenschaftler haben dafür nun eine Lösung gefunden. Das Team um die Forscherin Negar Sani von der Linköping Universität hat eine Diode entworfen, die weniger als 20 Tausendstelmillimeter dick ist und mit Smartphones kommunizieren kann. Der Strom für die Diode kommt aus der Luft - von Handysignalen. «Das eröffnet neue Wege der Kommunikation, da in Zukunft ein Smartphone ausreicht, um die Etikette mit Strom zu versorgen», sagt Sani. In einem Test demonstrierten die Forscher, wie der Schaltkreis einen Mini-Bildschirm zum Laufen bringen kann.

13 Jahre hat die Forschung gedauert - ursprünglich wurde sie initiiert, um elektronische Sicherheitsmerkmale auf Banknoten anzubringen. Ein weiterer Clou: Die Elektronik kann in einer Druckerei zu einem Spottpreis hergestellt werden. «Mit der Diode könnte man sogar ein Stück Papier mit dem Internet verbinden», sagt Göran Gustafsson vom Forschungsinstitut Acreo ICT.

Milliarden «Dinge» online

Noch ist es nicht so weit. Doch Analysten prophezeien dem Internet der Dinge eine grosse Zukunft. Der Mobilfunk-Ausrüster Ericsson erwartet, dass bis ins Jahr 2020 rund 50 Milliarden Geräte miteinander verbunden sind, später sollen es einige hundert Milliarden sein. Während das mobile Internet von Firmen wie Apple, Samsung, Facebook und Google dominiert wird, haben im Internet der Dinge andere die Nase vorn. Die Investmentbank Goldman Sachs hat in einem Bericht 17 Konzerne aufgeführt, die in diesem Bereich führend sind: Auch hier steht Samsung auf Platz eins, gute Karten haben aber auch Chip-Hersteller wie Qualcomm und ARM. Mit Garmin ist in der Liste auch ein Schweizer Unternehmen vertreten. Dass der Navi-Hersteller bereits über eine Verbindung ins Auto verfügt, sieht Goldman Sachs als Vorteil. Daran arbeiten jedoch auch Apple und Google.

Derzeit fehlen noch Standards, die Geräte bereichsübergreifend miteinander kommunizieren lassen. Intel, Samsung und Dell haben darum ein Open Interconnect Consortium gegründet. Dies ist nicht der erste Versuch, einen Standard durchzusetzen. So hatten sich bereits der Chipspezialist Qualcomm und der Hersteller LG zusammengetan, um ein anderes System zu etablieren.

Mit der zunehmenden Vernetzung steigt aber auch das Risiko: Sicherheitsexperten haben Anfang 2014 herausgefunden, dass Cyberkriminelle erstmals Spam-Mails mithilfe eines Kühlschranks verschickt haben. In vernetzten Häusern gibt es zunehmend Lücken: So ist es zum Beispiel möglich über eine intelligente LED-Lampe an das WLAN-Passwort zu kommen. In einem Experiment gelang es «Forbes» gar, ein ganzes Haus zu übernehmen, das Garagentor zu öffnen und Lichter an- und abzustellen.

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