Aktualisiert 12.07.2016 10:43

Verschmutztes WasserMikroplastik in Zahnpasta soll verboten werden

Die Grünen wollen die in Kosmetika eingesetzten Plastikgranulate verbieten. Sie schädigten Natur und Mensch. Der Branchenverband widerspricht.

von
jh
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Sie sind winzig klein, farblos und von blossem Auge kaum zu sehen: kleinste Plastikteilchen von weniger als 0.3 Millimetern, wie sie in vielen Pflegeprodukten enthalten sind. Sie kommen in Peelings und Duschgels zum Einsatz, aber auch in Zahnpasten, wo sie die Zähne aufhellen sollen.

Sie sind winzig klein, farblos und von blossem Auge kaum zu sehen: kleinste Plastikteilchen von weniger als 0.3 Millimetern, wie sie in vielen Pflegeprodukten enthalten sind. Sie kommen in Peelings und Duschgels zum Einsatz, aber auch in Zahnpasten, wo sie die Zähne aufhellen sollen.

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Dem Zürcher Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne) ist dies ein Dorn im Auge: In einem parlamentarischen Vorstoss fordert er den Bundesrat auf, Plastikgranulate in Körperpflegeprodukten zu verbieten. Die winzigen Partikel seien eine Bedrohung für Mensch und Umwelt, heisst es im Motionstext.

Dem Zürcher Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne) ist dies ein Dorn im Auge: In einem parlamentarischen Vorstoss fordert er den Bundesrat auf, Plastikgranulate in Körperpflegeprodukten zu verbieten. Die winzigen Partikel seien eine Bedrohung für Mensch und Umwelt, heisst es im Motionstext.

Keystone/Lukas Lehmann
Gefährdet sei so auch der Mensch, der den mit Schadstoffen belasteten Fisch wieder konsumiere. Ein Verbot sei zudem unproblematisch, «da es ökologisch abbaubare und umweltverträgliche Produkte gibt - zum Beispiel Granulat aus Baumnussschalen -, um die Mikroplastik-Teile in Kosmetika zu ersetzen», schreibt Glättli.

Gefährdet sei so auch der Mensch, der den mit Schadstoffen belasteten Fisch wieder konsumiere. Ein Verbot sei zudem unproblematisch, «da es ökologisch abbaubare und umweltverträgliche Produkte gibt - zum Beispiel Granulat aus Baumnussschalen -, um die Mikroplastik-Teile in Kosmetika zu ersetzen», schreibt Glättli.

Keystone/Christian Beutler

Sie sind winzig klein, farblos und von blossem Auge kaum zu sehen: kleinste Plastikteilchen von weniger als 0.3 Millimetern, wie sie in vielen Pflegeprodukten enthalten sind. Sie kommen in Peelings und Duschgels zum Einsatz, aber auch in Zahnpasten, wo sie die Zähne aufhellen sollen.

Dem Zürcher Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne) ist dies ein Dorn im Auge: In einem parlamentarischen Vorstoss fordert er den Bundesrat auf, Plastikgranulate in Körperpflegeprodukten zu verbieten. Die winzigen Partikel seien eine Bedrohung für Mensch und Umwelt, heisst es im Motionstext.

«Mensch am Ende der Nahrungskette»

Wie Glättli in einem Blog schreibt, werden die Plastikgranulate von den Kläranlagen nicht vollständig herausgefiltert – und gelangen so in unsere Flüsse, Seen und Meere. Das Problem: «Aufgrund seiner wasserabweisenden Oberfläche zieht Mikroplastik Schadstoffe an und lagert diese an der Oberfläche ab.» Die Partikel würden dann samt Schadstoffen von den Wasserorganismen aufgenommen – darunter Fische, Muscheln und Seehunde.

Gefährdet sei so auch der Mensch, der den mit Schadstoffen belasteten Fisch wieder konsumiere. Ein Verbot sei zudem unproblematisch, «da es ökologisch abbaubare und umweltverträgliche Produkte gibt – zum Beispiel Granulat aus Baumnussschalen –, um die Mikroplastik-Teile in Kosmetika zu ersetzen», schreibt Glättli.

«Branchenverband sieht kein Problem»

Auch Bernhard Wehrli, Professor für aquatische Chemie am Departement für Umweltwissenschaften der ETH, sagt, die Verwendung von Mikroplastik durch die Industrie sei unnötig und nicht unproblematisch: «Produkte sollten generell biologisch abbaubar sein.» Dass die Mikroganulate jedoch Menschen gefährden, sei nicht bewiesen.

Die Mikroplastik-Partikel könne man als eine Art unverdauliche Ballaststoffe betrachten. «Sie werden von den Organismen nicht verwertet und einfach wieder ausgeschieden.» Ein Verbot sei nicht nötig, wohl aber eine Diskussion darüber, wie man die Plastikgranulate durch biologische Varianten ersetzen könnte. In der EU werde dies schon länger diskutiert.

Bernard Cloëtta, Direktor des Schweizerischen Kosmetik- und Waschmittelverbandes, sieht keinen Grund, kurzfristig auf Mikroplastik zu verzichten: «Die in den Kosmetikprodukten eingesetzten Mengen an Plastikgranulaten sind minimal.» Der ganze Plastik in den Gewässern stamme daher nur zu einem verschwinden kleinen Teil aus Cremen oder Zahnpasten.» Auch gäbe es keine hieb- und stichfesten Belege dafür, dass sie für den Menschen und die Umwelt wirklich gefährlich seien. «Da gibt es ganz andere ökologische Probleme wie Mikroganulate.» Diese zu verbieten, ohne eine gesamteuropäische Regelung abzuwarten, würde denn auch keinen Sinn machen, «sondern durch die entstehenden Handelshemmnisse nur den Schweizer Herstellern schaden».

Mikroplastik in den Schweizer Gewässern

Aus einer Studie der Universität Basel geht hervor, dass der Rhein weltweit zu den am stärksten mit Mikroplastik belasteten Gewässern gehört. Im Schnitt fanden die Forscher zwischen Basel und Rotterdam 4'960 Plastikpartikel pro Kubikmeter. Eine im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) erstellte Studie zeigte dabei, dass auch im Genfersee, Bodensee, Neuenburgersee, Lago Maggiore, Zürichsee und Brienzersee Mikroplastik-Partikel nachzuweisen sind. Laut Barbora Neveril, Mediensprecherin des BAFU, gibt es bisher keine Hinweise auf nachteilige Einwirkungen des Miktroplastik auf die Lebewesen in den Schweizer Gewässern – oder die Gesundheit des Menschen.

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