Aktualisiert 17.06.2011 11:19

«Werbelüge»Milchschnitte bekommt Schmähpreis

Ein Snack steht am Pranger. Die Konsumentenschützer von Foodwatch haben der Milchschnitte den Schmähpreis für die dreisteste Werbelüge 2011 verliehen.

von
Sandro Spaeth
Unrühmlicher Award für Ferrero. (Bild: Foodwatch)

Unrühmlicher Award für Ferrero. (Bild: Foodwatch)

Angepriesen wird die Milchschnitte als «leichte» Zwischenmalzeit – als Werbepartner nützt man Sportler, darunter die deutschen Extremkletterer Alexander und Thomas Huber. Dabei ist der Snack eine Kalorienbombe: Eine Milchschnitte besteht zu je rund 30 Prozent aus Fett und Zucker – pro 100 Gramm hat der Snack einen Brennwert von 1750 Kilojoule (420 kcal). Die deutsche Konsumentenorganisation Foodwatch verleiht der Zwischenmahlzeit aus dem Hause Ferrero darum den «goldenen Windbeutel», den Schmähpreis für die dreisteste Werbelüge 2011.

«Die Milchschnitte enthält mehr Kalorien als eine Schoko-Sahnetorte. Darum täuschen die Ferrero-Manager ihre Kunden nach Strich und Faden, wenn sie ein solches Produkt als sportlich-leichte Zwischenmahlzeit anpreisen», kritisiert Foodwatch-Kampagnenleiterin Anne Markwardt. Auf Anfrage von 20 Minuten Online verteidigt sich Ferrero: Man sei weiterhin der Meinung, dass Sport und Ernährung zusammengehören.

Activa auf Rang zwei

Zustande gekommen ist der «Sieg» der Milchschnitte über eine Wahl im Internet, an der sich 117 000 Personen beteiligten. 51 000 stimmten für den Milch-Snack, was rund 43 Prozent der Stimmen entspricht. Auf Rang zwei wählten die Konsumenten das Danone-Joghurt Activia. Hier kritisieren die Konsumentenschützer, dass Danone Activia als Wunderwaffe gegen allerlei Verdauungsbeschwerden anpreist. Auf Rang drei liegen die Bonbons «nimm2». Der Kritikpunkt: Man suggeriere mit dem Namen, «nimm2» sei die gesündere Süssigkeit.

Mit dem Schmähpreis will Foodwatch gemeinsam mit den Konsumenten Druck auf die Lebensmittelindustrie ausüben, damit diese die «irreführenden Werbepraktiken» aufgibt.

Hunderte von Gratulationen

Über die Webseite von Foodwatch können die Konsumenten Ferrero dieser Tage mit einem E-Mail-Brief zum «Sieg» gratulieren. Bisher haben vom Angebot rund 1500 Personen Gebrauch gemacht. Im Schreiben an Ferrero heisst es etwa: «Sie haben es in der Hand, die Milchschnitte zu einem ehrlichen Produkt zu machen. Bewerben Sie die Milchschnitte als das, was sie ist – als Süssigkeit. Auch die Extremkletter, die Gebrüder Huber, erhalten in diesen Tagen viel Post. Von jedem «Gratulationsbrief» an Ferrero erhalten die Aushängeschilder der Michschnitte-Kampagne eine Kopie.

Ihre Werbung wird Ferrero trotz Schmähpreis und E-Mail-Flut so schnell nicht ändern. «Wir können den Vorwürfen von Foodwatch keinesfalls zustimmen», heisst es beim Hersteller. Die eigenen Marktforschungsstudien hätten keine Hinweise darauf gegeben, dass die Konsumenten die Werbung als irreführend empfinden würden. Den unrühmlichen Award will Ferrero darum nicht annehmen.

Milliardenumsätzte mit Kindersüssigkeiten

Der Hersteller der Milchschnitte, das italienisch-luxemburgische Unternehmen Ferrero, machte im Geschäftsjahr 2009/2010 einen Umsatz von 6,6 Milliarden Euro. Neben der Milchmalzeit vertreibt Ferrero vor allem bei Kindern beliebte Süsswaren; darunter Hanuta, Duplo, Maxi King und Nutella.

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