Aktualisiert

Taxilenkerin überfallenMilde Geldstrafe für Jungkriminellen

In Luzern hat ein Jugendlicher nicht nur eine Taxifahrerin überfallen, sondern auch einen unschuldigen Luzerner als angeblichen Mittäter bei der Polizei angeschwärzt.

von
Attila Szenogrady

Von hinten attackiert

Es war in der Nacht auf den 15. Februar 2010, als sich für die Geschädigte das Leben veränderte. Eine Stunde nach Mitternacht liess sie am Schwandenplatz drei junge Leute in ihr Taxi einsteigen und fuhr danach zur Steinhofstrasse. Dort sollte einer der Fahrgäste bezahlen. Doch es kam anders: Plötzlich packte der auf dem Rücksitz befindliche Täter die Lenkerin von hinten am Halsbereich und forderte seine Kollegen auf, ohne zu zahlen das Weite zu suchen. Als das Opfer zu schreien begann, rannten die Jugendlichen davon. Auch der heute 19-jährige Haupttäter, der mit einem Baseball-Schläger bewaffnet war. Kurz darauf schaltete die überfallene Frau die Polizei ein.

Falsche Anschuldigung

Die Angeschuldigten wurden von der Luzerner Polizei schon bald festgenommen. Dabei kam heraus, dass der junge Mann mit dem Baseballschläger aus Zürich angereist war. Er gab einen in Luzern wohnhaften Brasilianer als Mittäter an. Worauf der heute 20-jährige Südamerikaner ebenfalls als mutmasslicher Taxi-Räuber verhaftet wurde. Allerdings zu Unrecht. So ergaben die Ermittlungen, dass der Zürcher gelogen und seinen Bekannten aus unbekannten Gründen falsch beschuldigt hatte.

In Abwesenheit verurteilt

Im letzten Oktober sollte sich der grundsätzlich geständige Zürcher wegen falscher Anschuldigung, Nötigung der Taxilenkerin, Widerhandlung gegen das Waffengesetz sowie Drogendelikten vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Allerdings glänze der Schweizer Staatsangehörige türkischer Abstammung durch unentschuldigte Abwesenheit.

Das Gericht fällte deshalb sein Urteil aufgrund der Akten und konnte nun seinen Entscheid eröffnen. Demnach wurde der Ersttäter antragsgemäss für schuldig befunden und zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 10 Franken sowie 500 Franken Busse verurteilt. In den schriftlich begründeten Erwägungen ist von einem nicht mehr leichten Verschulden des arbeitslosen Täters die Rede. Trotzdem fiel die Strafe aufgrund des Geständnisses verhältnismässig milde aus. Am meisten schmerzen dürften ihn die ihm auferlegten Gerichtskosten von über 4000 Franken.

1000 Franken Schmerzensgeld

Weniger zufrieden wird die Taxilenkerin sein. Sie hatte aufgrund der Tatfolgen ein Schmerzensgeld von 20 000 Franken verlangt. Das Gericht sprach ihr eine Genugtuung von lediglich 1000 Franken zu. So habe der Täter die Geschädigte nur kurz berührt, wobei diese dadurch keinerlei körperliche Schäden erlitten habe, schrieb die zuständige Einzelrichterin dazu.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.