Aktualisiert 31.03.2007 08:14

Milde Strafe für australischen Taliban

Der Australier David Hicks ist im ersten Prozess gegen einen Häftling des Gefangenenlager Guantanamo vor einem der neu geschaffenen US-Militärtribunale wegen Unterstützung von Terroristen zu neun Monaten Haft in seiner Heimat verurteilt worden.

Die Strafe für Hicks, der seit fünf Jahren inhaftiert ist, fiel deutlich niedriger aus als die von den Offizieren des Tribunals vorgeschlagenen sieben Jahre. Grund war eine geheime Vereinbarung mit dem Gericht.

Sein Vater Terry Hicks zeigte sich in Australien zwar erleichtert über das niedrige Strafmass, er kündigte aber an, weiter gegen die Behandlung seines Sohns in dem Gefangenenlager vorgehen zu wollen.

Hicks hatte sich der Unterstützung von Terroristen schuldig bekannt, um nach dem Urteil in sein Heimatland abgeschoben zu werden. Er schien erleichtert, als Richter Ralph Kohlmann in Guantanamo das Urteil verkündete. Gefragt, ob das Urteil so ausgefallen sei, wie es ihm gesagt worden sei, sagte Hicks: «Ja, das war es.»

Im Gegenzug hatte Hicks sich bereit erklärt, jegliche Misshandlungsvorwürfe gegen die US-Regierung fallen zu lassen. Terry Hicks zeigte sich überzeugt, dass er nur freikommt, weil er schriftlich versicherte, dass er nicht misshandelt wurde. «Aber wir wissen, dass er es wurde», sagte Terry Hicks. «Und ich werde dieses Thema weiterverfolgen.»

Die USA haben zugestimmt, dass Hicks innerhalb von 60 Tagen nach der Verkündung des Strafmasses nach Australien zurückgebracht wird, wo er seine Haftstrafe verbüssen soll. Ursprünglich drohte Hicks lebenslange Haft. Nach seinem Schuldeingeständnis hatte die Offiziere des Tribunals dann nach zweistündiger Beratung sieben Jahren Haft vorgeschlagen. Bürgerrechtler halten die Militärtribunale für illegal, da sie den Beschuldigten nicht die gleichen Rechte gewähren wie ordentliche Gerichte.

In einer von seinem Anwalt, Major Michael Mori, verlesenen Erklärung entschuldigte sich Hicks für seine Handlungen. Mori beschrieb Hicks als unreifen Abenteurer, der vergeblich versuchte, in die australische Armee zu kommen, dort aber wegen seiner mangelnden Bildung abgelehnt wurde. «Er entschuldigt sich bei seiner Familie, er entschuldigt sich bei Australien und er entschuldigt sich bei den Vereinigten Staaten», sagte Mori, der für 20 Monate Haft plädiert hatte.

Hicks wurde im Dezember 2001 in Afghanistan gefangen genommen und Anfang 2002 nach Guantanamo gebracht. Ihm wird vorgeworfen, Al-Kaida-Ausbildungslager in Afghanistan besucht und kurze Zeit an der Seite der Taliban gekämpft zu haben. (dapd)

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