Aktualisiert

Dörflingen SHMilde Strafe nach wilder Verfolgungsjagd

Ein drogenabhängiger Restaurator hat in Schaffhausen ein Motorrad gestohlen und damit der Polizei trotz der auf dem Rücksitz befindlichen Freundin eine wilde Verfolgungsjagd geliefert. Vor Gericht kam der inzwischen schwer erkrankte Täter mit einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 20 Franken sowie 300 Franken Busse davon.

von
Attila Szenogrady

Es war mitten am Nachmittag, als am 6. Juli 2009 einer Schaffhauser Polizeipatrouille auf der Ebnatstrasse ein als gestohlen gemeldetes Motorrad auffiel. Als die Verkehrsbeamten den Lenker und seine auf dem Rücksitz befindliche Freundin kontrollieren wollten, drückte der verdächtige Mann auf das Gaspedal und brauste in Richtung Waldfriedhof davon. Es sei wie im Roulette gewesen, erinnerte sich der heute 44-jährige Restaurator während der Untersuchung zurück. Rot oder schwarz. Er habe sich für rot entschieden und sei geflohen, sagte er aus. Kurz vor der Fahrt hatte er noch Heroin und Kokain konsumiert.

Beinahe Fussgängerinnen angefahren

Sicher ist, dass danach eine wilde Verfolgungsjagd über Stock und Stein folgte. Zunächst raste der Beschuldigte durch die 30er-Zone der Birkenstrasse und missachtete dabei mehrmals den Rechtsvortritt. Danach setzte er alles auf eine Karte und fuhr über die Stimmerstrasse trotz Fahrverbot in den Wald hinein. Auf dem Vitaparcours-Weg hatten mehrere Fussgängerinnen Glück im Unglück. Bei zwei Vorfällen konnten sie sich vor dem heranfahrenden gerade noch in ein Gebüsch retten.

Dann blochte der Drogenkonsument zurück in Richtung Ebnatstrasse, wo er bei einer Baustelle eine Fahrzeugkolonne überholte und danach über ein Trottoir fuhr. Die wilde Flucht endete erst auf einem Radweg auf der Fulachstrasse, wo er sich seinen Verfolgern ergab. Seine Freundin war mit dem Schrecken davon gekommen.

Heute schwer erkrankt

Am Dienstag musste sich der bereits mehrfach vorbestrafte Verkehrssünder vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Wegen Entwendung, Fahrens trotz Entzug, groben Verkehrsdelikten sowie Fahrens in fahrunfähigem Zustand verlangte die zuständige Staatsanwältin eine hohe, unbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten.

Allerdings hatte die Anklägerin einen schweren Stand. So präsentierte sich vor den Schranken nicht mehr der waghalsige Raser aus dem Sommer 2009. Vielmehr war ein schwer erkrankter Mann erschienen. Er konnte sich kaum auf den Beinen halten und der Verhandlung nur mit Mühe folgen. Die einfühlsame Befragung des Gerichtsvorsitzenden ergab, dass der Mann aus Dörflingen nicht nur an epileptischen Anfällen leidet, sondern auch an Hepatitis C und inzwischen auch an Aids erkrankt ist. Er rechne nicht mehr damit, das Ende dieses Jahres zu erleben, sagte er. Er lebt heute wieder bei seinen Eltern und bezieht Sozialhilfe.

Der Verteidiger verwies dabei auf eine grosse Strafempfindlichkeit seines Mandanten und setzte sich deshalb für eine milde Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 20 Franken ein. Die Schuldpunkte focht der Anwalt nicht an.

Geld – statt Freiheitsstrafe

Das Gericht folgte im Wesentlichen der Verteidigung und verzichtete auf eine Freiheitsstrafe. Stattdessen setzte es eine unbedingte Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 20 Franken sowie eine Busse von 300 Franken fest. Die Kosten der Untersuchung und des Verfahrens wurden abgeschrieben. Einen Aufenthalt im Gefängnis stuften die Richter als nicht mehr sinnvoll ein.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.