Mildere Strafe für Sexualtäter

Aktualisiert

Mildere Strafe für Sexualtäter

Ein Sexualtäter, der eine Tramchauffeuse während der Fahrt angegriffen hatte, ist vor dem Baselbieter Kantonsgericht mit einer milderen Strafe davon gekommen.

Er muss weniger lang ins Gefängnis, und sein Landesverweis wird zur Bewährung ausgesetzt. 1999 hatte er als 19-Jähriger auf nächtlicher Fahrt von Pratteln stadtwärts die Frau aus dem Führerstand gezerrt, sie gewürgt und ihr die Hosen heruntergerissen. Später hatte er noch eine weitere Frau angegriffen. Der Tatablauf war unbestritten; der Mann machte indes vor Gericht Gedächtnislücken geltend und räumte Kokainkonsum ein.

Das Baselbieter Strafgericht hatte die Tat vor Jahresfrist als vollendete und versuchte sexuelle Nötigung sowie Gefährdung des Lebens gewertet. Es verhängte eine Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahre Gefängnis und verwies den Mann, der als etwa Zehnjähriger aus Mazedonien in die Schweiz gekommen war, für zehn Jahre des Landes.

Das Kantonsgericht hat am Dienstag das Urteil des Strafgerichts teilweise korrigiert. Auch die zweite Instanz hält beim Angriff im 14er-Tram die sexuelle Nötigung für bewiesen, erkennt aber anders als die erste «keine Beischlaf-ähnliche Situation». Seine die Opfer belastenden Aussagen seien aber «nicht schlüssig», ja «absurd».

Akute Lebensgefahr unbewiesen

Freigesprochen wird der Mann aber vom Anklagepunkt der Gefährdung des Lebens, wie die Gerichtspräsidentin bei der Urteilsbegründung ausführte. Dazu lägen trotz medizinischem Gutachten zu wenig gesicherte Beweise vor. Dennoch wiege das Verschulden schwer; das Opfer habe Todesangst ausgestanden.

Der Verurteilte bekomme zudem mit dem bedingten Landesverweis eine «Chance», weil er die Hälfte seines Lebens hier verbracht habe- daheim seien die Resozialisierungschancen kleiner. Er hatte indes schon als Jugendlicher mit der Justiz zu tun gehabt. Derzeit läuft noch ein Verfahren gegen ihn wegen Geldautomaten-Knackereien.

Strafmildernd wirkt sich unter anderem ein psychologisches Gutachten aus: Dem heute 25-Jährigen, der bei den Eltern wohnt und wieder eine Stelle gefunden hat, wird eine Persönlichkeitsstörung mit dissozialen Zügen attestiert. Er habe immerhin selber eine ambulante Psychotherapie begonnen.

(sda)

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