Aktualisiert 13.01.2014 14:52

Schenkkreis-MordeMildere Strafe für Täter?

Das Solothurner Obergericht muss sich mit dem Schenkkreismord von Grenchen befassen. Die drei Angeklagten wurden in erster Instanz zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Vor dem Obergericht Solothurn hat am Montagmorgen der Appellationsprozess im Dreifachmord von Grenchen im Juni 2009 begonnen. Als erster der drei Tatbeteiligten wurde der 28-jährige ungelernte Koch vernommen.

Die Befragung drehte sich um die schwierige Jugend, die abgebrochenen Lehren und um die Tat. Der Mann konnte sich nicht mehr an alle Details und die Vorbereitungshandlungen erinnern, obwohl er nach der Tat die Abläufe zunächst klar geschildert hatte.

Auf Fragen des Gerichts, warum er dann zielgerichtet vorgegangen, bei der Ausführung der Morde mitgeholfen und danach wieder normal funktioniert habe, suchte der Mann jeweils lange nach Antworten.

Angeklagte fordern Reduktion der Strafen

Die drei Angeklagten fechten vor Obergericht die erstinstanzlichen Urteile teilweise oder ganz an. Der ungelernte Koch fordert einen Freispruch beim Anklagepunkt der Vorbereitungshandlung zu Raub und Mord sowie eine entsprechende Reduktion der Strafe auf 12 bis 18 Jahre.

Der ehemalige Spitzensportler verlangt eine Reduktion des Strafmasses. Die verurteilte, ebenfalls mitbeteiligte Frau akzeptierte die rechtliche Würdigung des Amtsgerichtes nicht und macht einen anderen Sachverhalt geltend. Sie fordert einen vollständigen Freispruch.

Mit Plastiksäcken erstickt

Der Dreifachmord von Grenchen SO hatte sich im Juni 2009 ereignet. Ein 60-jähriger Mann wurde mit einem Kopfschuss niedergestreckt. Seine 55-jährige Ehefrau und die 35-jährige Tochter wurden mit Plastiksäcken erstickt.

Die drei Beschuldigten erhofften sich bei der in Schenkkreise verwickelten Familie in Grenchen SO fette Beute. Alle drei hatten sich selber an Schenkkreisen beteiligt. Sie fanden bei der Familie jedoch lediglich 5000 Franken, 600 Euro, Modeschmuck und vier Uhren. (sda)

Befangenheitsantrag zurückgewiesen

Der Antrag der an der Tat mitbeteiligten Frau, das Urteil der ersten Instanz wegen Befangenheit des damaligen Gerichtspräsidenten aufzuheben, wurde vom Gericht vorerst abgelehnt. Präsident der ersten Instanz, des Amtsgerichts Solothurn-Lebern, war im Mai 2012 François Scheidegger. Im Jahr nach dem Prozess stieg Scheidegger für die FDP im Kampf gegen Amtshinhaber Boris Banga (SP) um das Grenchner Stadtpräsidium in den Ring. Scheidegger konnte nach zwei Wahlgängen Banga knapp aus dem Amt drängen.

Scheidegger sei es beim ersten Prozess in erster Linie nicht um ein faires Urteil gegangen, sondern er habe sich damit eine Plattform für seien Wahlkampf aufbauen wollen, sagte der Verteidger der am Dreifachmord mitbeteiligten Frau.

Scheidegger sei sich bewusst gewesen, dass es im Kampf um das Grenchner Stadtpräsidium knapp werde. Er wäre nicht Stadtpräsident von Grenchen geworden, wenn der Prozess einen anderen Ausgang genommen hätte, sagte der Verteidiger weiter. Zudem habe Scheidegger seine Klientin vorverurteilt.

Das Obergericht wies den Antrag vorerst zurück. Es will den Antrag im Rahmen der Gesamtbeurteilung am Schluss behandeln. (SDA)

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