Au ZH: Milderes Urteil für Messerstecher

Aktualisiert

Au ZHMilderes Urteil für Messerstecher

Ein alkoholabhängiger Wädenswiler türkischer Herkunft hat nach einem Streit einen Landsmann niedergestochen und erheblich verletzt. Am Dienstag kam der Täter mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten davon.

von
Attila Szenogrady

Es war in der Nacht auf den 29. März 2010, als ein angetrunkener Wädenswiler anatolischer Abstammung das Vereinslokal des Türkischen Vereins Wädenswil aufsuchte und mit einigen Landsleuten Poker spielen wollte. Allerdings vergeblich. So sprach sich ein Türke aus Schindellegi gegen den späten Gast aus und wollte ihn vom Kartenspiel ausschliessen.

Stich in den Oberbauch

Fest steht, dass sich der heute 35-jährige Beschuldigte aus Au über die Zurückweisung massiv aufregte und den Pokerspieler zu beschimpfen begann. Dieser ging danach zum Angriff über, packte den berauschten Besucher am Kragen und schubste diesen beim Ausgang des Lokals zu Boden. Da zückte der Angeschuldigte plötzlich ein Klappmesser, verfolgte seinen Gegner und versetzte ihm einen sieben Zentimeter tiefen Stich in den Oberbauch. Erst danach konnte ein weiterer Türke den Messerstecher entwaffnen. Er wurde wenige Stunden später von der Polizei verhaftet.

Das heute 43-jährige Opfer hatte Glück im Unglück. Es kam mit erheblichen, aber nicht lebensgefährlichen Verletzungen davon.

30 Monate unbedingt in Horgen

Im April 2011 musste sich der alkoholabhängige Vater zuerst am Bezirksgericht Horgen verantworten. Er machte damals vergeblich eine fahrlässige Tatbegehung sowie Notwehr geltend. Er wurde wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt. Während des Strafvollzugs ordnete das Gericht eine ambulante Psychotherapie an.

Geständnis und Alkoholabstinenz

Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte am Dienstag vor Obergericht ein deutlich milderes Urteil. Rechtsanwältin Antigone Schobinger konnte dabei zwei neue Trümpfe in die Waagschale zugunsten ihres Klienten werfen. Einerseits legte er im Schuldpunkt ein umfassendes Geständnis ab. Andererseits lebt er heute völlig alkoholabstinent, was eine positive Zukunftsaussicht bedeutet. Das Bezirksgericht Horgen hatte noch eine günstige Prognose gerade wegen der Alkoholsucht verneint.

Der Verteidigung gefolgt

Verteidigerin Schobinger forderte aufgrund der neuen Konstanten und der Einsicht ihres Mandanten neu eine teilbedingte Freiheitsstrafe. Mit Erfolg. So folgten die Oberrichter dem Antrag und schoben 17 Monate der 30-monatigen Sanktion zugunsten einer Probezeit von drei Jahren auf. Die restlichen, unbedingten 13 Monate hat der Pizza-Kurier bereits verbüsst.

Zur Sicherheit erteilten die Oberrichter dem türkisch-schweizerischen Doppelbürger eine Weisung, sich im Hinblick auf seine Alkoholproblematik ambulant behandeln zu lassen.

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