Person of the Year: Miley ist so wichtig wie der Papst
Aktualisiert

Person of the YearMiley ist so wichtig wie der Papst

Miley Cyrus steht auf der Liste der wichtigsten Personen des Jahres von «Time» - gemeinsam mit dem Papst. Experten diskutieren, ob dieser Platz berechtigt ist.

von
Katinka Templeton

Sie ist keine Politikerin, hat keine Kriege verhindert, segnet keine Menschen und heilt keine Krankheiten - trotzdem gehört Miley Cyrus zu den einflussreichsten Menschen des letzten Jahres. Zumindest wenn es nach der Redaktion des «Time»-Magazins geht.

Jedes Jahr wählt «Time» zehn Personen aus, die in den vergangenen zwölf Monaten die Nachrichten dominiert haben - ob mit guten oder schlechten News. So finden sich nun neben Miley Cyrus auch die Präsidenten von Syrien, des Iran und der Vereinigten Staaten sowie Papst Franziskus oder Edward Snowden auf der Liste. Philipp Ikrath vom Institut für Jugendkulturforschung versteht Mileys Nomination nicht: «Warum sollte Miley Cyrus die einflussreichste Person des Jahres werden? Ihre Masche ist ein alter Hut. Mir scheint das eher ein Marketingcoup des ‹Time›-Magazins zu sein.»

Rekorde und Awards

Ein kurzer Rückblick aber zeigt: Miley Cyrus hat sich im vergangenen Jahr mächtig Mühe gegeben, die Berechtigung für einen Listenplatz zu erlangen. Sie kann zwar keine politischen Veränderungen vorweisen, hat aber in der Unterhaltungsindustrie einige Rekorde gebrochen. Ihr Video zur Single «Wrecking Ball» wurde in nur sechs Tagen 100 Millionen Mal angesehen. Sie gewann einen Bambi, vier Billboard-Awards, zwei MTV-Awards, drei Teen Choice Awards, sieben (!) Teen Icon Awards und vier VEVO-Awards. Ausserdem wurde Miley nun auch von MTV zur Künstlerin des Jahres gekürt.

Ihr Album «Bangerz» verkauft sich wie warme Weggli und die Medien reissen sich um ein Interview mit der 21-Jährigen. Sie hat 2013 die Popkultur geprägt, fast schon dominiert: Ihre ständigen Eskapaden, ihr Getwerke, öffentliches Kiffen und anstössige Bühnenshows haben Miley Cyrus zu einer der meistdiskutierten Personen des letzten Jahres gemacht, aber auch zu einer der einflussreichsten?

Königin der Popkultur?

«Sie ist in diesem Jahr definitiv eine Ikone der Popkultur. Sie geniesst eine hohe Aufmerksamkeit in der jungen Weltbevölkerung, polarisiert und geht kontrovers mit Normen um», rechtfertigt Medienpsychologe Prof. Dr. Jo Groebel die Nennung in den Top Ten. Die Liste von «Time» muss allerdings als Momentaufnahme gesehen werden, erklärt Groebel: «So eine Liste muss viele verschiedene Sparten unserer Kultur abdecken. Der Papst ist genauso einflussreich wie Miley, einfach auf einer anderen Ebene.»

Ikrath ist aber anderer Meinung: «Sie hat die Popkultur zwar geprägt, ja. Aber sie hat sie nicht vorangebracht.» Für ihn entspricht die Entwicklung von Hannah Montana zu Miley, wie wir sie heute kennen, der eines typischen Disney-Stars. Britney Spears hat es vorgemacht, auch Christina Aguilera. Diese Teenie-Stars seien lediglich etwas weniger nackt gewesen als Miley in ihrem vieldiskutierten Video mit der Abrisskugel. «Vom kindlichen Popstar zur Frau, die in einem Akt der Selbstermächtigung ihre Sexualität entdeckt - das ist kein neues Phänomen», erklärt Ikrath.

Ob Miley Cyrus den Titel von «Time» tatsächlich verliehen bekommt, entscheidet sich am Mittwoch, dem 11. Dezember.

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