Jungfrau-Drama: Militär bietet Eltern 80 000 Franken an
Aktualisiert

Jungfrau-DramaMilitär bietet Eltern 80 000 Franken an

Das Militärdepartement hat in einem Brief den Eltern des bei dem Lawinen-Unglück an der Jungfrau getöteten Rekruten Bojan Buchs 80 000 Franken angeboten. Dazu hätten sie aber ein Stillhalteabkommen unterzeichnen sollen. Der Vater ist damit gar nicht einverstanden.

Der Zeitung «Sonntag» liegt der Brief des Militärdepartementes vom 15. Mai 2009 vor, in dem der Chef des Schadenzentrums den Hinterbliebenen ein so genanntes Vergleichsangebot unterbreitet: «Um (...) Ihren Klienten entgegenzukommen und der Tragik der von ihnen erlittenen Ereignissen Rechnung zu tragen, sind wir bereit, unter der Bedingung des Abschlusses und der Einhaltung eines Stillhalteabkommens, einen Betrag von 80 000 Franken per Saldo aller Ansprüche mit Einschluss der restlichen Anwaltskosten, sowie unpräjudiziell und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht als Vergleichssumme zu entrichten.»

Auf Anfrage bestätigt Eric Buchs, der Vater des getöteten Bojan Buchs, den Brief. «Es ist für mich befremdend, wie das VBS versucht, uns einen Maulkorb zu verpassen. Für mich ist das gleichzusetzen mit Schweigegeld», sagt er. Die Behörden hätten keine Angaben machen können, wofür das Geld ausbezahlt werde – und Eric Buchs will weiterhin seine Meinung äussern dürfen.

Untersuchung zum Jungfrau-Unglück abgeschlossen

Mit der Schlussbefragung eines Beschuldigten hat der militärische Untersuchungsrichter am vergangenen Dienstag das Verfahren zum Jungfrau-Unglück beendet. Zwei Bergführer der Armee müssen sich voraussichtlich wegen fahrlässiger Tötung vor Militärgericht verantworten, wie der Anwalt des einen der «NZZ am Sonntag» sagte.

Definitiv über eine Anklage befinden muss der Auditor, der militärische Staatsanwalt, dem die Untersuchungsakten übergeben werden. «Der Auditor wird in den nächsten zwei Wochen entscheiden», sagt Silvia Schenker, die Sprecherin der Militärjustiz.

Am 12. Juli 2007 waren an der Jungfrau ein Wachtmeister und fünf Rekruten im Alter zwischen 20 und 23 Jahren durch einen Lawinenniedergang getötet worden. Sechs weitere Soldaten der Gebirgsspezialisten Rekrutenschule und zwei militärische Bergführer überlebten den Unfall. Gegen die beiden Bergführer eröffnete die Militärjustiz ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung.

(rub)

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