08.02.2018 20:01

HR-Experte«Militär hilft Secondos bei der Jobsuche»

Secondos sind motivierter für die Armee und sehen den Dienst als Karriere-Kick. Laut einem Experten können sie tatsächlich von ihrer Erfahrung profitieren.

von
pam
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Immer weniger junge Erwachsene entscheiden sich für die Rekrutenschule. Die Zulassungen für den Zivildienst erreichten denn auch 2017 ein Rekordhoch.

Immer weniger junge Erwachsene entscheiden sich für die Rekrutenschule. Die Zulassungen für den Zivildienst erreichten denn auch 2017 ein Rekordhoch.

Keystone/Gaetan Bally
An den Secondos kann dies kaum liegen: Eine bisher unveröffentlichte detaillierte Auswertung einer ETH-Umfrage bei 1291 Rekruten aus dem Jahr 2014 zeigt, dass sie der Armee deutlich positiver gegenüberstehen als ihre Kollegen ohne Migrationshintergrund. Die Erkenntnisse:

An den Secondos kann dies kaum liegen: Eine bisher unveröffentlichte detaillierte Auswertung einer ETH-Umfrage bei 1291 Rekruten aus dem Jahr 2014 zeigt, dass sie der Armee deutlich positiver gegenüberstehen als ihre Kollegen ohne Migrationshintergrund. Die Erkenntnisse:

Keystone/Martin Ruetschi
Bessere JobchancenAm Ende ihrer Zeit in der RS dachten 37 Prozent der Secondo-Rekruten, dass sich  ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch ihren Dienst steigern werden. Bei den «Schweizer» Rekruten waren es nur 28 Prozent. Soziologe Tibor Szvircsev Tresch von der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich sagt: «Gerade junge Männer aus den südlicheren Ländern mit tiefem Bildungsniveau erhofften sich vom Militär eine Zusatzqualifikation.»

Bessere JobchancenAm Ende ihrer Zeit in der RS dachten 37 Prozent der Secondo-Rekruten, dass sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch ihren Dienst steigern werden. Bei den «Schweizer» Rekruten waren es nur 28 Prozent. Soziologe Tibor Szvircsev Tresch von der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich sagt: «Gerade junge Männer aus den südlicheren Ländern mit tiefem Bildungsniveau erhofften sich vom Militär eine Zusatzqualifikation.»

Keystone/Gaetan Bally

Herr Bayer, Secondo-Rekruten erhoffen sich durch den Militärdienst bessere Job-Chancen. Zu Recht?

Das kann sehr wohl helfen. Gerade bei einer Person, die nicht durch Herkunft und Familie mit der Schweiz tief verwurzelt ist und über kein grosses Beziehungsnetz verfügt, kann eine gute Referenzauskunft eines Vorgesetzten aus dem Militär bei der Job-Suche Wunder wirken. Kann jemand gar eine Offizierslaufbahn anführen, ist das nach wie vor eine Extra-Qualifikation, die etwas gilt, wenngleich viele Unternehmen sich aus Kostengründen scheuen, Militärkader einzustellen.

Wieso ist die Militärerfahrung hilfreich?

Es zeigt, dass jemand über eine gewisse Organisations- und Führungserfahrung und wohl auch über eine gute Portion an Verlässlichkeit und Durchsetzungsvermögen verfügt. Eine positive Referenzauskunft aus dem Militär wie auch aus dem Sport oder einem Verein hat immer einen Zusatznutzen. Oftmals geben Bewerber ohne relevantes Beziehungsnetz wenig glaubwürdige Referenzpersonen wie ihre Tante oder ihren Nachbarn an. Eine Autoritätsperson aus der Armee bietet hier punkto Relevanz mehr Durchschlagskraft. Viele Kader im Militär wissen das und bieten ihren Rekruten proaktiv an, ihnen bei Einstiegsjobs und für zivile Karrieren als Referenzpersonen zur Seite zu stehen.

Ist die Armee damit ein wichtiges Job-Netzwerk?

Allemal. Wenn man sich im Militär anstrengt und nicht passiv die Zeit absitzt, kann man profitieren, indem die Armee einem eine wertvolle Referenz ausstellt. Wer diese Mechanismen versteht, wird im Beruf eher erfolgreich sein als diejenigen, denen man das zu erklären braucht.

Es gibt aber bereits Firmen, die Bewerber suchen, welche keinen Dienst leisten müssen. Wie wichtig ist der Militärdienst überhaupt noch für die Karriere?

Das Absolvieren der Rekrutenschule oder ein höherer militärischer Grad sind heute viel weniger entscheidend für den Karriereverlauf als noch vor dem Ende des Kalten Krieges. Damals war es ohne Einbindung ins Militär kaum möglich, einen Top-Job bei einer Bank oder Versicherung zu erhalten. Bei der UBS kam man zum Beispiel kaum ins Management, wenn man es nicht bis zum Offizier gebracht hatte. Heute sehen gerade internationale Firmen den Militärdienst zunehmend bloss als Kostenfaktor, da die Absenzen der Mitarbeiter finanziell mitzutragen sind. Trotzdem ist bei einer Vielzahl von Firmen – gerade KMUs – das Militär nach wie vor hoch angesehen.

Thomas O. Bayer ist Gründer und CEO der Bayerplus Executive Search Consulting in Küsnacht ZH.

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