Jemen: Militär schiesst auf unbewaffnete Saleh-Gegner
Aktualisiert

JemenMilitär schiesst auf unbewaffnete Saleh-Gegner

In der Hauptstadt Sanaa sind bei Protesten gegen Präsidenten Saleh über 20 Menschen getötet worden. Das jemenitische Innenministerium dementierte Berichte über neue Opfer der Regimegewalt umgehend.

Die Sicherheitskräfte des jemenitischen Langzeit-Präsidenten Ali Abdullah Saleh haben am Wochenende erneut auf unbewaffnete Demonstranten geschossen.

Am Samstag starben im Zentrum von Sanaa zwölf, am Sonntag mindestens vier Menschen, als die Bereitschaftstruppen mit Tränengas, Wasserkanonen und scharfer Munition gegen Protestzüge der Saleh-Gegner vorgingen. Eine Frau wurde nach offiziellen Angaben bei Protesten in der südlichen Stadt Tais getötet.

Auch zehn Monate nach dem Beginn der regierungskritischen Proteste gegen Saleh versammelten sich am Samstag und Sonntag wieder hunderttausende Menschen zu Kundgebungen auf Sanaas Strassen. Dutzende Demonstranten wurden verletzt, berichteten Aktivisten und medizinische Helfer.

Fünf Menschen starben im nördlichen Stadtteil Hasaba am Samstag bei Gefechten zwischen Pro-Regime-Verbänden und Kämpfern des abtrünnigen Stammes-Scheichs Sadik al-Ahmar.

Innenministerium dementiert Berichte

Augenzeugen berichteten, dass Heckenschützen bei den Demonstrationen von den Hausdächern in die Menschenmenge gefeuert hätten. Ärzte und Sanitäter berichteten von Demonstranten, die durch Schüsse getötet oder schwer verletzt worden seien.

Videos, die von der Opposition ins Internet gestellt wurden, zeigten Männer, die Verletzte wegschleppten, die an Kopf und Brust stark bluteten. Im Hintergrund waren Schüsse zu hören.

Das jemenitische Innenministerium dementierte die Berichte über neue Opfer der Regimegewalt. Es handle sich um «Fälschungen», zitierte das staatliche Fernsehen eine Quelle aus dem Ministerium.

Im Jemen verlangen Hunderttausende seit nunmehr acht Monaten den Rücktritt Salehs, der das Land nach 33 Jahren an der Macht an den Abgrund geführt hat. Nach Angaben der Opposition töteten seine Sicherheitskräfte seit Beginn der Proteste fast 1500 Menschen.

«Wir werden weiter protestieren, auch wenn tausende unserer Jugendlichen getötet werden», sagte ein Sprecher der Regierungskritiker am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Dies sei «der einzige Weg, um das Regime zu stürzen».

Propagandachef der Al-Kaida getötet

Nach Angaben des jemenitischen Verteidigungsministeriums wurde am Freitagabend der Propagandachef der Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel, Ibrahim Al-Banna neben 23 anderen Menschen bei einem Angriff durch jemenitische Militärflugzeuge in der südlichen Provinz Schabwa getötet.

Unter den Getöteten sei auch ein Sohn des im Vormonat durch eine US-Drohne getöteten US-stämmigen Hasspredigers und Terrorplaners Anwar al-Awlaki, berichtete die Agentur Mareb Press. Banna war ägyptischer Staatsbürger. Er sei an der Planung und Ausführung von Terroranschlägen im Jemen beteiligt gewesen, hiess es in der Mitteilung des Verteidigungsministeriums.

Anwohner und örtliche Behörden erklärten, sie gingen davon aus, dass die Aktion durch ausländische Streitkräfte erfolgt sei. Es habe mindestens drei Angriffe auf verschiedene Ziele gegeben. Die Regierung in Washington äusserte sich nicht direkt zu dem Vorfall. Es hiess lediglich, dass die USA weiterhin eng mit Jemens Streitkräften zusammenarbeiteten.

Ölpipeline gesprengt

Die Vergeltung der Al-Kaida liess nicht lange auf sich warten. Kurz nach dem Luftangriff sprengten Extremisten die Total-Pipeline, über die Gas aus der Maarib-Provinz zum Hafen in Balhaf transportiert wird, wo sich die grösste Gasverflüssigungsanlage Jemens befindet.

Die Anlage ist das grösste Industrieprojekt des Landes. Jemen LNG arbeitet neben Total mit GDF Suez und Korea Gas zusammen. Total flog nach dem Anschlag fast die Hälfte seines ausländischen Personals nach Dschibuti auf der anderen Seite des Roten Meeres aus.

(sda)

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