San Francisco: Militär testete Biowaffen an Bevölkerung
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San FranciscoMilitär testete Biowaffen an Bevölkerung

Während 20 Jahren testete das US-Militär biologische Kriegswaffen unter freiem Himmel – in amerikanischen Städten.

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Sich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in San Francisco an der frischen Luft zu bewegen, war aus heutiger Sicht keine gute Idee.

Sich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in San Francisco an der frischen Luft zu bewegen, war aus heutiger Sicht keine gute Idee.

Keystone/AP/Jeff Chiu
Denn bis 1977 führte das US-Militär Experimente mit nur vermeintlich harmlosen Biowaffen durch. Ziel war es, herauszufinden, ob der für die Stadt so typische Nebel hilft, die Giftwolke zu verteilen.

Denn bis 1977 führte das US-Militär Experimente mit nur vermeintlich harmlosen Biowaffen durch. Ziel war es, herauszufinden, ob der für die Stadt so typische Nebel hilft, die Giftwolke zu verteilen.

Keystone/AP/Eric Risberg
Das tat er. So sollen laut Experten rund 800'000 Menschen die unsichtbaren Bakterien eingeatmet haben. Das Problem: Ein Teil der Erreger war alles andere als harmlos: Er kann unter anderem schwere Harnwegsentzündungen, Blutvergiftungen und Lungenentzündungen auslösen.

Das tat er. So sollen laut Experten rund 800'000 Menschen die unsichtbaren Bakterien eingeatmet haben. Das Problem: Ein Teil der Erreger war alles andere als harmlos: Er kann unter anderem schwere Harnwegsentzündungen, Blutvergiftungen und Lungenentzündungen auslösen.

PD

Offenbar haben Anhänger der Chemtrails-Verschwörungstheorie (siehe Box 1) doch nicht ganz unrecht – zumindest, was die Vergangenheit angeht. Denn in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hat das US-Militär tatsächlich verschiedene Substanzen in die Luft geblasen, zu Forschungszwecken, ohne die Bevölkerung darüber zu informieren.

Biologische Waffen (siehe Box 2) herzustellen, geschweige denn sie einzusetzen, ist heute verboten. Doch zur Zeit des Zweiten Weltkriegs war das noch anders. Schliesslich suchte man händeringend nach Möglichkeiten, die verfeindete Gegenseite zu bezwingen. Vor diesem Hintergrund führte auch das US-Militär Experimente durch – zunächst im Labor, später auf Militärbasen und schliesslich landesweit in Grossstädten. Das berichtet die Wissenschaftsplattform iflscience.com unter Berufung auf die «Washington Post». Bis 1977 sollen insgesamt 239 solcher Tests stattgefunden haben.

Austesten, wie weit die Wolke reicht

Dabei wurden Bakterien in die Luft geschossen, die damals noch als unbedenklich und harmlos galten. Bei einem der grössten Experimente – der sogenannten Operation Sea-Spray – blasen Militärangehörige riesige Mengen an Serratia marcescens und Bacillus globigii in den Himmel über San Francisco. Das Ziel war, herauszufinden, ob der für die Stadt so typische Nebel hilft, die Giftwolke zu verteilen.

Und das tat er augenscheinlich: Experten vermuten, dass in den Folgewochen rund 800'000 Menschen die unsichtbaren Bakterien einatmeten. Darauf lassen sogenannte Biomarker, mit denen sich die Transmissionen nachverfolgen lassen, schliessen.

Gut gemeint ist nicht gleich gut

Doch so harmlos wie gedacht waren die freigesetzten Bakterien leider nicht. So kosteten die vermeintlich ungefährlichen Experimente mindestens einer Person das Leben. Zehn Menschen mussten ihretwegen ins Spital.

Denn was man damals noch nicht wusste: Das Bakterium S. marcescens kann – vor allem bei Personen mit geschwächtem Immunsystem – unter anderem schwere Harnwegsentzündungen, Blutvergiftungen und Lungenentzündungen auslösen.

Krebserregende Substanzen

Aber nicht nur die Menschen in San Francisco wurden auf diese Weise in Mitleidenschaft gezogen. Denn das Militär führte ähnliche Tests überall im Land durch, auch in New York City, Minneapolis und Washington D.C. Auch dort wurden, wie man heute weiss, giftige Substanzen versprüht, beispielsweise Zink-Cadmium-Sulfid, das Lungen und Nieren schädigen und Krebs auslösen kann.

Nachdem die Tests bekannt wurden, hagelte es Beschwerden aus der Öffentlichkeit. Doch ein Sprecher der US-Armee beteuerte damals, die Cadmium-Belastung habe unterhalb jeder Gefährdungsgrenze gelegen.

Chemtrails

Sogenannte Chemtrails sind laut einer Verschwörungstheorie Kondensstreifen, die neben kondensierten Flugzeugabgasen noch weitere Chemikalien enthalten sollen. Sie sollen sich von normalen Kondensstreifen durch ihre Langlebigkeit und flächige Ausbreitung unterscheiden. Die Ausbringung der Chemikalien soll unter anderem dem Geoengineering, der Bevölkerungsreduktion oder militärischen Zwecken dienen.

Was sind biologische Waffen?

Biologische Waffen sind Massenvernichtungswaffen, bei denen Krankheitserreger oder natürliche Giftstoffe (Toxine) gezielt als Waffe eingesetzt werden. Sie können sich sowohl gegen Organismen als auch gegen Materialien richten. Momentan sind etwa 200 mögliche Erreger bekannt, die sich als biologische Waffe verwenden liessen. Seit 1972 sind durch die Biowaffenkonvention die Entwicklung, die Herstellung und der Einsatz biologischer Waffen verboten.

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