Aktualisiert 11.08.2007 05:24

Militärbasis im ewigen Eis geplant

Nach Russland will auch Kanada seinen Nutzungsanspruch auf die Arktis und die dort vermuteten Bodenschätze untermauern. Und Dänemark will mit einer Expedition beweisen, dass die russischen Ansprüche nicht gerechtfertigt sind.

Kanada will einen ersten Tiefwasserhafen und eine neue Militärbasis in der Arktis errichten. Das Land will damit auch seine Ansprüche auf die berühmte Nordwest-Passage und andere Teile des Nordpolargebietes untermauern.

Dies kündigte Premierminister Stephen Harper am Freitag im nordkanadischen Iqaluit an. Erst gut eine Woche zuvor hatte Russland ähnliche Ansprüche in einer spektakulären Aktion geltend gemacht: Mit einem Mini-U-Boot war ein Forscher auf den Grund des Nordpolarmeers getaucht und hatte in 4261 Meter Tiefe die russische Fahne aufgestellt. In der Arktisregion werden riesige Öl- und Gasvorkommen vermutet.

«Das erste Prinzip arktischer Gebietshoheit ist: Übe sie aus - oder du verlierst sie», sagte Harper. Kanada wolle der Welt zeigen, dass es «wirklich und langfristig in der Arktis präsent ist». Kanadas Streitkräfte waren erstmals 1898 in der Region tätig. Damals hatte eine Freiwilligen-Einheit geholfen, während des Goldrausches Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten. Eine moderne Militärpräsenz gibt es erst seit 1970 in Yellowknife in der Provinz Northwest Territories.

Über russische Aktion lustig gemacht

Harper hatte sich ebenso wie die USA über die jüngste russische Aktion lustig gemacht. Auch das zu Dänemark gezählte Grönland macht Ansprüche auf die 1,2 Millionen Quadratkilometer grosse nördliche Polarregion geltend. Dort befindet sich Schätzungen zufolge ein Viertel der weltweit noch nicht entdeckten Vorkommen an Erdöl und Erdgas. Dänemark schickt am Sonntag eine Expedition ins Packeis, die nach Beweisen suchen soll, dass dass der 2000 Kilometer lange Lomonossow-Rücken unter dem Meer mit dem zu Dänemark gehörenden Grönland verbunden ist.

Durch fortschreitende Erderwärmung und das Abschmelzen der Polkappen dürfte der hohe Norden in den kommenden Jahrzehnten deutlich leichter zugänglich werden. So könnte auch die Nordwest- Passage zwischen Atlantik und Pazifik ab 2050 ganzjährig schiffbar sein. Bei der Nordwest-Passage werden Kanadas Ansprüche nicht zuletzt von den USA bestritten, welche sie als internationale Gewässer ansehen.

Harper kündigte nun auch den Bau einer Winterkampf-Schule für die kanadischen Streitkräfte in der Resolute Bay in der Passage an. Die von Inuit ausgeführten Ranger-Patrouillen in der Arktis würden verstärkt.

Der Arktis-Tiefwasserhafen soll nach Angaben Harpers in Nanisivik an der Nordspitze der Baffin-Insel entstehen. Dort hatte es Blei- und Zinkminen mit Hafenanlagen gegeben. Sie sollen deutlich vertieft werden, damit dort die neuen Arktis-Patrouillenschiffe anlegen und versorgt werden können. (dapd)

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