Militäreinsatz zur Geisel-Befreiung?

Aktualisiert

Militäreinsatz zur Geisel-Befreiung?

Der afghanische Vize-Innenminister Munir Mangal hat einen Militäreinsatz als letztes Mittel zur Befreiung der in Afghanistan verschleppten Südkoreaner nicht ausgeschlossen. Die Taliban drohten für diesen Fall damit, die Geiseln zu töten.

Es stünden genug Kämpfer bereit, um die Orte zu verteidigen, wo sich die Südkoreaner befänden, erklärte Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi. «Und wenn dies nicht gelingt, dann werden sie (die Kämpfer) die Geiseln töten», sagte Ahmadi der dpa.

Einige der südkoreanischen Geiseln seien wegen der Umstände in schlechter gesundheitlicher Verfassung, andere hätten wegen der Strapazen psychologische Probleme, sagte Ahmadi.

Nach südkoreanischen Angaben wurden inzwischen Medikamente und andere Bedarfsartikel nach Ghasni geliefert, um über die afghanischen Behörden an die Geiseln weitergeleitet zu werden.

Keine rasche Lösung in Sicht

Am 19. Juli waren in der südlichen Provinz Ghasni 23 Südkoreaner verschleppt worden, eine 42 Jahre alte Geisel wurde getötet, wie Seoul bestätigte. Die Verhandlungen gingen am Samstag weiter, wie es übereinstimmend von afghanischer Seite als auch von den Taliban hiess. Allerdings zeichnete sich keine rasche Lösung ab.

«Die Gespräche dauern an, wir hoffen, die Angelegenheit auf friedlichem Wege lösen zu können», sagte Innenminister Mangal: «Sollte es aber keinen Weg geben, dann wären militärische Mittel die letzte Möglichkeit, um eine Lösung herbeizuführen.»

Seinen Angaben zufolge will sich die Regierung auf keinerlei Bedingungen der Entführer einlassen. Die von den Kidnappern geforderte Freilassung von Taliban-Rebellen aus afghanischen Gefängnissen schloss er aus.

Unterdessen bemühte sich das Aussenministerium in Berlin weiter intensiv um die Freilassung des entführten deutschen Bauingenieurs. Eine Ministeriumssprecherin sagte auf Anfrage, der Krisenstab stehe nach wie vor in engem Kontakt mit der afghanischen Regierung.

Der Bauingenieur war am 18. Juli gemeinsam mit einem Kollegen verschleppt worden. Die zweite Geisel, ein 44 Jahre alter Ingenieur, war in der Geiselhaft gestorben. Die genauen Umstände seines Todes sind bislang unklar.

NATO-Soldaten bei Kämpfen getötet

Bei Kämpfen mit Aufständischen wurden in Afghanistan drei NATO- Soldaten und zwei afghanische Militärs sowie mehrere Rebellen getötet. Zwei Soldaten kamen am Freitag im Osten des Landes ums Leben, wie die NATO-geführte Schutztruppe ISAF bekannt gab.

Ein afghanischer Militär sei ebenfalls getötet worden. Ein dritter NATO-Soldat, ein Brite, starb ebenfalls am Freitag bei einem Raketenangriff in der südafghanischen Provinz Helmand, teilte das Verteidigungsministerium in London mit.

Damit sind nach offiziellen Angaben seit Beginn des Einsatzes im November 2001 insgesamt 67 britische Militärs ums Leben gekommen, 44 von ihnen durch Kampfhandlungen. Im Süden Afghanistans sind vor allem Kanadier, Briten und Amerikaner stationiert, im Osten vorwiegend US-Truppen.

Bei Kämpfen im Süden von Afghanistan starben am Samstag ein afghanischer Soldat und mehrere Aufständische. Wie das US-Militär weiter mitteilte, schlugen die afghanischen Sicherheitskräfte Rebellen nahe der Stadt Keshay in der Provinz Urusgan zurück.

(sda)

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