Krieg am Kaukasus: Militäroffensive in Abchasien
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Krieg am KaukasusMilitäroffensive in Abchasien

Nach Angaben der russischen Agentur Interfax starteten Separatisten der georgischen Region Abchasien eine Militäroffensive, um die georgischen Truppen aus der Kodori-Schlucht zu vertreiben.

Die Schlucht ist der einzige Teil Abchasiens, der noch von Georgien kontrolliert wird. Interfax zitierte das abchasische Verteidigungsministerium mit den Worten, die Operation habe um 6.00 Uhr Ortszeit begonnen. Einzelheiten wurden nicht genannt.

Abchasien versucht seit Samstag, die georgischen Truppen aus der Kodori-Schlucht zu vertreiben. Am Montag versicherte Tiflis, alle Angriffe abgewehrt zu haben. Dagegen versicherte der abchasische Verteidigungsminister Mirab Kischmarja, die georgischen Truppen sässen im oberen Abschnitt der Schlucht «völlig fest».

Abchasien hatte sich ebenso wie die abtrünnige Provinz Südossetien Anfang der 90er Jahre von Georgien abgespalten. Nach dem Völkerrecht gehören beide Gebiete jedoch weiter zu Georgien.

Internationaler Druck auf Russland wächst

US-Präsident George W. Bush forderte in einer Fernsehansprache einen sofortigen Waffenstillstand, den Rückzug der russischen Truppen und die Wiederherstellung des Status quo vom 6. August.

Russland sei in einen souveränen Nachbarstaat einmarschiert und bedrohe eine demokratisch gewählte Regierung, sagte Bush. Solch ein Verhalten sei im 21. Jahrhundert inakzeptabel. Russland scheine die Regierung von Michail Saakaschwili stürzen zu wollen, sagte Bush.

Auch der UNO-Sicherheitsrat wollte Moskau zu einem Abzug aus Georgien bewegen und verhandelte in seiner 5. Sitzung zur Krise ergebnislos über einen entsprechenden Resolutionsentwurf. Russland lehnte den Entwurf jedoch umgehend ab.

Der Entwurf, der eine sofortige Waffenruhe in der gesamten Südkaukasus-Region verlangt, entstand unter Federführung Frankreichs. Präsident Nicolas Sarkozy kündigte zudem an, er wolle am Dienstag zu Vermittlungsgesprächen nach Moskau und Tiflis reisen. Sein Aussenminister Bernard Kouchner ist bereits in Moskau.

Ruhigere Nacht -

Nach dem Vorrücken der russischen Streitkräfte in das georgische Hinterland gab es nach georgischen Angaben in der Nacht keine Kampfhandlungen mehr. Ein weiteres Vorrücken sei nicht zu beobachten. Russland hatte zuvor Behauptungen aus Georgien dementiert, in Richtung der georgischen Hauptstadt Tiflis vorzurücken.

NATO tagt zu Georgien

Heute treffen sich die Vertreter von 26 NATO- Regierungen auf Antrag der Regierung in Tiflis, die 1994 der NATO- «Partnerschaft für den Frieden» beigetreten war. Die georgische Aussenministerin Eka Tkeschelaschwili will über die Lage berichten. NATO-Diplomaten erwarteten eine Erklärung, in der Russland zum Ende der Kampfhandlungen und zum Abzug aus Georgien aufgefordert wird.

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(sda)

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