Aktualisiert 22.11.2018 15:39

Tessiner Rekrut gemobbt

Militärzeitung verharmlost Quälerei in RS

Im Oktober wurde ein Video publik, in dem Soldaten einen Kollegen mit Gegenständen bewerfen. Der «Schweizer Soldat» sieht das nicht so eng.

von
dmo

Ein Video löste im Oktober einen handfesten Skandal in der Schweizer Armee aus. In den Aufnahmen ist zu sehen, wie Rekruten in Emmen im Kanton Luzern einen Kameraden auf Befehl mit Gegenständen bewerfen. Das Opfer war ein 24-jähriger Tessiner. Die Aufnahmen entstanden bereits im September. Eine Woche nach Veröffentlichung wurden erste Disziplinarstrafen ausgesprochen. Gegen den Kommandanten wurden fünf Tage Arrest verhängt.

Auf Twitter äusserte sich damals auch das Verteidigungsdepartement (VBS) und sprach von der Misshandlung eines Tessiner Rekruten. Die Armee akzeptiere keine körperliche Züchtigung. Der Chef der Armee besuchte die betroffene RS. Der Sprecher der Militärjustiz sagte, man habe bereits vor der Veröffentlichung des Videos Kenntnis vom Fall gehabt. Die Ermittlungen sind noch immer im Gang. Ein Urteil sei dieses Jahr aber nicht mehr zu erwarten, sagte der Sprecher der Militärjustiz, Mario Camelin, zu «Blick».

Die schlimmsten Mobbing-Fälle in der Armee.

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Mobbing-Fälle im Militär sind immer wieder in den Schlagzeilen. In der Truppenunterkunft in Elm GL haben im Juni 2014 sieben Rekruten zwei ihrer Kollegen gefesselt und misshandelt. Sie wurden wegen Angriffs und Freiheitsberaubung und Nötigung verurteilt, wie der Blick berichtete.

Mobbing-Fälle im Militär sind immer wieder in den Schlagzeilen. In der Truppenunterkunft in Elm GL haben im Juni 2014 sieben Rekruten zwei ihrer Kollegen gefesselt und misshandelt. Sie wurden wegen Angriffs und Freiheitsberaubung und Nötigung verurteilt, wie der Blick berichtete.

Keystone/Martin Ruetschi
«Solche Sachen sind nichts Ungewöhnliches. Es werden fast in jedem WK oder in jeder RS einige Personen gemobbt oder schikaniert», sagt Leser A.H.

«Solche Sachen sind nichts Ungewöhnliches. Es werden fast in jedem WK oder in jeder RS einige Personen gemobbt oder schikaniert», sagt Leser A.H.

Keystone/Martin Ruetschi
Ein festes Ritual in jedem WK sei etwa die Hamburgertaufe, erzählt ein W.L.. Hamburger sind solche, die den ersten WK leisten. In der Hamburgertaufe müssen sie sich aber zuerst den Respekt der «Alten» verdienen. Viele Varianten seien einfach nur primitiv, sagt er.

Ein festes Ritual in jedem WK sei etwa die Hamburgertaufe, erzählt ein W.L.. Hamburger sind solche, die den ersten WK leisten. In der Hamburgertaufe müssen sie sich aber zuerst den Respekt der «Alten» verdienen. Viele Varianten seien einfach nur primitiv, sagt er.

Keystone/Martin Ruetschi

«Armeefeindliche» Medien

In dem Artikel mit dem Titel «Steinigung = Fake News» kritisiert die Militärzeitschrift der «Schweizer Soldat» jetzt die Berichterstattung zum Fall. Zwar wird festgehalten, dass das «Plagen von Kameraden» und «Bierideen» nicht toleriert würden, die sogenannte «Steinigung» wird aber als Scherz bezeichnet, wie «Blick» weiter schreibt. Als «armeefeindlich» werden zudem die Medien bezeichnet, die darüber berichtet haben. Ihre Meldungen werden als falsch dargestellt.

Lewin Lempert von der Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA) kann über das Vorgehen der Militärzeitschrift nur den Kopf schütteln. Er finde es krass, wie die Zeitung, «welche an alle Offiziere und Unteroffiziere geht, ohne Beleg eine solche Tat krass verharmlost.»

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