Stapo-Medienchef Marco Cortesi: «Militante Fussballfans werden immer brutaler»

Aktualisiert

Stapo-Medienchef Marco Cortesi«Militante Fussballfans werden immer brutaler»

Vor dem GC-Fanlokal haben FCZ-Anhänger einen GC-Fan niedergestochen. Die Stadtpolizei Zürich beobachtet die Zunahme der Brutalität unter Fans mit Sorge.

von
rom
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Hier vor dem GC-Fanlokal Sächs Foif im Zürcher Kreis 5 tickten militante FCZ- und GC-Fans aus: Ein GC-Anhänger wurde mit einer Stichwaffe mittelschwer verletzt.

Hier vor dem GC-Fanlokal Sächs Foif im Zürcher Kreis 5 tickten militante FCZ- und GC-Fans aus: Ein GC-Anhänger wurde mit einer Stichwaffe mittelschwer verletzt.

rom
Laut Stadtpolizei ist das Fanlokal immer wieder im Visier von FCZ-Fans - aber nicht nur: 2014 überfielen Basler Anhänger das «Sächs Foif».

Laut Stadtpolizei ist das Fanlokal immer wieder im Visier von FCZ-Fans - aber nicht nur: 2014 überfielen Basler Anhänger das «Sächs Foif».

Die Polizei im Einsatz an der Europaallee nach dem Abstiegsspiel des FCZ am 25. Mai 2016. Damals suchten FCZ-Fans ebenfalls die Konfrontation mit GC-Anhängern. Dies konnte die Polizei verhindern.

Die Polizei im Einsatz an der Europaallee nach dem Abstiegsspiel des FCZ am 25. Mai 2016. Damals suchten FCZ-Fans ebenfalls die Konfrontation mit GC-Anhängern. Dies konnte die Polizei verhindern.

Keystone/Ennio Leanza

Zum Rückrundenstart empfing GC am Samstag im Letzigrund den FC Thun. Wie üblich trafen sich einige GC-Fans vor dem Spiel in ihrem Fanlokal Sächs Foif im Kreis 5 an der Heinrichstrasse. Dort wurden sie offenbar von militanten FCZ-Fans überrascht.

Es kam zu einer Auseinandersetzung zwischen den rivalisierenden Gruppen. In deren Verlauf wurde ein 22-jähriger GC-Fan mit einer Stichwaffe mittelschwer verletzt. Als die alarmierten Polizeipatrouillen eintrafen, waren die FCZ-Fans bereits geflüchtet – unter anderem in einem Auto.

Auch der Verletzte ist nun in Haft

«Dank Hinweisen aus der Bevölkerung konnten wir gezielt fahnden», sagt Marco Cortesi. Medienchef der Stadtpolizei Zürich. Gegen 15.30 Uhr hielt die Polizei im Kreis 1 an der Seidengasse ein Auto an. Die beiden Insassen, zwei Schweizer im Alter von 20 und 21 Jahren, wurden verhaftet. «In der Zwischenzeit haben wir noch weitere Tatverdächtige ermittelt und ebenfalls festgenommen, darunter auch den Verletzten», sagt Cortesi. Alle würden nun der Staatsanwaltschaft zugeführt.

Der Einsatz einer Stichwaffe bedeutet eine neue Dimension in der Fan-Fehde zwischen dem FCZ und GC. «Die militanten Fussballfans werden immer brutaler», sagt Cortesi. «Wir reden hier von schweren Straftaten – das macht uns Sorgen.» Früher habe man mit Fäusten aufeinander eingeprügelt, inzwischen seien Schlagstöcke und Ketten fast schon üblich. Ein Beispiel: Nach dem Spiel GC–Thun letzten November warteten militante FCZ-Fans vor dem Letzigrund auf die GC-Fans und prügelten mit Schlagstöcken auf sie ein.

Zoff vermehrt abseits der Spieltage

Doch nicht nur das. «In den letzten Monaten stellten wir fest, dass die Auseinandersetzungen vermehrt unabhängig von Spieltagen und teils mitten in der Stadt ausgetragen werden», sagt Cortesi. So habe es beispielsweise am Züri-Fäscht oder auch an Silvester zwischen FCZ- und GC-Fans gekracht.

Die brutale Aggression geht laut Cortesi vor allem von ein paar kleinen Gruppen aus, die in unterschiedlicher Zusammensetzung agieren. Auffällig sei auch, dass es immer wieder das Fanlokal von GC treffe. «Wir sind mit beiden Fussballclubs im Gespräch», sagt Cortesi und betont: «Die allermeisten FCZ- und GC-Fans verhalten sich korrekt.»

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