23.12.2018 19:31

Knappe FinanzenMillennials buchen Uber und Co. wegen Geldnot

Bei jungen Menschen ist Teilen angesagt. Laut einer Studie dürfte der Boom der sogenannten Shared Economy auf die Finanzkrise zurückgehen.

von
Dominic Benz
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Die sogenannte Shared Economy boomt bei den Millennials, also der Generation mit den Jahrgängen 1981 bis 1997.

Die sogenannte Shared Economy boomt bei den Millennials, also der Generation mit den Jahrgängen 1981 bis 1997.

Keystone/Christof Schuerpf
So nutzen die Jungen lieber den Fahrdienst Uber, der günstiger als die normalen Taxis ist.

So nutzen die Jungen lieber den Fahrdienst Uber, der günstiger als die normalen Taxis ist.

AP/Seth Wenig
In den Ferien gehts nicht ins Hotel, sondern in die private Unterkunft, die über die Plattform Airbnb gebucht wird.

In den Ferien gehts nicht ins Hotel, sondern in die private Unterkunft, die über die Plattform Airbnb gebucht wird.

Keystone/Christian Beutler

Für die Ferien ein Bett über Airbnb buchen, mit dem Mobility-Auto einen Ausflug machen oder mit dem Uber vom Ausgang nach Hause fahren – die sogenannte Shared Economy boomt bei den Millennials. Teilen statt besitzen, so das Motto der jungen Menschen zwischen 21 und 37 Jahren. Das ist hip und erst noch günstig.

Die weit verbreitete Meinung: Uber oder Airbnb sind so angesagt, weil solche Plattformen eben den Bedürfnissen und dem Lebensgefühl der Millennials entsprechen. Eine Studie der Analyse- und Statistik-Abteilung der US-Notenbank sagt laut «Welt» jetzt was anderes: Junge Menschen nutzen die günstigeren Alternativen nicht einfach zum Plausch, sondern weil sie sich ein Hotelzimmer oder ein eigenes Auto oft nicht leisten können.

Hohe digitale Affinität

Für die Studie haben die Autoren das Konsum- und Sparverhalten der jüngeren Generation mit den Jahrgängen zwischen 1981 und 1997 analysiert. Dabei verglichen sie diese sogenannten Millennials mit den Mitgliedern der vorangegangenen zwei Generationen, also mit der Generation X (1965 bis 1980) und den Babyboomern (1946 bis 1964).

Speziell an den Millennials ist, dass sie eine besondere Affinität zum Internet und allgemein zur digitalen Welt haben: Sie sind mit Computern und Smartphones aufgewachsen. Daher ist es zwar naheliegend, dass diese Generation besonders oft digitale Dienste nutzt. Doch laut Studie ist das längst nicht der einzige Grund, warum die Jungen so sehr auf Airbnb und Co. setzen, wie die «Welt» weiter schreibt.

Gleicher Konsumgeschmack

Entscheidend ist gemäss Studie die wirtschaftliche Situation der Millennials. «Wir haben herausgefunden, dass die Millennials niedrigere Realeinkommen haben als die Mitglieder früherer Generationen im gleichen Alter», so die Forscher der US-Notenbank. Zudem hätten die Jungen ein geringeres Vermögen angespart. In Bezug auf den Verschuldungsgrad habe es hingegen keine grossen Unterschiede gegeben.

Zudem untersuchten die Forscher, wie das Konsumverhalten der Millennials aussehen würde, wenn sie gleich viel Geld zur Verfügung hätten wie die Menschen der beiden älteren Generationen im gleichen Alter. Vielleicht ticken ja die heutigen jungen Menschen grundsätzlich anders. Überraschenderweise scheint dem nicht so zu sein. «Wir fanden kaum Hinweise, dass der Konsumgeschmack und die Konsumpräferenzen der Millennial-Haushalte geringer ausgeprägt sind als bei früheren Generationen», so die Forscher.

Opfer der Finanzkrise

Anders gesagt: Viele Millennials nutzen Airbnb, weil sie sich ein vergleichbares Hotelzimmer in den Ferien nicht leisten können – und nicht weil das Schlafen in einer fremden privaten Unterkunft so unglaublich aufregend ist. Auch Uber nutzen die Jungen nicht wegen des tollen Fahrerlebnisses, sondern weil der Fahrdienst günstiger ist als die normalen Taxis.

Für die Mehrheit der Nutzer dürfte ein zu kleines Budget mitentscheidend für den Gebrauch solcher digitalen Dienste sein, schreibt die «Welt». Die Studienautoren gehen davon aus, dass die Millennials die Leidtragenden der Finanzkrise sind. Diese hat es den jungen Menschen schwierig gemacht, viel Geld zu verdienen und zu sparen. Daher seien die jungen Menschen auf günstige Alternativen wie Uber und Airbnb angewiesen.

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