Aktualisiert 13.02.2009 14:10

HilfspaketMilliarden für Frankreichs Autobranche

Im Gegenzug für Standortgarantien stützt die französische Regierung die angeschlagenen heimischen Autokonzerne Renault und Peugeot/Citroën mit Darlehen in Höhe von sechs Milliarden Euro.

Beiden Unternehmen würden je drei Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren zur Verfügung gestellt, sagte Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Montag nach einem Treffen mit Branchenvertretern. Für diese «aussergewöhnliche Hilfe» seien die Autobauer «die sehr wichtige Verpflichtung eingegangen, keine einzige Fabrik zu schliessen und alles zu tun, um Entlassungen zu verhindern».

Neben den Darlehen zu einem Zinskurs von sechs Prozent (gegenüber den marktüblichen zwölf Prozent) werde der Investitionsfonds für den Sektor, der zur Stützung der Zulieferer gedacht ist, auf 600 Millionen Euro verdoppelt. Zudem gewährt der Staat Garantien für die gesamte Branche in Höhe von einer Milliarde Euro, erklärte Sarkozy.

Peugeot/Citroën begrüsste das Hilfspaket. «Das Unternehmen ist sich seiner Verantwortung bewusst und wird im Rahmen seiner Verpflichtungen keine Produktionsanlagen in Frankreich stilllegen», hiess es in einer Erklärung. «Unter den gegenwärtigen Bedingungen wird der Konzern in Frankreich keine Entlassungen vornehmen.»

Zudem habe man sich verpflichtet, bis zum Sommer strukturelle Massnahmen zu prüfen, die der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Frankreich innerhalb der europäischen Automobilindustrie dienen sollen.

Ungebremster Absatzeinbruch trotz Abwrackprämie

Der Staatschef hatte in den vergangenen Tagen mehrfach gefordert, im Gegenzug für Staatshilfe dürften die Autobauer ihre Produktion nicht mehr verlagern. Es sei «nicht gerechtfertigt, Fabriken in Tschechien zu bauen, um Autos nach Frankreich zu verkaufen», sagte er in einer Fernsehansprache. Von der EU hatte Sarkozy dafür scharfe Kritik geerntet. Dessen «protektionistische Erklärungen» hätten den Ausschlag gegeben, einen ausserordentlichen Krisengipfel einzuberufen, erklärte der tschechische Regierungschef und EU-Ratspräsident Mirek Topolanek am Montag.

Zur Stützung der Autobranche hat Frankreich bereits eine Abwrackprämie von 1000 Euro, Steuerboni für die Anschaffung umweltfreundlicher Kleinwagen sowie ein erstes Hilfspaket von 1,3 Milliarden Euro bewilligt. Dennoch geht der Absatzeinbruch nahezu ungebremst weiter, im Januar verkauften Peugeot/Citroën 11,2 Prozent und Renault 20,9 Prozent weniger Wagen als im Vorjahreszeitraum. «Wenn die Finanzkrise fortdauert, werden die Unternehmen eines nach dem anderen fallen», hatte Renault-Chef Carlos Ghosn vor kurzem gewarnt. (dapd)

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