Übernahmeangebot: Milliardenfusion stärkt den Hauptkonkurrenten
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ÜbernahmeangebotMilliardenfusion stärkt den Hauptkonkurrenten

Nobel Biocare mit Sitz in Kloten soll für zwei Milliarden Franken von einem US-Mischkonzern übernommen werden. Was bedeutet das für Nobels Konkurrenten Straumann?

von
cls

Vor nicht allzu langer Zeit wäre für die Aktionäre eine Annäherung von Nobel Biocare (NOBN, Kurs Fr. 17.05 ) und Straumann (STMN, Fr. 224.50) eine feine Sache gewesen. Ein Analyst der Main First Bank ortete im Sommer 2014 ein «substanzielles Synergiepotenzial». Im Rahmen einer vollständig mit Fremdkapital finanzierten Transaktion könne Straumann bis zu 22 Franken je Aktie von Nobel Biocare bieten, schrieb Cash Insider diesen Juli.

Die US-amerikanische Danaher Corp. hat Nobel Biocare am Montag ein freundliches, aber lang erwartetes Übernahmeangebot zu Fr. 17.10 je Aktie gemacht. Die offerierten Fr. 17.10 pro Aktie liegen allerdings unter dem Schlusskurs vom Freitag. Bereits im August soll sich der Mischkonzern um Nobel Biocare bemüht haben, ebenso wie die schwedische EQT Partners, die laut «Tages-Anzeiger» 17 Franken pro Aktie geboten haben soll.

Analysten nicht einig

Die meisten Analysten beurteilen den Kaufpreis in ihren Kommentaren denn auch als «fair» oder «angemessen», so die UBS oder Exane BNP Paribas. Sibylle Bischofberger von der Zürcher Kantonalbank stuft das Kaufangebot von Danaher als «fair» ein und empfiehlt es den Aktionären zur Annahme, «da wir eher weniger davon ausgehen, dass noch ein weiteres und höheres Angebot einer anderen Partei abgegeben werden könnte», so die Analystin weiter. Nur Chi Tran-Brändli von Safra Sarasin schreibt: «Wir beurteilen das Angebot als unattraktiv und würden die Aktien behalten.» Die Offerte liege «am unteren Ende» dessen, was von einem Käufer wie Danaher zu erwarten sei.

Nobel Biocare und Straumann gelten als weltweite Leader im exklusiven Medtech-Nischenmarkt, der laut «Bilanz »auf 3,5 Milliarden Franken geschätzt wird. Während Jahrzehnten trieben die beiden Dentaltechnik-Firmen den Markt, bestimmten Innovationsrhythmus sowie Preispolitik und fuhren dabei operative Traummargen von gegen 34 Prozent ein. Doch in den letzten Jahren hat sich der Markt fundamental verändert. Billiganbieter machten den verwöhnten Premiumanbietern im Hauptmarkt Europa das Leben schwer. Bahnbrechende Innovationen, die Zahnärzte in den Bann ziehen, sind nicht in Sicht. Nobel Biocare hat dennoch über Jahre an der Strategie des Premiumanbieters festgehalten.

Clevere Zukäufe

Anders Straumann. Der Leader bei den Einzelimplantaten erkannte den Ernst der Lage, legte ein Kostensenkungsprogramm auf und verdrängte den Konkurrenten in nur fünf Jahren vom Spitzenplatz in der Dentalbranche. Durch Zukauf entsprechender Firmen zum Beispiel in China stiess Straumann ins Segment der günstigeren Zahnimplantate vor.

Aus dem Blickwinkel von Straumann beurteilt der Analyst Ian Douglas-Pennant das Danaher-Übernahmeangebot als Bestätigung für die Dual-Brand-Strategie. Die aktuelle Strategie des Straumann-Managements sei adäquat, doch sei der Kurs der Aktie auch hoch, heisst es weiter. Das Unternehmen habe nun schon in fünf aufeinanderfolgenden Quartalen ein stärkeres Wachstum verzeichnet als der Markt, zeigte sich Konzernchef Marco Gadola im August stolz vor den Medien. Dort sagte er auch, Straumann habe sich Nobel Biocare angeschaut. Man sei jedoch zum Schluss gekommen, an dieser Firma kein Interesse zu haben.

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