Milliardenspritze für Finanzmärkte
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Milliardenspritze für Finanzmärkte

Rund um den Globus haben die Notenbanken kurz vor dem Wochenende Milliardensummen ins Bankensystem gepumpt. Damit sollen die tief verunsicherten Anleger beruhigt werden.

Die weltweite Angst vor einer Verschärfung der Kreditkrise veranlasste die Europäische Zentralbank (EZB), die US-Notenbank sowie die Währungshüter in Tokio und Sydney zu zusätzlichen Liquiditätsspritzen.

Sie wollen damit einem starken Anstieg der Zinssätze am Geldmarkt entgegentreten, der eine Versorgung der Banken mit frischem Geld erheblich verteuern würde.

Die Anleger an den Aktienmärkten konnten aber nicht besänftigt werden: Die Kurse sackten in Europa und Asien deutlich ab. Bereits am Donnerstag hatte auch die Wall Street hohe Verluste verzeichnet.

Die EZB legt nach

24 Stunden nachdem die EZB dem Finanzsystem bereits eine Rekordsumme von knapp 95 Mrd. Euro für einen Tag zum Zinssatz von vier Prozent bereit gestellt hatte, legte sie am Freitag nach.

Sie stellte dem Euro-Geldmarkt mittels eines Schnelltender genannten Zuteilungsverfahrens über das Wochenende weitere 61,05 Mrd. Euro zur Verfügung.

Da die Summe des Vortags indes am Freitag zurückgezahlt werden musste, ergibt sich unter dem Strich ein Liquiditätsentzug von knapp 34 Mrd. Euro, was auf eine allmähliche Stabilisierung der Lage am Geldmarkt hindeutet. Es ist dennoch das erste Mal seit der Krise nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, dass sich die EZB zu solch drastischen Schritten entschloss.

Fonds eingefroren

Der Auslöser für die jüngste Nervosität an den Märkten kam aus Frankreich: Am Donnerstag hatte die Grossbank BNP Paribas als Folge der US-Hypothekenkrise drei Fonds über 1,6 Mrd. Euro nach massiven Wertverlusten eingefroren. Damit sind vorerst keine Ein- und Auszahlungen mehr möglich.

Auch die deutsche Privatbank Sal. Oppenheim sah sich gezwungen, einen Fonds mit einem Volumen von 750 Mio. Euro zu schliessen. Anleger fürchten, dass sich die am US-Markt für schlechter besicherte Hypothekenkredite begonnene Liquiditätskrise ausdehnen und die Banken in Finanzierungsnöte bringen könnte.

Worte der Beruhigung

Vertreter der US-Notenbank versuchten, derartigen Befürchtungen entgegenzutreten. Die Probleme beschränkten sich ausschliessllich auf den Markt für zweitklassige Hypothekenkredite, sagte der Präsident der Fed von Minneapolis, Gary Stern. «Das Ausmass ist also nicht sehr gross.»

Dennoch pumpte auch die US-Notenbank am Donnerstag rund 24 Mrd. Dollar und damit soviel wie seit knapp vier Monaten nicht mehr an einem einzelnen Tag in den Markt.

Auch die kanadische Notenbank führte den Märkten mehr Geld zu als üblich. Die Kanadier betonten, sie seien in Gesprächen mit anderen Notenbanken über die Liquiditätssituation der Märkte. Die Fed und die EZB wollten sich dazu aber nicht äussern.

Auch die Zentralbanken von Japan und Australien pumpten am Freitag mit 8,45 Mrd. Dollar und 4,2 Mrd. Dollar mehr Geld in den Markt als an anderen Tagen. Die Geldmärkte in Europa, USA und Asien beruhigten sich nach diesen Massnahmen auch wieder, aber Aktienanleger zeigten sich weiter besorgt.

Dollar-Reserven verkauft

In einigen asiatischen Ländern sahen sich die Notenbanken wegen der Krise gezwungen, am Devisenmarkt zu intervenieren, um die eigenen Währungen zu stützen. So verkauften die Zentralbanken auf den Philippinen, in Malysia und Indonesien massiv Dollar-Reserven.

Zuvor hatten sich Investoren aus riskanten Anlagen zurückgezogen und damit die Landeswährungen unter Druck gebracht. Nach den Interventionen stabilisierten sich die Kurse wieder.

Die Bank of Korea kündigte dagegen an, nicht am Devisenmarkt eingreifen zu wollen, was die Talfahrt der Landeswährung Won beschleunigte. Die Zentralbank kündigte aber an, die Märkte jederzeit mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen, falls sich die Krise verschlimmere. Ähnlich äusserten sich die Währungshüter in Singapur. (sda)

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