Fastweb Desaster: Milliardenverlust im Swisscom-Italiengeschäft
Aktualisiert

Fastweb DesasterMilliardenverlust im Swisscom-Italiengeschäft

Die italienische Breitbandtochter Fastweb reisst erneut ein Milliardenloch in die Swisscom-Kasse. Trotz einem Milliardenabschreiber hält der Telekom-Anbieter an seiner Strategie fest.

Swisscom-CEO Carsten Schloter hat nichts zu lachen. Die italienische Tochter Fastweb hat seit 2007 35 Prozent des Wertes eingebüsst.

Swisscom-CEO Carsten Schloter hat nichts zu lachen. Die italienische Tochter Fastweb hat seit 2007 35 Prozent des Wertes eingebüsst.

Erneut erlebt die Swisscom im Ausland ein Debakel: Die italienische Breitbandtochter Fastweb sorgt für einen Milliardenabschreiber. Insgesamt reisst dies den Gewinn der Swisscom im laufenden Jahr um 1,2 Mrd. Fr. in die Tiefe.

Die Swisscom hatte für den Kauf von Fastweb vor vier Jahren insgesamt 4,6 Mrd. Euro investiert, um die begrenzten Wachstumsmöglichkeiten in der Schweiz zu kompensieren. Heute bleibe von dem Geld zusammen mit den ordentlichen jährlichen Abschreibungen nur noch 2,9 Mrd. Euro übrig, erklärte die Swisscom am Mittwoch in einem Communiqué.

Dies sei eine Wertminderung von 35 Prozent seit der Übernahme im Jahre 2007. Aus damaliger Sicht sei der Kaufpreis für Fastweb angemessen gewesen, erklärte die Swisscom. Nur geschah die Übernahme genau auf dem Höhepunkt des Wirtschaftsbooms. In den ersten Jahren sei man noch erfolgreich gewesen, sagte Swisscom-Chef Carsten Schloter am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Ab 2009 ging es bergab.

Kaufpreis zu hoch

«Aus heutiger Sicht mit Wissen um die Wirtschaftskrise haben wir eindeutig zu viel bezahlt im Jahr 2007», gestand Schloter ein. «Aber es gilt den Gesamtmarkt anzuschauen», sagte Schloter: Im gleichen Zeitraum habe der Durchschnitt der an der italienischen Börse kotierten Firmen 63 Prozent an Wert verloren. Der Index der Schweizer Grosskonzerne SMI habe im gleichen Zeitraum 37 Prozent eingebüsst.

Auch andere Telekomunternehmen hätten heuer in Italien solche Wertberichtigungen vornehmen müssen - Vodafone 0,9 Mrd. Euro, Telekom Italia gar 3,2 Mrd. Euro, sagte Schloter.

1,2 Mrd. Fr. weniger Gewinn

Nach Abzug von Steuereffekten reisse der Milliardenabschreiber bei Fastweb den Reingewinn der Swisscom im laufenden Jahr um 1,2 Mrd. Fr. nach unten, erklärte Swisscom-Finanzchef Ueli Dietiker. Damit dürfte der Reingewinn des Gesamtjahres 2011 auf einige hundert Mio. Fr. schrumpfen. 2010 hatte der Schweizer Konzern unter dem Strich noch rund 1,8 Mrd. Fr. verdient.

Zu schaffen mache Fastweb die hohe Staatsverschuldung, das schwache Wirtschaftswachstum, die steigende Arbeitslosigkeit und die politische Unsicherheit. Dies «sind Risikofaktoren, die das künftige Wachstum und damit den Unternehmenswert von Fastweb beeinträchtigen», erklärte die Swisscom.

Allerdings leidet Fastweb nicht nur unter den Folgen der Schuldenkrise. Das Privatkundengeschäft der Mailänder hapert, weil der Breitbandmarkt immer mehr gesättigt und der Preiskampf wegen neuer Konkurrenten hart ist. Ausserdem schlägt sich Fastweb mit vielen Kunden herum, die ihre Rechnungen nicht bezahlen.

Kein Ausstieg

An einen Ausstieg aus dem Mailänder Unternehmen denkt die Swisscom nicht: «Es wäre völlig falsch, die Investition in Fastweb in Frage zu stellen, nur weil wir in einer schwierigen konjunkturellen Lage sind», sagte Schloter. «Wir sind nicht der Meinung, dass die Strategie in Italien gescheitert ist.»

«Wir haben in Fastweb investiert, weil wir der Überzeugung sind, dass eine eigene Glasfaserinfrastruktur eminent wichtig ist für die Zukunft eines Telekommunikationsanbieters», sagte Schloter. Fastweb habe diese Infrastruktur und sei bestens gerüstet für die Zukunft.

Allerdings muss Fastweb angesichts der Wirtschaftskrise in den nächsten fünf Jahren kleinere Brötchen backen. Die Erwartungen für das jährliche Umsatzwachstum schraubte die Swisscom zurück, gleichzeitig tritt sie auf die Bremse und will in den nächsten zwei Jahren beim Mailänder Unternehmen 120 Mio. Euro einsparen. Dies führe zu einem Stellenabbau, sagte Schloter. Der Swisscom-Chef stellte aber klar, dass der Milliardenabschreiber bei Fastweb kein Anlass für Stellenstreichungen in der Schweiz sei.

Die Videobotschaft von Swisscom-Chef Carsten Schloter

(sda)

Swisscom-Aktie hält sich

Das Kurs der Swisscom-Papiere fiel bei Handelsbeginn in einem leicht schwächeren Gesamtmarkt zunächst um 1,5 Prozent, rappelte sich danach aber wieder auf. Um 10.30 Uhr notierte die Aktie leicht im Plus. Der Swiss Market Index (SMI) lag derweil um 0,1 Prozent unter dem Stand vom Vorabend. (sda)

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