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Illegale PartysMillionär (19) lockt New Yorks Hipster in Tunnels

Er kann sich die Bussen leisten: Alex Shlaferman veranstaltet New Yorks coolste Partys. Im U-Bahn-Tunnel und auf der Manhattan-Brücke.

von
sut

Eine gigantische Street Parade wie in Zürich gibt es in New York nicht - nur viele kleinere Paraden zur Feier von Ethnien und Minderheiten. Dennoch leidet die grösste US-Stadt nicht unter Partymangel. Diesen Sommer sind Promotoren zu neuen Ufern vorgestossen, an denen New Yorks Cops nicht immer Freude hatten.

Eine spektakuläre Fete ging am 10. August mitten auf der Manhattan Bridge ab, die sich hoch über dem East River von Chinatown nach Downtown Brooklyn spannt. Organisiert über die Facebook-Seite von Xandernation versammelten sich Hunderte Szenegänger auf dem Fussgängersteg der stählernen Hängebrücke. Um 22.30 Uhr setzten DJs der Gruppe Bear Sauce ihre von einem Generator gespiesene Musikanlage 30 Meter über dem Wasser in Betrieb, und bald wippte der Flash Mob synchron zu Dance-Rhythmen.

Lauter als die Subway

Wie in Videos zu sehen ist, übertönten die Lautsprecher sogar das Rumpeln der Subway-Züge, die beinahe in Tuchfühlung der Tanzenden vorbeizuckelten. Partygänger Mike Khaylo, 16, sagte der Zeitung «New York Daily Mail»: «Wir sind im Freien, und es gibt eine irre Sicht auf die Stadt, und wir sind dreissig Meter hoch - es macht unglaublich Spass.»

Natürlich war die ganze Sache illegal. Doch rätselhafterweise rückten die Cops erst um 0.40 Uhr an, um dem Treiben ein Ende zu setzen. Wie der Organisator Alex Xander später der Site «The Gothamist» erzählte, habe einer der Polizisten sogar im Rhythmus getanzt. «Er sagte: » Xander sowie zwei DJs wurden verhaftet und mussten neun Stunden auf dem Polizeiposten ausharren.

Urbaner Karneval

Der Promoter hat den Zoff erwartet. Alex Shlaferman, wie er mit richtigem Namen heisst, ist ein wahrer Tausendsassa. Mit erst 19 Jahren ist er längst Millionär. Die von ihm aufgebaute Spielwarenfabrik Vante Toys verkauft «Super Looper» genannte Bumerang-Modellflugzeuge in die ganze Welt. Diesen Sommer organisierte er vorher schon fünf «urban carnivals», wie Partys bei ihm heissen, in einem Flugzeughangar und in Lagerräumen. Weil er den Sommer mit einem Knalleffekt abschliessen wollte, wählte er als letzten Ort die Brücke. Der «New York Post» sagte er: «Ich kann in einen New Yorker Club gehen, 3000 Dollar für einen Tisch ausgeben und Spass mit drei oder vier Freunden haben. Oder ich kann die gleiche Summe ausgeben, um Tausend Leute glücklich zu machen.»

Beim anderen Sonderevent der Saison zählten die Glücklichen bloss 150. Am Tag der Sommersonnenwende stiegen sie in Brooklyn über eine Leiter in sieben Stockwerke Tiefe hinab, um sich in einem unbenutzten U-Bahn-Depot von der Party «Before We Were Ghosts» - Bevor wir Geister waren - überraschen zu lassen. Die Gäste hatten gutes Schuhwerk, Kerzen und eine Taschenlampe mitzubringen und mussten zwei Stunden ohne Toiletten auskommen. Kameras waren verboten, Handys blieben ausgeschaltet.

Bei Kerzenlicht in die Gruft

Wie ein Reporter des «Gothamist» schreibt, folgten magische Stunden. Inszeniert vom Underground-Impresario Jeff Stark, traten in einer hallenartigen «Echo-Gruft» eine hypnotische Balladensängerin, ein manischer Drummer und eine exaltierte Marschmusikband auf, bis die Gäste sich im Tanz verloren. Die Gothamist-Bildstrecke zeigt die Partygemeinde bei Kerzenlicht vor Graffiti-bedeckten Betonmauern der Tunnel. Das geheimnisvolle Stelldichein am längsten Tag des Jahres erfüllte den Reporter mit Stolz. Es habe ihn daran erinnert, schreibt er, «dass dies immer noch eine lebenswerte Stadt ist, trotz des schleichenden Gefühls, dass New York leergesaugt wird von einer immer grösseren Armee von Immobilien-Vampiren.»

So unbemerkt, wie sie in die Tiefe gehuscht waren, kehrten die Partygänger wieder an die Oberfläche zurück. Doch darin waren sie ein Ausnahme. In der Regel werden illegale Anlässe eher früher als später von den Cops beendet. Was irgendwie auch dazugehört. Denn wenn das nicht so wäre, gäbe es wohl keine solchen Partys mehr.

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