Nachbarn wollen ihm «Thai-Tempel» verbieten - Millionär bläst mit nackten Frauen-Puppen zum Gegenangriff
Publiziert

Nachbarn wollen ihm «Thai-Tempel» verbietenMillionär bläst mit nackten Frauen-Puppen zum Gegenangriff

Zahlreiche Anwohner haben Einsprache gegen einen buddhistisch anmutenden Pavillon erhoben, den der bekannte Auto-Tuner Ueli Anliker in Trimbach SO errichtet hat. Dieser bläst zum Gegenangriff – auf seine ganz eigene Weise.

von
Simon Ulrich

Selfmade-Millionär Ueli Anliker geht mit seinen Nachbarn auf Konfrontation – unter anderem mit nackten Frauen-Figuren.

Video: sul

Darum gehts

  • Selfmade-Millionär Ueli Anliker hat auf seinem Grundstück ohne Baubewilligung einen Pavillon errichtet, der in seiner äusseren Gestalt einem buddhistischen Tempel ähnelt.

  • Die Nachbarschaft hat darauf mit einer Sammeleinsprache reagiert. Das Häuschen passe nicht ins Ortsbild.

  • Anliker wittert hinter der Einsprache Neid und Rassismus – und geht nun auf Konfrontation mit den Anwohnern.

Ueli Anliker, bekannt geworden durch seine vergoldeten Luxuskarossen und -töffs, steht mit seinen Nachbarn auf dem Trimbacher Düriberg seit längerem auf Kriegsfuss. Immer wieder eckt der Startuner und Selfmade-Millionär mit eigenwilligen Bauten und Dekorationen auf seinem Anwesen an. Im Januar 2020 etwa flankierte er seine Einfahrt mit zwei halbnackten Frauen-Statuen im römisch-antiken Stil. Mehrere Anwohner beschwerten sich daraufhin bei der Gemeinde; Einsprachen waren indes keine möglich, da die Gemeinde damals kein Baugesuch verlangte.

Anders in der neusten Episode des Düriberg-Streits: Insgesamt 15 Anwohner haben jüngst eine Sammeleinsprache gegen einen Glaspavillon unterzeichnet, den Anliker ohne Baubewilligung errichtet hat und ihm als Garage für Velos und Motorräder dient. Der 63-Jährige, der seit über 20 Jahren mit einer Thailänderin verheiratet ist und seit Anfang 2020 in Trimbach wohnt, hat das Häuschen äusserlich nach dem Vorbild eines Thai-Tempels gestaltet.

Es handle sich äusserlich «um einen religiösen Bau des buddhistischen Glaubens, welcher sich weder in die bestehenden Strukturen eingliedert, noch die Qualität der Siedlung fördert», heisst es in der Einsprache, die 20 Minuten vorliegt. Anliker unternehme alles, um mit seiner Liegenschaft «aus dem bisher homogenen und beschaulichen Wohnquartier herauszustechen». Das zeige nicht nur der Pavillon, sondern auch der 1,70 Meter hohe weisse Lattenzaun, der das Grundstück umgibt, oder die gehisste thailändische Flagge. Anlikers Extravaganz, so die Befürchtung der Einsprecher, senke letztlich den Wert der umliegenden Immobilien.

Mit dem Stinkfinger gegen die Anwohner

Derlei Argumente bringen Anlikers Blut in Wallung. Für ihn sind die Einsprechenden bloss «Oberbünzlis» und «Neider», die ihm sein «Schloss Hegiberg» – so nennt der exzentrische Unternehmer sein grosszügiges Anwesen an der gleichnamigen Strasse – missgönnen. Deshalb geht er mit der Nachbarschaft nun auf Konfrontation: Auf seinem Grundstück hat er am vergangenen Donnerstag demonstrativ drei nackte Frauen-Puppen postiert. «Ich kann in meinen Garten stellen, was ich will – das ist mein Recht», sagt Anliker. Eine der Puppen reckt ihren blau angemalten Mittelfinger in die Höhe. Will heissen: «Ihr könnt mich alle mal.»

Doch damit nicht genug der Provokation: Den Einsprachebrief hat Anliker mitsamt Namen und Adressen der Unterzeichnenden in Grossformat an seinen Zaun geheftet. In seiner Antwort, die ebenfalls aushängt, bezeichnet er sie explizit als «Rassisten», da sie ihm nicht nur den buddhistisch anmutenden Pavillon, sondern auch seine Thai-Fahne verbieten wollten. «Solche Menschen gehören öffentlich an den Pranger gestellt», findet Anliker. Dass sein Vorgehen datenschutzrechtlich problematisch sein könnte, glaubt er nicht; er habe die nötigen Abklärungen getroffen. Vielmehr werde er selbst Strafanzeige gegen die Quartierbewohner einreichen, kündigt er an – wegen Verletzung der Rassismus-Strafnorm.

«Er denkt, er sei der König»

Den Rassismus-Vorwurf erachten die Einsprechenden, die allesamt ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, als absurd. Kommt man mit ihnen ins Gespräch, so wird schnell klar, dass es ihnen nicht allein um den umstrittenen Pavillon geht. Ebenso sehr stören sie sich an Anlikers Vorgehensweise. Er sei einer, der um jeden Preis auffallen wolle, dafür das Gesetz bis zum Äussersten ausreize und auf die Befindlichkeiten der Quartierbewohner keine Rücksicht nehme, so der Tenor. Ein Anwohner merkt an, dass die Gemeinde den Neuzuzüger von Beginn weg darauf hingewiesen habe, dass der Bau des Pavillons nicht rechtens sei. «Doch ihm ist alles scheissegal – und genau so behandelt er auch alles und jeden.» Eine Frau sagt über Anliker: «Er denkt, er sei hier oben der König.»

Selbst der Trimbacher Gemeinderat lässt kein gutes Haar an seinem prominenten Bewohner. Die zahlreichen Verfahren im Zusammenhang mit dessen Bauaktivitäten, all die Gesuche und Einsprachen würden beinahe eine Vollzeitstelle in Anspruch nehmen, so Bauvorsteher Dieter Altherr (SVP). «Dieser Mann hat das Gefühl, nur weil er Anliker heisse, gälten für ihn nicht die gleichen Gesetze wie für alle anderen», sagt der 64-Jährige, der bei den kommenden Gemeinderatswahlen nicht mehr antreten wird. Unverhohlen fügt er an: «Anliker wäre besser in Winznau geblieben, wo er hergekommen ist.»

«Bürgergemeinde hat etwas gegen mich»

Anliker selbst sieht sich in der ganzen Geschichte als Opfer. Ursprünglich, erzählt er, habe er ein Gesuch für einen offenen Holzunterstand eingegeben. Doch sowohl gegen diesen wie auch gegen den späteren Glaspavillon habe sich die Bürgergemeinde Trimbach, die Eigentümerin des Landes und ergo Baurechtgeberin, gewehrt. Sie berufe sich auf das Baurecht, das neben dem Wohnhaus keine weiteren Gebäude zulasse. Anliker wittert Diskriminierung: «Die Einsprechenden haben Gartenhäuser, Schöpfe und Garagen, die auch nicht eingetragen und bewilligt sind.» Für ihn sei deshalb klar: «Die Bürgergemeinde agiert willkürlich und hat persönlich etwas gegen mich.»

Anlikers Baugesuch für den Pavillon sowie die Einsprachen sind bei der Bauverwaltung hängig. Die Bürgergemeinde, die ein zivilrechtliches Verfahren gegen ihn eingeleitet hat, wollte sich auf Anfrage nicht zur Angelegenheit äussern.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

174 Kommentare