11.04.2016 11:22

VermögensreportMillionäre flüchten aus europäischen Städten

Wegen der Flüchtlingskrise und religiöser Konflikte verlassen massenweise Millionäre die europäischen Städte. Die Schweiz ist aber bei den Superreichen weiterhin beliebt.

von
V. Blank

Es ist ein schlechtes Zeichen für ein Land, wenn die Millionäre flüchten. Sie sind meist die Ersten, die bei wirtschaftlichen oder politischen Krisen das sinkende Schiff verlassen – ganz einfach, weil sie das Geld dazu haben, sich woanders niederzulassen.

Einen besonders starken Exodus an Superreichen erlebt Frankreich. Das zeigt der neueste «New World Wealth»-Report.

Im Jahr 2015 kehrten 10'000 «High Net Worth Individuals» – das sind Personen mit mindestens 1 Million US-Dollar an liquiden Mitteln – dem Land den Rücken. Allein Paris zählt 7000 Reiche weniger. Besonders stark betroffen von der Millionärs-Flucht war auch Italien mit einem Minus von 6000 Millionären. Davon entfallen 5000 auf Rom. In Griechenland lebten 3000 Superreiche weniger (Athen: minus 2000). Auch Spanien (minus 2000) erlitt einen grossen Aderlass an Millionären.

500 mehr Millionäre in der Schweiz

Gemäss dem Report ist der grösste Teil der gut Betuchten nach Australien abgewandert. Beliebt sind zudem die USA, Kanada und Israel. Auch in der Schweiz haben offenbar einige Reiche ein neues Zuhause gefunden: Laut Studienautor Andrew Amoils erlebte die Schweiz 2015 einen Netto-Zuwachs von 500 Millionären. «Die meisten kamen aus Frankreich und Italien», so Amoils zu 20 Minuten. Auch Reiche aus Griechenland und Spanien hätten ihren Weg in die Schweiz gefunden.

Insgesamt leben rund 343'000 Personen mit einem Vermögen von mehr als 1 Million US-Dollar in der Schweiz. Der selbst bewohnte Immobilienbesitz, Gemälde oder Luxusautos sind dabei nicht mit einberechnet. Das zeigt der Weltvermögensreport der Beratungsgesellschaft Capgemini aus dem Jahr 2015.

Religiöse Spannungen wirken abschreckend

Den Millionärs-Exodus in Frankreich erklären die Studienautoren mit den religiösen Spannungen zwischen Christen und Muslimen, speziell in städtischen Gebieten. Sie rechnen damit, dass diese Spannungen in den kommenden Jahren zunehmen werden – «das wird die Migration der Reichen noch beschleunigen», heisst es im Report. Negative Auswirkungen der Religionskonflikte auf die Reichen-Dichte seien auch in Belgien, Deutschland und Schweden zu erwarten.

In Griechenland liegt die Abwanderung laut dem Report nicht nur an der schlechten wirtschaftlichen Lage, sondern vor allem auch an der Flüchtlingskrise.

Mehr Arbeitslose, weniger Steuern

Die krisengebeutelten südeuropäischen Länder leiden besonders darunter, wenn wohlhabende Bürger gehen. Die ohnehin schon hohe Arbeitslosenquote könnte noch höher werden, da Millionäre oft Unternehmer sind und so für viele Jobs verantwortlich sind, schreiben die Studienautoren. Der Abfluss von grossen Geldmengen bedeutet zudem, dass die Steuereinnahmen sinken. Zudem gelten Reiche als fleissige Konsumenten, die die regionale Wirtschaft am Laufen halten.

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